Dankesworte Benedikts XVI. bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Brixen

Christliche Identität verschließt uns nicht, sondern im Gegenteil, sie macht uns offen für die anderen

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ROM, 21. August 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die kurze Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am 9. August in Brixen gehalten hat. Dem Heiligen Vater wurde im Rahmen eines Festakts die Ehrenbürgerschaft verliehen.

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Exzellenz,
Herr Landeshauptmann,
Herr Bürgermeister,
verehrte Gemeinderäte,
verehrte Damen und Herren, liebe Freunde!

Die Ehre, die mir die Gemeinde Brixen durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft hat zuteil werden lassen, ist für mich eine große Freude, die ich mit herzlichem Dank aufnehme und die mich nun begleiten wird in die folgenden Zeiten meines Lebens hinein. Dadurch bin ich ja nun nicht nur sozusagen mit dem Herzen, sondern auch gleichsam juristisch in Brixen zu Hause und gehöre zu seiner Bürgerschaft. Selbst wenn ich nicht kommen kann, bin ich dann rechtlich irgendwie da. Daß ich auch mit dem Herzen oft da bin, brauche ich gar nicht eigens zu sagen. Ganz herzlichen Dank! Und herzlichen Dank auch dem Chor, der Ihre schönen Worte von Brixen und der Musik bestätigt und in Realität umgestaltet hat.

Wenn ich in vergangenen Zeiten vom Norden her über die Brennerstrasse nach Brixen gefahren bin, war es für mich immer ein bewegender Augenblick, wenn sich dann das Tal öffnete und die Türme von Brixen sichtbar wurden – diese Stadt, umgeben von Wein- und Obstgärten, eingebettet zwischen die Berge, voller Geschichte und Schönheit. Dann wußte ich: Hier ist gut sein! Dann wußte ich, ich habe den rechten Fleck gewählt und kann mit neuen Kräften zurückkehren in meine Aufgaben.

In Brixen habe ich, wie gesagt, weite Teile meiner Bücher geschrieben, habe ich ausgeatmet, habe ich Freundschaft gefunden; vor allem habe ich in Brixen dann auch Erinnerungen empfangen, die ich mit mir nehme. Und das ist das Schöne, daß ich in der Landschaft der Erinnerungen wandern kann und, wenn ich dann nach Rom zurückgekehrt bin, immer wieder die Wanderung in der Landschaft der Erinnerungen gerade durch Brixen machen werde und so wieder da sein und wieder aus- und aufatmen kann.

Brixen ist mir vor allen Dingen auch wichtig geworden – wie Sie, Herr Bürgermeister, es so schön und tief dargestellt haben – als ein Ort der Begegnungen, der Begegnungen der Kulturen: In den drei Sprachen – italienisch, deutsch, ladinisch – begegnen sich Kulturen, und Begegnung der Kulturen, die wir heute so sehr brauchen, hat in Brixen Geschichte. Wir wissen, daß sie nicht immer leicht ist, aber daß sie immer fruchtbar und beschenkend ist, daß sie allen hilft und uns alle reicher, offener und menschlicher werden läßt.

Bressanone è per me un luogo di incontri: incontro delle culture; incontro anche tra una sana laicità ed una gioiosa fede cattolica; incontro tra una grande storia e il presente e il futuro. E vediamo che questa storia, che qui realmente è presente e toccabile, non impedisce la formazione, il dinamismo, la vitalità del presente e del futuro, ma al contrario ispira e dinamizza. E poi è anche un incontro tra le radici cristiane e lo spirito della modernità, che solo insieme possono costruire una società realmente degna di questo nome, una società realmente umana.

Für mich ist Brixen in diesem Sinne auch ein europäisches Modell, eine wahrhaft europäische Stadt: Die christlichen Wurzeln, die Identität, die christliche Identität unserer Kultur ist da. Sie verschließt uns nicht, sondern im Gegenteil, sie macht uns offen für die anderen, schenkt uns die Gemeinsamkeit der Begegnung und gibt uns die Maßstäbe und die Werte, aus denen heraus wir leben können.

Mein herzlicher Dank gilt Ihnen allen, und vor allen Dingen wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen. Der Herr möge weiterhin diese schöne Stadt beschützen und ihr helfen, eine große und schöne und menschliche Zukunft zu bauen. Herzlichen Dank!

 

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