Christus ist König

Impuls zum Sonntagsevangelium am Christkönigsfest, Lesejahr A

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 18. November 2011 (ZENIT.org). - Am vergangenen Mittwoch hörten wir im Evangelium der Hl. Messe ein Gleichnis, in dem Jesus von einem „Mann vornehmer Herkunft“ erzählt, der „in ein fernes Land reist, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren“. Daran schließt sich noch einmal – mit geringfügigen Varianten – die Geschichte von den Talenten an, die wir am vergangenen Sonntag gehört haben. Offensichtlich ist dem Herrn dies sehr wichtig, dass wir unser Leben auf Erden auffassen als das, was es nach seinem Willen ist: eine Bewährungsprobe als Vorbereitung auf das eigentliche, das ewige Leben.

Die Untergebenen des zu krönenden Königs kommen im Gleichnis nicht gut weg, sie  hassen ihn und lassen ausrichten, dass sie nicht wollen, „dass dieser Mann unser König wird“ („nolumus hunc regnare super nos“).

Wenn es aber um unseren Herrn Jesus Christus geht, begehen die Menschen immer wieder diese Torheit, sie wollen nicht die erwiesenermaßen milde Herrschaft Gottes und ziehen die oft drückende und manchmal grausame Herrschaft von unerleuchteten Menschen vor. Wie oft kommt es vor, dass Menschen, die Christus ablehnen, sich ohne weiteres von anderen beherrschen lassen, die es gar nicht gut mit ihnen meinen, sei es der Chef im Betrieb, mit dem man sich gut stellen muss und dafür erhebliche Kompromisse eingeht, sei es im politischen Leben, wo man aus kleinlicher Berechnung die Herrschaft von Bösen akzeptiert.

Als Papst Pius XI. im Jahre 1925 das Christkönigsfest einführte, waren die irdischen Könige ihrer Macht und Bedeutung verlustig gegangen. Die verbliebenen Könige in England, Holland und anderen Ländern sind gute Repräsentanten ihres Volkes, haben aber keinerlei Macht mehr.

Allerdings hat Christus, wie er auf Erden auftritt, auch keine Macht; ja, er steht vor Pilatus als ein ganz und gar Ohnmächtiger da, so dass Pilatus „sich sehr wunderte“. Voller Skepsis und Ironie fragt er den gequälten Herrn: „Bist du der König der Juden?“ Aber die Antwort Jesu, mit göttlicher Autorität vorgetragen, lässt ihn nicht unbeeindruckt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ und dann, als Pilatus noch einmal fragt: „Also bist du doch ein König?“ sagt Jesus: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“. Was Pilatus zu der höchst aktuellen Frage veranlasst: „Was ist Wahrheit?“ (Joh 18,33 ff.) Hier kommt die ganze haltlose Verlorenheit der dekadenten römischen Welt von damals zum Ausdruck. Kulturen, die ihren Höhepunkt noch nicht überschritten haben, sehen mit größter Selbstverständlichkeit die absolute Wahrheit immer als etwas Verpflichtendes an. Erst später, wenn ein Volk „alles schon gehabt“ hat, wenn Überdruss und Müdigkeit Platz greifen, schwindet regelmäßig der Sinn für absolute Werte.

In unserer Zeit kämpft der Hl. Vater mit Vehemenz gegen diese Zeichen des Verfalls. Er prangert die „Diktatur des Relativismus“ an, d.h. er fordert die Menschen auf, solchen Schalmeientönen nicht nachzugeben, die sagen, alles ist relativ, allgemein gültige Werte gibt es nicht. Oder zum Positivismus gewandt: es kann nicht sein, dass das Recht, nach dem sich ein Volk richtet, von den Menschen selbst hergestellt wird, ohne dass man eine übergeordnete Instanz – für die Christen Gott – anerkennt.

Das Kirchenjahr schließt mit diesem Fest, so wie die Zeit einmal abschließen wird mit der Wiederkunft Christi. Dann, am Ende dieser Weltzeit, wenn „alles vollendet“ ist, wenn der letzte der von Gott geschaffenen Menschen seine Zustimmung zur Erlösung gegeben hat, dann wird Christus ein zweites Mal auf Erden erscheinen. Aber ganz anders als beim ersten Mal. Kam er damals in Einfachheit und Machtlosigkeit, wird jetzt jedem Menschen – egal ob er Christ ist oder nicht – völlig klar sein: „Jesus Christus ist der Herr“.

Wenn uns immer noch nicht klar ist, warum der König der Könige bis dahin seine Macht verbirgt, haben wir das Geheimnis der Liebe Gottes nicht verstanden. Christus will, dass alle zu ihm kommen. Da er unsere Schwierigkeiten kennt, will er es uns so leicht wie möglich machen. Viele würden es angesichts seiner Majestät nicht wagen, sich ihm zu nähern. Daher wählt er, weil er uns buchstäblich „unsterblich liebt“, den für ihn unteren Weg, der „kenosis“(griechisch: der Selbstentäußerung), damit wirklich jeder den Weg finden kann.

Mit dem nächsten Sonntag beginnen wir im Zyklus des liturgischen Jahres die Adventszeit, die uns mit ihrem Zielpunkt, dem Weihnachtsfest, das wieder einmal vor Augen führt: Gott kommt zu uns als wehrloses, in Armut geborenes Kind. Wer wird ein solches Kind nicht lieben? Wenn wir es tun, haben wir verstanden. Und später wird uns der König sagen: „Kommt zu meiner Rechten und geht ein in die Freude eures Herrn!“

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.