Clemens August Graf von Galen (1878-1946)

Glaubenszeuge in finsteren Zeiten

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 927 klicks

Als Clemens August Graf von Galen am 9. Oktober 2005 seliggesprochen wurde, beschrieb ihn Benedikt XVI. als „großen Zeugen des Glaubens … , der in finsterer Zeit das Licht der Wahrheit aufgerichtet und den Mut des Widerstands gegen die Macht der Tyrannei gezeigt hat.“

Von Galen, der kurz vor seinem Tod von Papst Pius XII. am 18. Februar 1946 in Rom zum Kardinal berufen worden, starb knapp ein Jahr nach dem Kriegsende, am 22. März 1946. Zuvor hatte er nach der Rückkehr aus Rom seine letzte Ansprache vor dem in Trümmern liegenden Dom zu Münster gehalten, in dem sich in der Ludgeruskapelle auch sein Grab befindet.

Clemens August Graf von Galen wurde am 16. März 1878 in Oldenburg geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er in Fribourg, Innsbruck und Münster Theologie. 1904 erfolgte seine Priesterweihe. Ab 1906 war er in den nächsten zwanzig Jahren in Berlin als Priester tätig, wo er den Ersten Weltkrieg, die Wirtschaftskrise und die Nachkriegswirren erlebte. 1929 wurde von Galen dann zum Pfarrer in der Stadt- und Marktkirche Sankt Lamberti in Münster berufen. Vier Jahre später trat er die Nachfolge des Bischofs Johannes Poggenburg an, und er wurde am 28. Oktober 1933 mit dem Wahlspruch „Nec laudibus, nec timore“ (Weder durch Lob noch durch Furcht weiche ich von Gottes Wegen ab) zum Bischof geweiht.

Von Galen verurteilte in seinen Ansprachen immer wieder öffentlich das NS-Regime. Er trat für die Freiheit der Kirche, der kirchlichen Institutionen und für die Religionsfreiheit ein. Öffentlich klagte von Galen die Diskriminierung von Christen durch das NS-Regime an. Das Recht auf Leben, auf seine Unverletzlichkeit und auf Freiheit bezeichnete er als untastbar und wandte sich damit gegen die Übergriffe durch das NS-Regime. In seiner Predigt vom 3. August 1941 verurteilte er scharf die Euthanasie und warnte vorausschauend: „Dann ist keiner von uns mehr seines Lebens sicher.“ 

„Von woher kam ihm diese Einsicht in einer Zeit, in der gescheite Leute der Verblendung verfielen? Und von woher kam ihm die Kraft zum Widerstand in einem Augenblick, in dem auch starke Menschen sich schwach und feige gezeigt haben?“, waren die Fragen, die Benedikt XVI. während seiner Ansprache stellte und die er mit den Worten beantwortete: „Einsicht und Mut sind ihm aus dem Glauben gekommen, der ihm die Wahrheit gezeigt, das Herz und die Augen dafür geöffnet hat, und weil er Gott mehr fürchtete als die Menschen, der ihm den Mut gegeben hat, zu tun und zu sagen, was andere nicht zu tun und zu sagen wagten.“ 

Von Galen zählte 1937 zu den Bischöfen, die Papst Pius XII. nach Rom eingeladen hatte, um das Schreiben mit „brennender Sorge“ vorzubereiten. Das NS-Regime verfolgte das Handeln von Galens aufmerksam und hätte sich des Widersachers gerne entledigt, entschied aber stattdessen, 24 Priester und 18 Ordensgeistliche aus der Diözese ins Konzentrationslager zu deportieren, wo zehn von ihnen starben. Nach dem Krieg setzte sich von Galen weiter auch bei den Besatzungsmächten für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen ein.  

Clemens August Graf von Galen ist uns auch heute noch ein Beispiel dafür, sich zu seinem Glauben zu bekennen, furchtlos für ihn einzustehen und die eigenen Prinzipien und Werte nicht zu verraten.

„So gibt er uns Mut, ja er trägt uns auf, heute wieder den Glauben neu zu leben, und er zeigt uns auch, wie das geht – in ganz einfachen, demütigen und doch großen und tiefreichenden Dingen.  … Wir danken dem Herrn für diesen großen Zeugen und bitten darum, dass er uns leuchte und führe“, so abschließend Benedikt XVI. in seiner Ansprache.