Christus ähnlich werden: Begegnung Benedikts XVI. mit den bayerischen Kapuzinerinnen

Pastoralreise nach Assisi

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ROM, 19. Juni 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag (17. Juni) anlässlich der Begegnung mit den bayerischen Kapuzinerinnen im italienischen Wallfahrtsort Assisi gehalten hat.



Der Heilige Vater nahm seinen eintägigen Pastoralbesuch in die Geburtsstadt des heiligen Franziskus zum Anlass, um den Ordensschwestern zu danken und sie zu ermutigen, dem Herrn jeden Tag näher zu kommen.

Als Gläubige sollte man darum bemüht sein, die Stimme Jesu immer besser zu hören – „dass sie immer mehr in unser Herz eindringt, dass sie immer mehr unser Leben formt und dass wir so von innen her ihm ähnlich werden, dass in uns die Kirche lebendig sei“.

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Liebe Schwestern,

als wir miteinander, Bischof Sorrentino und ich, diesen Besuch vereinbart haben, habe ich gleich gesagt: »Ich muß aber die bayerischen, die deutschen Kapuzinerinnen sehen.« Die gehören für mich ganz fest zu Assisi, und ich habe so viele schöne Erinnerungen an die Begegnungen in ihrem Haus, vor und nach dem Erdbeben, daß für mich ein Besuch in Assisi ohne Begegnung mit den Kapuzinerinnen, den deutschen, wirklich nur ein halbes Assisi-Erlebnis gewesen wäre. So freue ich mich: Wir sind hier beieinander, fast wie wenn wir in Ihrem eigenen Kloster wären.

Ich bin sehr dankbar und glücklich, daß die Vorsehung vor Jahrhunderten dieses Kloster in Gang gebracht hat, daß es immer wieder lebt, daß aus den deutschen Landen, besonders aus den bayerischen Landen, immer wieder junge Menschen hierherkommen und in Gemeinschaft mit dem hl. Franziskus den Weg des Herrn gehen: den Weg der Armut, der Keuschheit, des Gehorsams, vor allem der Weg der Liebe zu Christus und zu seiner Kirche.

Ich weiß, daß Sie viel für mich und für die ganze Kirche beten. Das ist für mich ständig eine Stärkung, zu wissen, daß hinter mir so viele betende Menschen stehen, so viele liebe betende Schwestern stehen, die meine Arbeit von innen her mittragen. So ist es mir auch ein Bedürfnis, ein Wort des Dankes dafür zu sagen.

Wir feiern in diesem Jahr die Konversion, die Bekehrung des hl. Franziskus. Wir wissen, daß wir immer wieder der Bekehrung bedürfen, daß wir ein Leben lang in dem oft mühsamen, aber immer wieder auch schönen Aufstieg der Bekehrungen sind, daß wir so Tag um Tag dem Herrn näherkommen. Der hl. Franziskus zeigt es uns auch, wie er in seinem Leben von dieser ersten tiefen Begegnung mit dem Gekreuzigten in »San Damiano« an immer mehr hineingewachsen ist in die Gemeinschaft mit Christus, bis er in der Stigmatisierung völlig mit ihm eins geworden ist. Darum suchen wir, darum ringen wir, daß wir immer mehr seine Stimme hören, daß sie immer mehr in unser Herz eindringt, daß sie immer mehr unser Leben formt und daß wir so von innen her ihm ähnlich werden, daß in uns die Kirche lebendig sei.

Wie Maria lebendige Kirche in Person war, so werdet Ihr durch Euer Beten, Glauben, Hoffen und Lieben lebendige Kirche und gerade so eins mit dem einen Herrn. Vergelt’s Gott für alles. Ich bin dem Herrn wirklich dankbar, daß wir uns hier sehen durften.

Wir haben auch ein kleines Geschenk. (Ich sage natürlich Vergelt’s Gott für die Blumen!) Wir haben ein Bild der Gottesmutter mitgebracht, das dann an den Besuch erinnern soll, bei dem wir uns hier begegnen durften.

Ich glaube, ich darf noch ein Lied hören…

[Nach dem Gesang der Schwestern erklärte der Heilige Vater:]

Vergelt’s Gott! Das ist ein Lied, das wir im Traunsteiner Seminar auch oft gesungen haben und das mich wieder in meine frühe Jugend zurückversetzt und so die ganze Freude am Herrn und an der Muttergottes wieder spüren läßt, die wir damals und jetzt in uns getragen haben und tragen. Ich darf noch den Segen geben.

[© Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]