„Danke, Heiliger Vater, für Ihren Schrei gegen den Skandal der Ungerechtigkeit"

Brief von Pater Joaquín Alliende, Präsident von „Kirche in Not"

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KÖNIGSTEIN, 10. Juli 2009 (ZENIT.org).- Anlässlich des Erscheinens der neuen Enzyklika Papst Benedikts XVI hat Pater Joaquín Alliende, Präsident des Hilfswerks Kirche in Not, einen offenen Brief an den Heiligen Vater geschrieben.



Der chilenische Priester ist neben seiner Tätigkeit beim 1947 vom niederländischen Prämonstratenserpater Werenfried van Straaten gegründeten pastoralen Hilfswerk Mitglied des Päpstlichen Rates „Cor Unum", der die katholische Entwicklungshilfe weltweit koordiniert, und Mitherausgeber von Dokumenten der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen zu Themen der Solidarität und Gerechtigkeit.

Offener Brief

  

Heiliger Vater, durch meine Arbeit wird mir das Geschenk zuteil, das Klagegeschrei der Armen in mehr als 140 Ländern der Welt anzuhören. Ich erlaube mir, in Ihrem Namen zu Ihnen zu sprechen.

Danke für Ihren Schrei gegen den Skandal der Ungerechtigkeit. Danke, dass Sie uns den Weg der Hoffnung aufzeigen, der nicht eine weitere Illusion ist, ein Abenteuer hin zu einem erneuten Fiasko. Danke für Ihre Enzyklika „Caritas in veritate".

Ihre Worte verkünden, dass die Armut und die Ungleichheit in der Welt nicht ein schicksalsgegebenes Faktum wie eine Naturkatastrophe sind. Sie rufen uns auf, uns unsere Freiheit bewusst zu machen. Sie rütteln unsere Verantwortung auf, ein XXI. Jahrhundert zu gestalten, das Frieden hervorbringen wird, der sich auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründet. Sie teilen uns die Weisheit Christi mit. Sie zeigen uns die Liebe, die intelligent ist, rational und effektiv.

Ihr Brief eröffnet den Horizont der praktischen und handfesten Brüderlichkeit. In ihr erstrahlt die wesentliche Wahrheit der menschlichen Freundschaft. In Ihrer Enzyklika beantworten Sie Schlüsselfragen: Können die Bewohner dieser Erde als Brüder und Schwestern leben? Kann der Bedürftigste den ersten Platz unter ihnen einnehmen? Wie könnten wir Brüder und Schwestern sein, ohne dass jeder einzelne von uns Kind des lebendigen Gottes wäre? Mitten in der Niederlage der Finanzkrise zeigen Sie auf, dass sich die solidarische Gerechtigkeit nicht allein durch finanzielle Maßnahmen erreichen lässt.

Mehr noch als eine Änderung der Gesetze und Richtlinien fordern Sie eine starke ethische Entscheidung im nationalen und globalen Zusammenleben. Sie wagen es, außerdem, einen Raum der bedingungslosen, hochherzigen und kreativen Brüderlichkeit zu fordern. Den Führern dieser Welt schlagen Sie das Evangelium vor als Seele der Wirtschaft einer künftigen Zeit.

Danke, Heiliger Vater, für Ihren nüchternen Realismus und für die kompromisslose Wahrheit der Liebe.

Hochachtungsvoll,

 

Pater Joaquín Alliende