Dan Brown und die katholische Kirche
Interview mit Professor John Wauck von der Päpstlichen Universität vom heiligen Kreuz
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ROM, 20. Mai 2009 (ZENIT.org).- Abgesehen davon, dass der Kinofilm „Illuminati" eine große Anzahl an Fehlern über den Katholizismus aufweise, zeige das Interesse an ihm auch das noch größere Interesse an der Kirche, meint der Opus-Dei-Priester John Wauck, Professor an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz und Autor des Internetblogs „Der Da Vinci Code und das Opus Dei" (http://www.davincicode-opusdei.com/). Am 13. Mai kam der Film nach dem gleichnamigen Roman von Dan Brown in die deutschen Kinos. Das Buch wurde schon vor „The Da Vinci Code" geschrieben.
„Manchmal frage ich mich: Wo wäre Dan Brown ohne die katholische Kirche?", erklärt Wauck im Gespräch mit ZENIT. Fast alle interessanten Inhalte seiner Bücher seien von katholischen Schauplätzen entnommen. Es sei offensichtlich, dass sich die Menschen nicht von den „kartonartigen Charakteren und schlechten Dialogen" angezogen fühlten. „Dan Brown versucht ein ‚Cocktail' aus Geschichte, Kunst, Religion und Geheimnis zu bieten, und in der heutigen Zeit scheint es einen einzigen Ort zu geben, wo er all diese Dinge vereint findet: die römisch-katholische Kirche."
Der Haupteffekt von „The Da Vinici Code" sei vor allem ein Anwachsen des Tourismus nach Rom gewesen. „Wenn man von Geschichte, Schönheit und heiligen Mysterien fasziniert ist, dann ist es schwer, nicht von der Kirche fasziniert zu sein." All die kirchlichen Schauplätze in Rom, angefangen vom Petersplatz, seien freilich kein Museum. „Es ist eine lebendige Realität, die uns direkt in Kontakt mit 20 Jahrhunderten Geschichte bringt."
Dass dem Filmteam untersagt wurde, in den Kirchen Roms zu drehen, sei keine abweisende Geste Roms gegenüber den Produzenten gewesen. „Ich lebe in Rom nun seit 14 Jahren und habe noch nie eine Hollywood-Filmcrew in einer Kirche gesehen." Das Filmteam sei nicht anders behandelt worden als alle anderen. Gegenteilige Behauptungen seien nichts weiter als Medienrummel von der Öffentlichkeitsabteilung des Filmproduktionsteams.
Die vom Film unterstellte Feindschaft zwischen christlichem Glauben und Wissenschaft bestreitet der Universitätsprofessor. Dass großartige Kunstwerke der abendländischen Kultur „Produkte eine christlichen Kultur" sind, sei relativ leicht erkennbar. Dass das Gleiche auch auf die Wissenschaft zutreffe, werde aber nicht wahrgenommen - zu Unrecht, wie Professor Wauck betont: „Universitäten sind eine Erfindung der Kirche. Kopernikus war ein römisch-katholischer Geistlicher, und er widmete sein Buch über das heliozentrische Universum dem Papst. Der Kalender, den wir heute verwenden, ist der Gregorianische Kalender, weil er von Papst Gregor XIII. verbreitet wurde, der mit den besten Astronomen und Mathematikern seiner Zeit zusammenarbeitete. Galileo selbst blieb immer ein Katholik, und seine zwei Töchter waren Ordensfrauen. Einer der größten italienischen Astronomen des 19. Jahrhunderts war ein Jesuit, Angelo Secchi. Der Vater der modernen Genetik, Gregor Mendel, war ein katholischer Mönch. Der Schöpfer der ‚Big Bang'-Theorie war der belgische Priester Georges Lemaitre."
Der Fall Galilei sei komplex und werde von antikatholischen Stimmungsmachern verzerrt dargestellt. Dabei handle es sich dabei um eine „auffällige Ausnahme“, so Professor Wauck. „Es gibt einen Grund, warum die Kritiker der Kirche diesen Fall immer wieder aufbringen: Er ist das einzige Beispiel dieser Art. Wenn wir also die Worte 'Wissenschaft' und 'Kirche' hören, so sollten wir an Kopernikus, Secchi, Mendel und Lamaitre denken. Das sind repräsentative Fälle. Der Prozess gegen Galilei ist dies nicht.“
Das Interview führte Jesús Colina


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