COMECE: Europa darf seine großen Werte trotz aller Krisen nicht aufgeben

Europäische Bischöfe stellten sich in Brüssel den aktuellen Herausforderungen

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BRÜSSEL, 14. November 2008 (ZENIT.org).- Ein Europa, das auf christlichen Werten beruht, hat große Ziele, die sie trotz aller Krisen nicht aufgeben wird. Dies haben die Mitglieder der Kommission der Bischofskonferenzen aus dem EU-Raum (COMECE) bei ihrer Herbstvollversammlung in Brüssel unterstrichen, die heute mit einer Pressekonferenz zu Ende ging.

Mit Blick auf das Thema „Die aktuellen Herausforderungen für Europa“ haben sie drei Krisen diagnostiziert, die den vitalen Prozess hin zum sozialen Europa, zum grünen Europa und zum geeinten, sicheren Europa begleiten.

Die Bischöfe forderten angesichts der Not aller irakischen Flüchtlinge die EU dazu auf, die wesentliche Rolle des Christentums in der Prägung der irakischen Geschichte und Tradition anzuerkennen. Die EU sollte im Rahmen ihrer Kontakte mit der irakischen Regierung stets die Situation der christlichen Gemeinschaft Iraks, die heute in ihrer Existenz bedroht sei, sowie die Situation anderer religiöser Minderheiten erwähnen. Die Bischöfe bedauerten, dass die EU sich in ihren auswärtigen Beziehungen nicht entschlossen genug gegen Verletzungen der Religionsfreiheit einsetze, unter der Minderheiten auf der ganzen Welt weiterhin leiden müssten.

Eine Herausforderung für das soziale Europa sei die aktuelle Finanzkrise, so die COMECE-Bischöfe. Sie offenbare eine tiefere geistige Krise und eine falsche Werteordnung. Der innere Sinn und Wert menschlicher Arbeit seien beim allgemeinen Streben nach Gewinn in den Hintergrund getreten.

Die Breitenwirkung der Krise dürfe nicht unterschätzt werden, so Bischof Adrianus Van Luyn, Vorsitzender der COMECE: „Wer die Ursache der Finanzkrise allein in einem Mangel an Transparenz und juristischer Zurechenbarkeit sieht, übersieht möglicherweise, dass vielmehr unser Gesellschaftsmodell selbst in Frage steht. Ein Wirtschaftsmodell, das auf dem fortgesetzten und unbegrenzten Konsum begrenzter Ressourcen beruht, führt in die Irre.“

Das grüne Europa müsse sich dem Klimawandel stellen und einen christlichen Lebensstil entwickeln, der einer globalen Krise gerecht werde, die eine Überlebensfrage für einen großen Teil der Menschheit geworden sei. Die Expertenkommission der COMECE sieht laut ihrem vorgelegten Bericht großen Bedarf für politische Führungsstärke und ethischer Reflexion und Debatte. Das Herz der Bevölkerung sollte erreicht werden, damit ein auf Konsum und insbesondere auf einen unverhältnismäßigen Energiekonsum basierender Lebensstil sich nachhaltig wandeln könne.

„Maßhalten“ als zentrale Tugend sollte im Zentrum dieses neuen Lebensstils stehen, so die EU-Bischöfe. Sie riefen die Christen auf, gegenüber ihren Mitbürgern deutlich zu machen, dass Maßhalten auch ein Synonym für Lebensqualität und Freude sein könne - weil es erlaube, das Notwendige vom Überflüssigen zu unterscheiden. Dass ein ökologischer Lebensstil auch glücklich mache, müsse effektiver und überzeugter kommuniziert werden.

Das geeinte Europa müsse sich, so betonten die Hirten, dem niederschmetterndem Ergebnis des Referendums in Irland stellen, das den Vertrag von Lissabon und damit die institutionelle Reform der EU vorerst zum Erliegen gebracht hatte.

Zum Abschluss ihrer Tagung beauftragten die Bischöfe das COMECE-Sekretariat, eine Expertengruppe einzusetzen, die bis zur nächsten Vollversammlung einen Bericht zum Thema „Wahrung der gleichen Religionsfreiheit für alle Europäer“ erstellen soll.