Christus begegnen: P. Raniero Cantalamessa über Mut und Kohärenz der Heiligen Drei Könige

Kommentar zum Hochfest Erscheinung des Herrn (Lesejahr A)

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ROM, 5. Januar 2007 (ZENIT.org).- Um die Geburt Christi wissen alle: Herodes, die Schriftgelehrten und Hohenpriester sowie die Sterndeuter. Wie sich das aber auf ihr Tun und Leben auswirkt, ist höchst unterschiedlich, wie der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., in seinem Kommentar zum Hochfest Erscheinung des Herrn (Jes 60,1-6; Eph 3,2-3a.5-6; Mt 2,1-12) deutlich vor Augen führt.

Die Lehre der Heiligen Drei Könige besteht nach seinen Ausführungen im Wesentlichen darin: „Ist man einmal Christus begegnet, so kann man nicht auf demselben Weg zurückkehren. Ändert man das Leben, so ändert sich der Weg.“

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Sie zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land


Wir wollen den Evangeliumsbericht über die Ankunft der Sterndeuter in Bethlehem näher betrachten, um ganz praktische Konsequenzen für unser Leben zu ziehen. In der Erzählung vermischt sich das historische Element mit dem theologischen und symbolischen. Mit anderen Worten: Der Evangelist wollte nicht nur „Fakten“ berichten, sondern es ging ihm auch darum, seinen Lesern Dinge nahezubringen, die „zu tun“ sind; Lebensmodelle, denen der Leser folgen kann oder die er besser lassen sollte. Wie die ganze Bibel, so sind uns auch diese Seiten zur „Lehre“ geschrieben worden.

In der Erzählung werden wir mit drei unterschiedlichen Reaktionen auf die Verkündigung der Geburt Jesu konfrontiert: die der Sterndeuter, die des Herodes und jene der Priester. Beginnen wir mit den negativen Vorbildern, also mit jenen, die zu vermeiden sind. Da ist vor allem Herodes. Sobald er von der Geburt Jesu erfahren hat, erschrickt er und ruft sofort Priester und Gelehrte zu sich, nicht aber, um die Wahrheit zu erfahren, sondern in der Absicht, eine Intrige zu inszenieren. Herodes steht für jenen Menschen, der bereits seinen Entschluss gefasst hat: Bei der Wahl zwischen dem Willen Gottes und seinen eigenen entscheidet er sich eindeutig für den Letzteren. Er sieht nichts anderes als seinen eigenen Vorteil und ist fest entschlossen, alles Störende aus dem Weg zu räumen. Wahrscheinlich meint er sogar, seine Pflicht zu tun, indem er sein Königtum, seine Familie, das Wohl der Nation verteidigt. Auch der Befehl, die unschuldigen Kinder zu töten, musste ihm (wie vielen anderen Diktatoren in der Geschichte) als eine moralisch gerechtfertigte Maßnahme zur Förderung des Gemeinwohl erscheinen. In dieser Hinsicht ist die Welt auch heute noch voller „Herodes“.

Betrachten wir nun, wie sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten verhalten. Sie werden von Herodes und den Sterndeutern befragt, wo der Messias geboren werden soll, und sie zögern nicht, die richtige Antwort zu geben. Sie wissen es, und sie können es auch den anderen mitteilen - aber sie setzen sich nicht in Bewegung. Sie gehen nicht sofort nach Bethlehem, wie man es sich von den Menschen erwarten würde, die auf das Kommen des Messias warten. Sie bleiben bequem in Jerusalem. „Geht“, sagen sie, „und berichtet uns dann…“ Sie verhalten sich wie die Straßenschilder: Sie weisen den Weg, dem zu folgen ist, selbst aber tun sie keinen Schritt; sie bleiben auf ihrer Straßenseite stehen. Bei ihnen können wir eine Haltung wahrnehmen, die auch unter uns sehr verbreitet ist. Wir wissen wohl, was es mit sich bringt, Jesus nachzufolgen, „hinter ihm herzugehen“; und wenn sich die Gelegenheit ergibt, verstehen wir es auch, es den anderen zu erklären. Aber es fehlt uns der Mut und die Radikalität, es bis ins Letzte in die Praxis umzusetzen. Wenn jeder Getaufte als solcher ein „Zeuge Christi“ ist, so muss das Verhalten der Hohenpriester und der Schriftgelehrten doch nachdenklich stimmen. Diese wussten, dass Jesus in Bethlehem war, „dem unbedeutendsten kleinsten Ort Judäas“. Und wir wissen, wo Jesus heute zu finden ist: unter den Armen, den Geringsten, den Leidenden.

Abschließend wollen wir uns noch die Hauptpersonen des heutigen Fests ansehen, die Sterndeuter. Sie lehren nicht mit Worten, sondern mit Taten; nicht mit dem, was sie sagen, sondern mit dem, was sie tun. Sie zögerten nicht, sie haben sich auf den Weg gemacht. Sie haben die Sicherheiten aufgegeben, die das Leben im vertrauten Umfeld mit sich bringt, mit Bekannten, die sie verehrten. Sie haben gehandelt, nicht gezögert. Hätten sie jede Gefahr, das Unbekannte der Reise ins Kalkül gezogen, so wäre die anfängliche Entschlossenheit verflogen und sie hätten sich in leeren und sterilen Betrachtungen verloren.

Einen letzten wertvollen Hinweis erhalten wir von den Sterndeutern selbst: „Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ Ist man einmal Christus begegnet, so kann man nicht auf demselben Weg zurückkehren. Ändert man das Leben, so ändert sich der Weg. Die Begegnung mit Christus muss eine Wende einleiten, eine Änderung der Gewohnheiten.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]