Christus kennen: Papst Benedikt XVI. über die „besondere Berufung“ Afrikas

Aufruf zu Völkerverständigung, Versöhnung und Erneuerung des Gebetslebens

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YAOUNDÉ, 20. März 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat alle Afrikaner dazu ermutigt, stolz darauf zu sein, dass Jesus Christus in Ägypten Zuflucht fand und auf diese Weise den ganzen Kontinent „mit seiner physischen Gegenwart" segnen wollte.

Beim Empfang der Mitglieder des Sonderrats des Generalsekretariats der Bischofssynode für Afrika in der Apostolischen Nuntiatur von Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, riet der Heilige Vater am Donnerstagabend dazu, diesen gesunden Stolz zu pflegen. Mit dem Kommen Christi sei zudem eine „besondere Berufung" verbunden: Jesus Christus zu kennen und zu lieben. Der Papst ermutigte die Bischöfe, das Bewusstsein für diese große Berufung unter den Gläubigen zu stärken.

Die Mitglieder des Sonderrats bereiten die Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika vor, die vom 4. bis 25. Oktober 2009 im Vatikan stattfinden wird. Das Motto des Zusammentreffens lautet: „Die Kirche in Afrika im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens" - „Ihr seid das Salz der Erde... Ihr seid das Licht der Welt (Mt 5,13.14)".

Same der Gegenwart Gottes


„Euer Kontinent ist von unserem Herrn Jesus persönlich gesegnet worden", erklärte Benedikt XVI. seinen Gästen zu Beginn des Treffens. „In der Morgendämmerung seines irdischen Lebens veranlassten ihn traurige Umstände dazu, afrikanischen Boden zu betreten. Gott wählte euren Kontinent aus, damit er Aufenthaltsort seines Sohnes werde."

In Jesus habe sich Gott den Menschen überall auf der Welt nähern wollen, aber in ganz besonderer Weise den Männern und Frauen Afrikas. „Afrika ist der Ort, wo der Sohn Gottes abgestillt wurde, wo ihm wirkungsvolles Asyl angeboten wurde."

Papst Benedikt blickte auf die lange Geschichte des Christentums in Afrika zurück - sein Besuch in Angola findet zum 500. Jahrestag der ersten Evangelisierung dieses Landes statt -, und er zeigte auf, dass Gott dem ganzen Kontinent „Salz und Licht" gebracht habe. „Der Same seiner Gegenwart ist tief in die Herzen dieses wunderbaren Kontinents eingegraben worden, und allmählich ist er aufgegangen."

In der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, in der junge afrikanische Demokratien entstanden, habe die Kirche einen Aufschwung erlebt, der bis heute anhält. Die Ortskirchen hätten den Prozess der Ausbildung neuer nationaler Identitäten begleitet und sich zugleich darum bemüht, die Identität Christi auf eigene Weise zu übersetzen.

Große und heilige Theologen und Lehrmeister
Mit Blick auf die afrikanische Theologie, die in den Jahren nach dem Konzil immer fruchtbarer geworden sei, rief Papst Benedikt seine Gäste dazu auf, der Weltkirche große Theologen und Lehrmeister aus Afrika zu schenken; Menschen, die in der Lage seien, „zur Heiligkeit jener Menschen beizutragen, die auf diesem Kontinent leben", wie auch aller übrigen Mitglieder der Weltkirche.

„Es wäre gesund für eure Theologen heute, weiterhin die Tiefe des trinitarischen Geheimnisses und seine Bedeutung für den afrikanischen Lebensalltag zu erforschen", so Papst Benedikt, der diesbezüglich auch eine Renaissance der einst so renommierten Schule von Alexandrien - in neuem Gewand und mit neuen Strukturen - in Aussicht stellte.

Zeugen der Versöhnung
Zu den ganz großen Herausforderungen Afrikas, die bei der Bischofssynode im Oktober beleuchtet werden sollen, gehört nach Worten des Heiligen Vaters die Aussöhnung „zwischen Völkern, ethnischen Gruppen und den einzelnen Personen".

Afrika sei nach wie vor Schauplatz großer Tragödien, die nach aufrichtiger Versöhnung riefen. Die Wurzeln dieser Versöhnung seien „in der erbarmensreichen Liebe Gottes des Vaters" zu finden, und erwirkt werde sie durch Jesus Christus, „der - im Heiligen Geist - allen die Gnade der Versöhnung angeboten hat". Sichtbar werde Versöhnung dann in jener Gerechtigkeit und jenem Frieden, „die für den Aufbau einer besseren Welt so unverzichtbar sind".

Papst Benedikt XVI. appellierte an die ganze Menschheitsfamilie, Hass zu überwinden und Frieden zu stiften: „Wenn es wahr ist, dass wir in Jesus Christus zur selben Familie gehören und ein und dasselbe Leben teilen - fließt doch in unseren Venen das Blut Christi, der uns zu Kindern Gottes, zu Angehörigen der Familie Gottes gemacht hat - dann darf es nicht länger Hass, Ungerechtigkeit und Vernichtungskriege geben."

Wort und Brot des Lebens, die Kraftquellen
Papst Benedikt betonte beim Gespräch mit den Bischöfen auch die Notwendigkeit, das Glaubensleben zu vertiefen. Insbesondere regte er dazu an, den Gläubigen einen tieferen Zugang zur Eucharistie zu erschließen, um aus ihr zu leben. Außerdem lohne es sich, das „in die Tiefe gehende Hinhören auf das Wort Gottes und die betrachtende Lesung der heiligen Schrift" zu fördern.

„Das Wort des Lebens und das Brot des Lebens bieten uns Licht und Stärkung und sind Arznei und Nahrung für unseren Weg, den wir in Treue zum Lehrer und Hirten unserer Seelen gehen wollen, damit die Kirche in Afrika ihren Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens ausführen kann."

Alle, die diesen Dienst verrichten wollten, bedürften der Bekehrung und müssten Jesus Christus folgen, fügte Benedikt XVI. hinzu. „Sie müssen seine Jünger werden, um Zeugen seiner heilenden Macht zu sein."

Für ein friedlicheres Afrika

Abschließend bekräftigte der Heilige Vater seinen Auftrag an die Christen in Afrika, Friedensstifter zu sein: „Kein ethnischer oder kultureller Unterschied und auch kein Unterschied der Rasse, des Geschlechts oder der Religion darf ein Grund sein, dass ihr euch streitet", so Benedikt XVI. „Ihr seid alle Kinder des einen Gottes, unseres Vaters im Himmel. In dieser Überzeugung ist es möglich, ein gerechteres und friedlicheres Afrika zu bauen - ein Afrika, dass den rechtmäßigen Erwartungen aller seiner Kinder gerecht wird."

Die drei von Papst Benedikt ernannten delegierten Präsidenten der bevorstehenden Sondersynode für Afrika sind der ehemalige Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Francis Arinze (77), der aus Nigeria stammt, der Erzbischof von Dakar (Senegal), Kardinal Théodore-Adrien Sarr (73), und der Erzbischof von Durban (Südafrika), Kardinal Wilfrid Fox Napier OFM (67).

Generalrelator ist der Erzbischof von Cape Coast (Ghana), Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, und die Sondersekretäre sind Erzbischof Damião António Franklin von Luanda (Angola) und Bischof Edmond Djitangar von Sarh (Tschad).

Von Inma Alvarez und Dominik Hartig