Christsein in einer säkularisierten Welt: Bartholomaios I. bei der Eröffnung der II. Konferenz der orthodoxen Jugend

Historische Tagung in Istanbul

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ISTANBUL, 13. Juli 2007 (ZENIT.org).- Am Donnerstag eröffnete der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., in Istanbul (Türkei) die II. Konferenz der orthodoxen Jugend. Sie findet unter dem Titel „Glieder der Kirche – Bürger der Welt“ statt. 600 Delegierte aus aller Welt vertreten verschiedene Kirchen, Institutionen und Stiftungen der gesamten Orthodoxie.



Christsein heißt für den Ökumenischen Patriarchen, sich als Glied des „Leibes“ zu fühlen, der die Kirche ist, und gleichzeitig Teil einer säkularisierten Welt, der das Evangelium gebracht werden muss. Das Gute der Globalisierung sei anzunehmen, ohne sich mit dieser zu identifizieren.

Bartholomaios I. erinnerte daran, dass das Ökumenische Patriarchat keine nationale Kirche ist: „Die Kirche ist keine Institution, keine Stiftung, keine Vereinigung, sondern ein Leib, der Leib unseres Herrn, dessen Haupt der einzige Sohn und Logos Gottes ist.“ Als dessen Glieder stünden alle Getauften mystisch in Gemeinschaft mit seinem Leib und seinem Blut, das für unser Heil vergossen wurde.

„Wir sind Zellen seines Leibes, das heißt der Kirche, aber Zellen einer für den anderen, wie der heilige Paulus sagt. Nur unser Gehorsam zum Willen des göttlichen Geistes und die gegenseitige Liebe und Achtung der Person und des Charismas des anderen bestimmen das korrekte Funktionieren des Leibes.“

Der Patriarch ermahnte die Jugendlichen, das Gespür dafür zu entwickeln, „im Inneren dieses Leibes Christi“ zu sein, der die Kirche ist. „Ihr seid dazu berufen, wie Zellen an ihm teilzuhaben und eure Rolle als Diener des Herrn und somit im Dienst am anderen zu erkennen.“

Als Glieder der einzigen Kirche seien wir gleichzeitig „Bürger verschiedener Länder, in denen wir gewisse Rechte genießen und in denen wir folglich auch Pflichten haben. Gewiss: Unsere Welt ist kein Paradies, und die Situation der Christen ist nicht ideal. Es ist dies eine Welt der ‚Boshaftigkeit‘, wie der Evangelist Johannes sagt; eine Welt, die ihn [Christus, Anm. d. Übers.] als ihren Herrn ablehnt. Wir müssen in dieser Welt leben, ohne aber die ‚Boshaftigkeiten‘ zu akzeptieren.“

Christsein in der Welt von heute bedeutet nach den Worten von Bartholomaios I., „allem zu gehorchen, was nicht gegen den Willen Gottes ist; das heißt: wie die Fische im Salzwasser zu leben, ohne salzig zu werden.“

Die globalisierte Welt habe die Distanzen verkürzt, was große Vorteile, aber auch Probleme mit sich bringe. Die Frage, die sich stelle, laute: „Was ist die Rolle des Christen in dieser globalisierten Welt? Die Antwort ist: Wir dürfen uns nicht säkularisieren lassen, wir dürfen uns nicht mit ihr identifizieren, sondern wir müssen einen diskreten und vernünftigen Gebrauch von den Mitteln machen, die sie uns zur Verfügung stellt – ‚ad majorem Dei gloriam‘, wie die Christen des Westens sagen.“