Danke für Ihr Beispiel des einfachen Arbeiters im Weinberg des Herrn

Ansprache von Kardinal Tarcisio Bertone zum Abschluss der Aschermittwochsmesse im Vatikan

Rom, (ZENIT.org) | 1205 klicks

Vor dem Schlusssegen der Heiligen Messe am Aschermittwoch im Petersdom, der letzten öffentlichen Zelebration des Papstes [ZENIT berichtete] richtete sich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in einer Ansprache im Namen aller Versammelten und der ganzen Kirche an Papst Benedikt XVI. Bewegt versicherte er dem Heiligen Vater zwar Trauer, aber Respekt vor der Rücktrittsentscheidung.

[Wir veröffentlichen die vollständige Anprache in einer eigenen Übersetzung:]

***

Heiliger Vater,

mit großer Ergriffenheit und tiefem Respekt hat nicht nur die Kirche, sondern die ganze Welt Ihre Entscheidung wahrgenommen, dass sie das Amt des Bischofs von Rom und des Nachfolgers Petri ablegen.

Wir wären nicht ehrlich, Heiligkeit, wenn wir Ihnen nicht sagen würden, dass diese Entscheidung einen Trauerschleier auf unser Herz gelegt hat. In diesen Jahren war Ihr Magisterium ein offenes Fenster der Kirche zur Welt, das die Strahlen der Wahrheit und der Liebe Gottes hat durchscheinen lassen, um unserem Weg Licht und Wärme zu spenden, auch und gerade in den Momenten, in denen Wolken den Himmel verdunkelten.

Wir alle haben verstanden, dass es die tiefe Liebe Eurer Heiligkeit zu Gott und zur Kirche ist, die Sie zu dieser Tat bewegt hat; wiederum wird die Reinheit Ihrer Seele, die Festigkeit Ihres Glaubens, die Stärke Ihrer Demut und Ihre Sanftheit dadurch deutlich geworden, gepaart mit großem Mut. All diese Eigenschaften haben jeden Schritt Ihres Lebens und Ihres Dienstes gezeichnet und können nur von einem Mit-Gott-Sein herstammen, einem Sein im Licht des Wortes Gottes, dem Heraufsteigen auf den Berg der Begegnung mit ihm und dann wieder dem Abstieg zur Stadt der Menschen.

Heiliger Vater, vor wenigen Tagen haben Sie uns und den Seminaristen Ihrer Diözese Rom eine besondere Lehre erteilt. Sie erklärten, dass Christsein bedeute zu wissen, dass die Zukunft nicht uns gehöre, die Zukunft sei Gottes, und der Baum der Kirche wachse immer wieder neu. Die Kirche erneuere sich ständig, wachse immer wieder neu. Der Kirche zu dienen, immer im Bewusstsein, dass sie nicht unser sei, sondern Gottes, dass nicht wir sie erbauten, sondern er es tue, gebe uns die Möglichkeit, mit dem Evangelisten die Wahrheit zu sagen: „Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17,10).

Wir vertrauen uns ganz dem Herrn an, dies ist die große Lehre, die wir ziehen können, auch mit dieser leidvollen Entscheidung, die nicht nur uns Hirten, sondern das ganze Volk Gottes betrifft.

Die Eucharistie ist ein Dank an Gott. An diesem Abend möchten wir dem Herrn für den Weg danken, den die ganze Kirche unter der Leitung Eurer Heiligkeit gehen durfte, und wir möchten aus dem tiefsten Inneren unseres Herzen unserer Anteilnahme und Bewunderung Ausdruck geben. Danke, dass Sie uns Ihr leuchtendes Beispiel des einfachen und demütigen Arbeiters im Weinberg des Herrn gegeben haben. Ein Arbeiter, der in jedem Moment wusste, wie das Wichtigste umzusetzen war: Gott den Menschen zu bringen und die Menschen zu Gott zu bringen. Danke!

[© 2013 Libreria Editrice Vaticana]