Christus ist wahrhaft auferstanden! P. Raniero Cantalamessa zum Ostersonntag

Kommentar zum wichtigsten Festtag des Kirchenjahres (Lesejahr A)

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ROM, 22. März 2008 (ZENIT.org).- Der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., fordert in seinem Kommentar zum Ostersonntag (Apg 10,34a.37-43; Kol 3,1-4; Joh 20,1-9) dazu auf, über den Auferstehungsglauben nachzudenken, ohne den das Christentum leer und die Kirche sinnlos wäre.

„Ohne die Tatsache der Auferstehung wird die Entstehung des Christentums und der Kirche zu einem noch schwerer erklärbaren Geheimnis als die Auferstehung selbst“, bekräftigt der Prediger. Und den stärksten Beweis für die Auferstehung sieht er in der Tasache, dass Christus lebt: „Er lebt, nicht weil wir von ihm sprechen und ihm dadurch am Leben erhalten würden, sondern weil er uns am Leben erhält; weil er uns den Sinn seiner Gegenwart erschließt, uns hoffen lässt.“

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Er ist auferstanden!

Den Frauen, die sich am Ostermorgen zum Grab begaben, sagte der Engel: „Fürchtet euch nicht. Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden!“ Ist Jesus aber wirklich auferstanden? Welche Garantie haben wir, dass es sich um eine wirklich geschehene Tatsache handelt und nicht um eine Erfindung oder Illusion? Der heilige Paulus, der seine Briefe nicht mehr als 25 Jahre nach diesen Ereignissen geschrieben habt, zählt alle Menschen auf, die Jesus nach der Auferstehung gesehen hatten; die meisten von ihnen lebten nämlich noch (vgl. 1 Kor 15,8). Was aber gibt es sonst noch für Belege, die so stark sind?

Was uns von der Wahrheit dieser Tatsache überzeugt, lässt sich in einer allgemeinen Beobachtung erläutern: Im Augenblick des Todes Jesu gehen die Jünger davon; sein Fall wird für abgeschlossen gehalten: „Wir hofften, dass er es sei“, sagen die Jünger von Emmaus. Offensichtlich hoffen sie das nicht mehr! Und siehe da: Plötzlich beobachten wir, wie diese Männer einmütig verkünden, dass Jesus lebt;, dass sie um dieses Zeugnis willen Prozesse, Verfolgungen und schließlich, einer nach dem anderen, das Martyrium und den Tod auf sich nehmen! Was hätte eine so umfassende Veränderung bewirken können, wenn nicht die Gewissheit, dass er wirklich auferstanden war?

Sie können sich nicht getäuscht haben, da sie mit ihm nach seiner Auferstehung gegessen und gesprochen haben. Und darüber hinaus handelte es sich um praktische Menschen, die alles andere als leicht zu begeistern waren. Sie selbst zweifeln als erste und setzen dem Glauben keinen geringen Widerstand entgegen. Ebenso wenig konnten sie die anderen täuschen wollen, denn: Wäre Jesus nicht auferstanden, so wären die ersten, die bis zum Verlust des eigenen Lebens verraten worden wären, gerade sie selbst gewesen. Ohne die Tatsache der Auferstehung wird die Entstehung des Christentums und der Kirche zu einem noch schwerer erklärbaren Geheimnis als die Auferstehung selbst.

Dies sind einige historische und objektive Argumente. Aber der stärkste Beweis dafür, dass Christus auferstanden ist, besteht darin, dass er lebt! Er lebt, nicht weil wir von ihm sprechen und ihm dadurch am Leben erhalten würden, sondern weil er uns am Leben erhält; weil er uns den Sinn seiner Gegenwart erschließt, uns hoffen lässt. „Christus berührt den, der an Christus glaubt“, sagte der hl. Augustinus, und wahrhaft Glaubende erfahren, das diese Aussage wahr ist.

Jene, die nicht an die Wirklichkeit der Auferstehung glauben, haben immer die Hypothese vorgebracht, dass es sich um ein Phänomen der Selbstsuggestion gehandelt hätte. Die Apostel hätten zu sehen „geglaubt“. Wäre dem aber so, so würde dies schlussendlich ein nicht weniger großes Wunder sein als das, was man nicht zugegeben will. Es setzt dies nämlich voraus, dass verschiedene Personen in verschiedenen Situationen und an unterschiedlichen Orten dieselbe Halluzination gehabt hätten. Illusorische Visionen gehören gewöhnlich zu dem, der sie sich erwartet und innig wünscht, aber nach den Geschehnissen des Karfreitags erwarteten sich die Apostel nichts mehr.

Die Auferstehung Christi ist für das geistliche Universum das, was für das physische Universum nach einer modernen Theorie der „Big bang“ war: eine so energiereiche Explosion, dass sie dem Kosmos jene Expansionsbewegung verlieh, die heute noch andauert, im Abstand von Milliarden von Jahren. Nimmt man der Kirche den Glauben an die Auferstehung, so steht alles still und verlischt, es ist, als käme es in einem Haus zum Stromausfall. Der hl. Paulus schreibt: „Wenn du mit deinem Mund bekennst: ‚Jesus ist der Herr’ und in deinem Herzen glaubst: ‚Gott hat ihn von den Toten auferweckt’, so wirst du gerettet werden“ (Röm 10,9).

„Der Glaube der Christen ist die Auferstehung Christi“, sagt der hl. Augustinus. Alle glauben, dass Jesus „gestorben“ ist, sogar die Heiden und Agnostiker. Aber nur die Christen glauben, dass er auch tatsächlich „auferstanden“ ist. Und man ist kein Christ, wenn man das nicht glaubt. Indem Gott Christus von den Toten auferweckt, beglaubigt er gewissermaßen das Werk Christi und drückt diesem sein Siegel auf: „Gott hat vor allen Menschen dadurch ausgewiesen, dass er ihn von den Toten auferweckte“ (vgl. Apg 17,31).

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]