„Conversi ad Dominum“: Benedikt XVI. taufte in der Sixtinischen Kapelle

Von Armin Schwibach

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ROM, 14. Januar 2008 (ZENIT.org).- Am Fest der Taufe des Herrn spendete Papst Benedikt XVI. einer alten Tradition folgend in der Sixtinischen Kappelle das Sakrament der Taufe. Dreizehn Neugeborene, Kinder von Angestellten des Vatikans, wurden so, wie der Papst sagte, in den „geistlichen Leib der Kirche“ aufgenommen.



Zu ersten Mal seit vielen Jahrzehnten wurde die Eucharistie am antiken Altar der Sixtina vor Michelangelos Fresko des „Jüngsten Gerichts“ gefeiert. Unter Papst Johannes Paul II. und in den vergangenen beiden Jahren hatte man einen abmontierbaren Holzaltar verwendet.

Der neue Zeremonienmeister des Papstes, Prälat Guido Marini, erklärte diesbezüglich, der Heilige Vater wolle mit der Entscheidung, die Messe am Altar Benedikts XIII. (1724) zu feiern, der „Schönheit und der Harmonie dieses architektonischen Juwels“ gerecht werden.

Die Feier des Messopfers am antiken Altar brachte es mit sich, dass der Papst zusammen mit dem Volk mit Blick auf das Kreuz in Richtung Osten betete, den Ort des Aufgangs der neuen Sonne, die Christus ist.

Das II. Vatikanische Konzil, nach dessen Ende es zur Reform der Liturgie kam, deren sichtbarstes Zeichen mit der Einführung des so genannten „Volksaltars“ die Aufgabe der gemeinsamen Gebetsrichtung ist, hatte sich nie zur Stellung des Altares geäußert. Bis zur Liturgiereform war die gemeinsame Gebetsrichtung von Priester und Volk hin zu Gott, der dem Menschen entgegenkommt und im Kreuz leibhaft dargestellt ist.

Kardinal Joseph Ratzinger war der Verfasser der Einleitung zum Buch von Uwe Michael Lang „Conversi ad Dominum. Zu Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung“ (Johannes Verlag, Einsiedeln 2003-2006, 4. Auflage). Darin hielt der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation fest: „Zwei Dinge erscheinen für den normalen Kirchenbesucher als die greifbarsten Ergebnisse der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils: das Verschwinden der lateinischen Sprache und die Wendung der Altäre zum Volk hin. Wer die Texte des Konzils selber liest, wird mit Erstaunen feststellen, dass weder das eine noch das andere in dieser Form in den Konzilsbeschlüssen zu finden ist. Gewiss, der Volkssprache sollte – vor allem im Bereich des Wortgottesdienstes – nach dem Konzil Raum gegeben werden, aber die vorausgehende Generalregel des Konzilstextes lautet: ‚Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht‘ (SC 36,1). Von der Wendung der Altäre zum Volk hin ist im Konzilstext nicht die Rede.“ Gleiches gelte für das Lateinische als der Sprache der Liturgie der katholischen Kirche.

Papst Benedikt setzte am Sonntag also ein kleines Zeichen für den wahren Sinn einer „Reform der Reform“ der liturgischen Feiern.