Christoph Kardinal Schönborn: Das Spielerische in der Musik Mozarts öffnet die Augen für die Schöpfung

Katechese zum Thema \"Er trägt das All durch sein mächtiges Wort – die Schöpfung dauert an\" im Wiener Stephansdom

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WIEN, 10. Januar 2006 (ZENIT.org).- In seiner vierten Katechese zum Thema \"Schöpfung und Evolution\" betonte Christoph Kardinal Schönborn am Sonntagabend im Wiener Stephansdom, dass die Schöpfung nur durch eine Kraft im Dasein erhalten werden könne, \"die absolut, überzeitlich und unendlich ist\". Um sich dieser Kraft – Gott – zu öffnen, könne die Musik Mozarts eine große Hilfe sein.



Das, was in der Philosophie und Theologie als \"fortdauernde Schöpfung\" bezeichnet wird, dieses \"Im-Sein-erhalten-Sein\", könne nicht durch eine materielle Energie gewirkt werden, sondern nur durch eine Kraft, \"die nicht aus einer anderen ihre Energie hat.\" Diese Kraft nenne man \"die fortdauernde Schöpfung. Würde Gott sie loslassen, fiele sie ins Nichts zurück.\" Und nicht nur alles Geschaffene werde auf diese Weise vom Schöpfer selbst getragen, sondern auch das Wirken aller Dinge.

Hinsichtlich der Entstehung der Lebewesen erklärte der Erzbischof von Wien: \"Damit auf unserem Planeten Leben entstehen konnte, waren eine ganze Menge von Voraussetzungen notwendig. Aber sie waren und sind nur Rahmenbedingungen. Es bedarf eines schöpferischen Aktes, des göttlichen Funkens, damit das Neue ins Dasein tritt.\" Um sich diesem Wunder, dem schöpferischen Wirken Gottes, zu nähern, das nie in aller Tiefe begriffen werden könne, sei Wolfgang Amadeus Mozart sehr hilfreich, fuhr Kardinal Schönborn fort. Im Jahr 2006, in dem der 250. Geburtstag des Komponisten aus Salzburg in Österreich mit einem \"Mozartjahr\" begangen wird, fragte sich der Kardinal in diesem Zusammenhang: \"Woher kommt das grenzenlos Spielerische seiner Werke?\" Und seine Antwort lautete: \"Sie sind in ihrer genialen Schönheit für mich eine wunderbare Analogie für die Vielfalt der Schöpfung.\"

Mozarts Kompositionen seien nicht allein durch die musikalische Formenlehre und die Gesetzmäßigkeiten der Musik erklärbar, und man könne sie auch nicht auf diese reduzieren. \"Täte es nicht gut, die Evolutionstheorie auch im Licht der schöpferischen Kraft eines Mozart zu betrachten? Wie er seine unerschöpflichen Melodien in seiner Schöpfung spielt? Kämen wir so nicht dem Schöpfer viel näher?\"