Christus, die Kraft und Freude des Christen

Bischof Javier Echevarría, Prälat des Opus Dei, über die Eucharistie

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ROM, 1. Januar 2005 (ZENIT.org).- Kein schönes Foto hinterließ der Herr seinen geliebten Jüngern, als er vor fast 2000 Jahren zu seinem Vater ging. Er fuhr in den Himmel auf und blieb dennoch mitten unter uns – in der Eucharistie. Deshalb ist sie "Mitte und Wurzel im geistlichen Leben des Christen", heilt dessen Gebrechen, vertreibt dessen Ängste und verleiht ihm stets von neuem die Gnade, umzukehren und ein besserer Mensch zu werden, Christus ähnlicher.



Die Lebensmitte des Christen wird in einem vor kurzem auch auf Deutsch erschienenen Pastoralbrief von Bischof Javier Echevarría, Prälat des Opus Dei, kraftvoll ausgeleuchtet. Die Betrachtung über den Gebetshymnus "Adoro te devote", die mit zahlreichen Zitaten und Erfahrungen des heiligen Josemaría Escrivá, Gründer des Opus Dei, gespickt ist, ist in großen Auszügen auch im Internet zu finden (Pastoralbrief über die Eucharistie).

Zentrales Thema des Schreibens ist Jesus Christus, der dank seiner eucharistischen Gegenwart all unsere Schwächen, Zweifel und Ängste heilt und uns umgestaltet. Einleitend wird die "unendliche Liebe" Gottes aufgezeigt und der Versuch unternommen, sein Bleiben in der Welt verständlich zu machen:

"Der Gott unseres Glaubens ist nicht ein entrücktes Wesen, das auf das Schicksal, auf die Not und das Elend der Menschen unbeteiligt herabschaut", schreibt Bischof Echevarria mit Worten des heiligen Josemarías. "Er ist ein Vater, der seine Kinder so sehr liebt, dass er das Wort, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, in die Welt sendet, damit es, Fleisch geworden, für uns sterbe und uns erlöse. Es ist derselbe liebende Vater, der uns jetzt sanft zu Christus hinzieht durch das Wirken des Heiligen Geistes, der in unseren Herzen wohnt" (Josemaría Escrivá, Christus begegnen, 84). Die "unendliche Liebe und Anteilnahme (…) haben den Gottessohn dazu geführt, in der heiligen Hostie zu bleiben, nachdem er – Mensch geworden – wie seine Menschenbrüder gearbeitet und gelitten hat. Er ist wirklich Emmanuel, Gott mit uns", so der Prälat des Opus Dei.

Jesus Christus habe die Eucharistie eingesetzt, "damit wir ihm immer nahe sein können, und – soweit es hier überhaupt ein Begreifen gibt – weil die Liebe ihn, dem nichts ermangelt, antreibt, nicht ohne uns zu bleiben", so der Spanier, der damit das oben begonnene Zitat seines Vorvorgängers an der Spitze der Personalprälatur zu Ende führt.

"Jesus ist in der Eucharistie geblieben, um unsere Schwachheit, unsere Zweifel, unsere Befürchtungen und Ängste zu heilen; um unsere Einsamkeit, unser Zaudern und unsere Mutlosigkeit aufzuheben; um uns auf dem Weg zu begleiten und im Kampf zu stützen." Vor allem aber ist er dort, "um uns zu lehren, wie man liebt, und uns in Liebe an sich zu ziehen".

Um diese Liebe Jesu, der geht und doch bleibt, zu veranschaulichen, bedient sich Echevarría abermals der Worte Escrivás: "Wenn ihr bei der Aussetzung des Allerheiligsten die heilige Hostie betrachtet, schaut auf die Liebe, auf die Zärtlichkeit Christi. Ich erkläre es mir aufgrund meiner Liebe zu euch so: Könnte ich weit weg bei meiner Arbeit und gleichzeitig bei euch sein, wie gerne täte ich das. Nun, Christus kann es. Und er, dessen Liebe unendlich tiefer ist als die Liebe aller Menschenherzen zusammen, hat unter uns bleiben wollen, damit wir uns immer mit seiner heiligen Menschheit vereinigen können" (Josemaría Escrivá, Im Feuer der Schmiede, 838 bzw. 832, 837).

Um sich Jesus im Sakrament der Eucharistie nähern zu können, tue es "Not, das Herz zu weiten", sagt Bischof Javier Echevarría. "Natürlich bedarf es des Glaubens; aber um eine eucharistische Seele zu sein, ist es auch nötig, 'lieben zu lernen', zu lernen, 'sich an andere zu verschenken', um bei all unserer Erbärmlichkeit die Hingabe Christi an jeden und an alle nachzuahmen." Und wo besser könne man diese Liebe erlernen, wenn nicht vom eucharistischen Herrn.

Anschließend lädt der Bischof dazu ein, in die "Schule" des heiligen Josemaría zu gehen. Denn dieser spanische Heilige "erfasste, welches Höchstmaß an demütiger Selbsterniedrigung der Herr aus zarter und zugleich starker Liebe zu einem jeden von uns auf sich genommen hat. Eben deshalb auch erwiderte er diese Liebe, ohne sich in die Anonymität zu flüchten. Er fühlte sich von Christus, der sich in der Eucharistie für ihn und alle darbringt, unmittelbar angesprochen."