Christus ist die Antwort auf die geistliche Verwüstung in der Welt von heute

Bei der Eröffnung des Jahres des Glaubens betonte Benedikt XVI., dass die Basis für die Neuevangelisierung in den Konzilsdokumenten des II. Vatikanums zu finden sei

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von Luca Marcolivio

VATIKANSTADT, 11. Oktober 2012 (ZENIT.org).- In einer festlichen Eucharistiefeier wurde ein historisches kirchliches Ereignis zelebriert, das zeitlich mit zwei bedeutenden Jahrestagen zusammenfällt: mit dem Beginn des Jahres des Glaubens und zugleich dem 50. Jahrestag seit der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie dem 20. Jahrestag der Verkündigung des Katechismus der Katholischen Kirche.

Am Vormittag des 11. Oktober 2012 wurde auf dem Petersplatz, wo tausende Gläubige aus allen Teilen der Welt versammelt waren, von Papst Benedikt XVI. gemeinsam mit 80 Kardinälen, 8 Patriarchen und höheren Erzbischöfen der katholischen Ostkirchen, den Vätern der Bischofssynode, 104 Präsidenten der Bischofskonferenzen in aller Welt und 15 Bischöfe, die sich als Väter an den Arbeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils beteiligten, eine Heilige Messe gefeiert.

Als ökumenische Vertreter nahmen der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, sowie der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., an der Feier teil. Letzterer sprach am Ende der Messe einen persönlichen Gruß aus.

Die anfängliche Prozession sollte nach dem Worten des Papstes zu Beginn seiner Predigt „an jene herausragende Prozession der Konzilsväter erinnern, als diese feierlich in die Basilika einzogen“. Weitere eindrucksvolle Zeichen waren die Aussetzung des Evangelars (die von jener des Konzils übernommen wurde) und die vor dem abschließenden Segen erfolgte Übergabe der sieben Schlussbotschaften des Konzils und des Katechismus der Katholischen Kirche durch den Papst an ausgewählte Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Komponenten wie Wissenschaft, Arbeiter und Jugendliche.

Der Heilige Vater sprach folgendermaßen über diese Zeichen: „Sie bereichern uns um eine Perspektive, die uns über das reine Gedenken des Zweiten Vatikanischen Konzils hinausführt“, sodass wir zu einem tieferen Verständnis der „geistlichen Bewegung“, die dieses Konzil charakterisierte, gelangen können.

Das Jahr des Glaubens, das mit dem heutigen Tag, dem 11. Oktober 2012, beginnt, ist eng verbunden mit der Geschichte und den kirchlichen Ereignissen der letzten 50 Jahre; vom letzten Jahr des Glaubens, das Paul VI. im Jahre 1967 ausgerufen hatte, bis hin zum großen Jubiläumsjahr 2000 während des Pontifikats des seligen Johannes Paul II.

Die Hauptthemen des Lehramtes der vergangenen beiden Pontifikate sind vor allem „Christus als Zentrum des Kosmos und der Geschichte und der apostolische Eifer seiner Verkündigung in der Welt“, der Sohn Gottes, der „nicht nur ein Objekt des Glaubens, sondern nach dem Brief an die Hebräer „der Urheber und Vollender des Glaubens“ ist (12,2).

Die evangelisierende Mission der Kirche Christi „erfährt eine räumliche und zeitliche Fortführung, über Jahrhunderte und Kontinente“. Diese Mission wird der Kirche von Jesus übertragen, „indem den Jüngern den Heiligen Geist einhaucht wird“.  

Mit dem II. Vatikanischen Konzil wurde nicht die Absicht verfolgt, „den Glauben in einem bestimmten Dokument zu thematisieren“. Dennoch habe uns das Konzil als Mittel gedient für eine „erneute Versenkung in das christliche Mysterium, um dieses wirksam an den Menschen der Gegenwart herantragen zu können“.

In der Eröffnungsrede des Konzils vom 11. Oktober 1962 hatte der selige Johannes XXIII. bereits betont, dass die Lehre der Kirche „sicher und beständig“ und „treu zu befolgen“ sei, dass sie allerdings „vertieft und  den Erfordernissen unserer Zeit entsprechend überbracht“ werden müsse.

Um die Schönheit des Glaubens in der Gegenwart wieder aufleuchten zu lassen, solle dieser nicht zum Opfer der „aktuellen Erfordernisse“ werden, noch „an die Vergangenheit gebunden“ sein, denn „im Glauben findet die ewige, alle Zeit transzendierende Gegenwart Gottes  Resonanz, doch wir können diese nur in unserem vergänglichen und unwiederholbaren Heute empfangen“.

Die Fortführung der Verkündigung Christi für den Menschen der Gegenwart besitzt weiterhin oberste Priorität; unter der Bedingung, dass der „innere Antrieb für die Neuevangelisierung nicht nur in der Vorstellung existiert und keine Verwirrung stiftet“. Die konkrete Basis für die Praxis der Evangelisierung erkannte Benedikt XVI. in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils, denn in ihnen sei das „wahre Erbe“ des Konzils enthalten.

Benedikt XVI. zufolge beabsichtigten die Konzilsväter vor 50 Jahren eine „wirksame Neudarstellung des Glaubens; gerade die Sicherheit ihres Glaubens, der einen felsenfesten Grund bildete, befähigte sie zu der vertrauensvollen Öffnung für den Dialog mit der Moderne“.

Wie bekannt ist, beobachte man in den Jahren nach dem Konzil leider “sehr häufig eine unkritische Übernahme der vorherrschenden Gesinnung, wodurch gleichsam die Basis der „depositum fidei“ in Frage gestellt wurde.  Deren Wahrheiten wurden nicht mehr als gültig erachtet“.

Mit einem neuen Jahr des Glaubens und der Neuevangelisierung werde nicht das Ziel verfolgt, „ein Jubiläum zu feiern“, sondern  Christus zu verkündigen, der heute „mehr noch als vor 50 Jahren“ gebraucht wird. Die Einrichtung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung ist in diesen Gesamtzusammenhang eingefügt.

Infolge der „geistlichen Verwüstung“ der vergangenen Jahrzehnte sei eine Leere entstanden, in der die Menschen jedoch „erneut die Freude des Glaubens“ und „den Wert der essenziellen Dinge für unser Leben“ erfahren könnten, so Benedikt XVI. im weiteren Verlauf seiner Predigt.

Dies gehe so weit, dass unsere Gegenwart ebenso wie „die Wüste, die den Wert des Lebensnotwendigen erkennen lässt, erfüllt ist von Zeichen, die oft in indirekter oder negativer Form auf einen Durst nach Gott, den letzten Sinn unsere Lebens, hinweisen“. In dieser „Wüste seien Menschen des Glaubens vonnöten, die mit ihrem eigenen Leben den Weg zu dem versprochenen Land weisen und so die Hoffnung am Leben erhalten“.

Das Jahr des Glaubens kündigt sich somit an als eine Form der „Pilgerschaft durch die Wüsten der Gegenwart, bei der nur das Allernötigste mitgenommen werden kann: keinen Wanderstab, kein Sack mit Brot und Geld, keine zwei Gewänder, wie der Herr zu den Aposteln bei der Vorbereitung auf die Mission nahe legt (vgl. Lk 9,3). Das Evangelium und der Glaube der Kirche, die in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils hell aufleuchten, sind jedoch ebenso wie der „Katechismus der Katholischen Kirche“ wichtige Begleiter. Mit diesen Worten schloss der Papst. 

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]