Christliches Mitleid heißt Solidarität und Teilen, nicht Pietismus oder staatliche Wohlfahrt

Benedikt XVI. ermutigt in Brindisi dazu, das Mitleid Christi nachzuahmen

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ROM, 16. Juni 2008 (ZENIT.org).- Vor 70.000 begeisterten Gläubigen feierte Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, im Hafen von Brindisi den Abschlussgottesdienst seiner zehnten Apostolischen Reise innerhalb Italiens, die ihn nach Apulien geführt hatte. Nach einem Jahrtausend war Benedikt XVI. der erste Papst, der diesen Landstrich des „Absatzes“ des italienischen Stiefels besuchte, von dem aus einst die Apostel Petrus und Paulus zu ihrer Missionierung des Kernlands des Römischen Reiches aufgebrochen waren.



In seiner Predigt forderte der Papst die Christen der Region Apulien dazu auf, Zeichen und Instrument des Mitleides und der Barmherzigkeit Christi zu sein. Christliches Mitleid bestehe wesentlich im Teilen.

Die Paramente des Heiligen Vaters waren eigens für diese Heilige Messe aus einem für die Stadt Brindisi typischem mittelalterlichen Gewebe gefertigt worden. Der Altar war am Hafen des antiken Brundisium aufgebaut worden, so dass Benedikt XVI. Richtung Osten zelebrierte. Auch damit sollte symbolisch sichtbar werden, dass Brindisi die Eintrittstür für den Osten ist. Dies wurde durch die Gegenwart des orthodoxen Metropoliten Gennadios unterstrichen, den der Papst grüßte und dabei an die „ökumenische Berufung“ erinnerte, die für Brindisi und seine Kirche charakteristisch ist.

In seiner Predigt konzentrierte sich der Papst auf die Verbindung des Alten und des Neuen Bundes sowie die Bildung der Kirche. An Pfingsten werde die universale Kirche sichtbar, die ein Leib sei mit Christus als Haupt. Ihre Schaffung versetze nicht in Furcht und Schrecken, wie dies durch die wunderbaren Zeichen auf dem Sinai der Fall gewesen sei, sondern sie geschehe über diskrete Gesten. Dies sei „die Logik des Reiches Gottes“. Die Anfänge der Kirche spiegeln für den Papst die Milde und das Mitleid des Herzens Christi wider und künden den Kampf gegen die Mächte des Bösen an. Die Kirche sei dazu berufen, das Reich des Lebens zu errichten und die Herrschaft der Todes zu besiegen, damit Gott triumphiert und sein Plan des Lebens verwirklicht wird.

Die Kirche ist, so erklärte der Papst, in Christus der Raum der Aufnahme und der Vermittlung der Liebe Gottes. Heiligkeit und Mission zeichneten sie aus – eine Mission, die sich auf Menschen stütze, die nicht schon heilig sind, sondern heilig werden sollen. Die Kirche sei eine „Gemeinschaft der Sünder“, die an Gott glauben und sich von ihm verwandeln lassen und so heilig werden.

Das Wesen des Weges der Heiligkeit und der Mission bestehe in der Nachahmung des Mitleides Christi. Christliches Mitleid sei kein Pietismus oder reine Wohlfahrt, sondern Solidarität und gemeinsames Teilen. Sein Zentrum ist nach Worten des Heiligen Vaters die Hoffnung, die Hoffnung auf Christus, „Hoffnung der Welt“.

Nach der Heiligen Messe betete der Papst das traditionelle sonntägliche Gebet des Angelus. Der Papst dankte in seinen Worten vor dem Gebet den Gläubigen für ihr Engagement bei der Vorbereitung seines Besuches.

Benedikt XVI. weitete das in der Predigt angemahnte Mitleid auf Weltebene aus. Seine Ansprache an die UN-Vollversammlung vom vergangenen April zitierend, erinnerte der Papst daran, dass es die Gleichgültigkeit oder das Nichteingreifen sind, die tatsächlichen Schaden verursachen und Konflikte nicht verhindern beziehungsweise ihnen zuvorkommen.

Zum Schluss seiner kurzen Ansprache bat Benedikt XVI. die Jungfrau, sie möge den Menschen den Weg weisen und für alle zum „Hafen des Heils“ werden. Maria solle Italien, Europa und die Welt „vor den Stürmen bewahren, die den Glauben und die echten Werte bedrohen“.