Dämonen heute

Impuls zum 4. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 27. Januar 2012 (ZENIT.org). - Im Evangelium des vierten Sonntags im Jahreskreis begegnet Jesus einem Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Zwischen unreinen Geistern und Jesus besteht eine traditionelle Feindschaft. Sie können den ganz Reinen nicht ausstehen und wollen ihn weghaben: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazareth?“

Ähnliches kommt immer wieder vor, auch in unserer Zeit.

Im Gegensatz zu den Menschen wissen die Dämonen aber ganz genau, wer Jesus ist, und dass sie gegen ihn nicht ankommen können. Die Menschen, die Jesus nur als den bescheidenen Wanderprediger kennen, verhalten sich nie adäquat ihm gegenüber. Meistens behandeln sie ihn mit Herablassung, wenn nicht sogar mit Geringschätzung. Aber der Herr lässt das zu, auch heute, denn er will uns so weit wie möglich entgegen kommen, damit wir die Früchte der Erlösung, die er für uns gewonnen hat, freundlicherweise annehmen. Die Dämonen aber, also die gefallenen Engel – die genauso wie die guten Engel eine Realität sind – behandelt der Herr mit Härte. Die bösen Geister, die manche Menschen besetzt halten, werden rücksichtslos ausgetrieben.

In der Regel ist der Teufel kein „Gesprächsthema“ (leider auch kein Predigtthema), aber es tut uns gut zu wissen, mit wem wir es zu tun haben. Denn wir haben, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, immer wieder mit ihm zu tun. In der Tiefe seines Herzens weiss jeder Mensch, dass sich da manchmal eine Stimme bemerkbar macht, die zum Bösen anreizt: zum Stolz, zur Eitelkeit, zur ungeordneten Sinnlichkeit, zur Trägheit, zur Habgier usw. Das ist noch nicht der Teufel. Vielmehr ist es die Folge der Erbsünde. Die Erbsünde selber ist in der Taufe gelöscht worden, aber die Folgen der Erbsünde, also die Neigungen zum Bösen bleiben und begleiten uns unser Leben lang. Wenn wir ihnen widerstehen, haben wir gewonnen.

Der Teufel, oder genauer gesagt die Teufel, haben den nie ermüdenden Drang, die Menschen zum Bösen zu verführen, d.h. deren böse Neigungen anzustacheln. Warum tun sie das? Was haben sie davon? Was sie antreibt, ist ihr unauslöschlicher Hass auf Gott, den sie verloren haben, und dem sie nicht gönnen, dass so niedere Geschöpfe wie die Menschen zu ihm finden.

Nicht immer also ist es erkennbar, ob der „gewöhnliche Wahnsinn“ der Menschen oder außerdem das Anheizen durch die bösen Geister für eine böse Tat verantwortlich ist. Aus aktuellem Anlass gibt es Aufregung um ein blasphemisches Theaterstück, das das Hamburger Thalia-Theater aufführt, in dem Jesus mit den übelsten Schimpfwörtern belegt wird, das aber auch in anderer Hinsicht wirklich nur unterste Schublade ist, eigentlich nicht der Erwähnung wert. Ganz sachlich kann die Frage erlaubt sein, wem bringt es etwas, den heiligen, unendlich guten Gott zu beleidigen? Welchen Kick kann einem Menschen das geben, was eigentlich nur den unverbesserlichen Dämonen eine Rest-Befriedigung bereitet?

Blasphemie, also die Beleidigung Gottes, wird heute, auch von manchen Christen als irrelevant betrachtet. Natürlich eine Folge davon, dass Gott, der zwar in unserer Verfassung noch vorhanden ist, aus dem Leben der Gesellschaft herauskomplimentiert worden ist, man ihn daher auch nicht beleidigen kann. Und die sog. religiösen Gefühle der Menschen – na ja, das ist eine Frage des Oportunismus: bei Juden und Muslimen würde man sich nicht im entferntesten die Schmähungen erlauben, die im christlichen Milieu üblich sind.  Aber wenn wir als gläubige Menschen Gott den Allmächtigen als eine Realität ansehen, müsste die Beleidigung Gottes doch schwerer wiegen als die der Menschen, die man zusätzlich – wenn es sich um Christen handelt – als Fundamentalisten beschimpft.

Wie soll man sich verhalten? Soll man Schmähung gegen Schmähung setzen, wenn der Staat tatenlos zusieht? Dann schon eher friedliches Demonstrieren. Gläubige Muslime finden es übrigens verächtlich, wie wir Christen reagieren bzw. nicht reagieren, sie halten es einfach für Mangel an Glauben, (hätten wir Glauben, würde auch das Argument, dass man keine unfreiwillige Werbung machen will, nicht ziehen).

Letztlich sind aber solche in unserer verqueren Theaterlandschaft immer wieder vorkommenden Ereignisse nichts weiter als ein Teil der gigantischen Sündenlast – die Sünden aller Menschen aller Zeiten – die Jesus nun mal auf sich genommen hat, und die er als unschuldiges Lamm auf das Holz des Kreuzes getragen hat.

Lasset euch versöhnen mit Gott! (2 Kor 5,20). Das ist die Lösung, nicht für die Dämonen, bei ihnen ist es zu spät. Wohl aber für uns Menschen, egal, wo wir stehen.

Solche Vorkommnisse haben das Gute, dass die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen deutlicher sichtbar wird.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.