Dankgottesdienst für Benedikt XVI.

Erzbischof Zollitsch: Pontifikat geprägt von theologischer Tiefe und intellektueller Weite

Berlin, (ZENIT.orgDBK PM) | 894 klicks

Anlässlich des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, heute einen Dankgottesdienst in der Berliner Kathedrale zu Sankt Hedwig gefeiert. Anwesend waren neben Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) mehrere Bundesminister und Abgeordnete.

Erzbischof Zollitsch, der den Gottesdienst zusammen mit dem Erzbischof von Berlin, Kardinal Rainer Maria Woelki, und dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Périsset, zelebrierte, hob in seiner Predigt das ständige Bemühen von Benedikt XVI. hervor, Glaube und Vernunft miteinander zu verbinden. „In Papst Benedikt XVI. begegnen uns ein gelehrter Zeuge und ein überzeugender Gelehrter des Evangeliums; ein begnadeter Prediger; ein unermüdlicher Brückenbauer zwischen Wissenschaft und gelebtem Glauben“, so Zollitsch.

Papst Benedikt XVI. habe sich, so Erzbischof Zollitsch, „von Anfang an als Diener der Kirche verstanden“. „Papst Benedikt XVI. hat uns immer wieder vorgelebt: Nicht Machtausübung im Sinne des Herrschens über andere ist Kennzeichen des Petrusdienstes, sondern sich für die Sache Jesu Christi um der Menschen Willen einzusetzen“, so Zollitsch. Dies habe er in seinen beiden ersten Enzykliken „Deus Caritas Est“ und „Spe Salvi“ „theologisch entfaltet, spirituell gedeutet und für die Pastoral erläutert“.

„Mit einem feinen, sicheren Gespür wies er gerade auch auf die modernen Gefährdungen des menschlichen Lebens hin, die sich hinter Tatsachen wie etwa der Globalisierung und Fortschrittsgläubigkeit verbergen“, so Zollitsch weiter. Papst Benedikt XVI. habe hier auf die „Gefahr eines ungezügelten Kapitalismus“ ebenso wie auf den „scheinbar grenzenlosen Machbarkeitswahn auf dem Gebiet der Bio-Technologien“ hingewiesen. In seiner Rede vor dem Bundestag im November 2011 habe er den Bogen von der ökologischen Bewegung hin zum Menschen gespannt und eine „Ökologie des Menschen“ gefordert.

Zollitsch stellte ebenfalls die Einforderung der Religionsfreiheit und den Dialog zu den anderen Religionen als Anliegen von Papst Benedikt XVI. heraus. „Religion darf niemals Anlass zu Hass und Gewalt sein und nicht zu politischen Zielen missbraucht werden“, fasste Zollitsch die Botschaft des Papstes beim Besuch der großen Moschee von Amman im Jahr 2009 zusammen. „Und auch mit dem Judentum wusste sich unser Heiliger Vater tief verbunden. Gerade wir Deutschen sind dem Papst zutiefst dankbar für seine klaren Worte anlässlich des Besuchs im Vernichtungslager Auschwitz, die Benedikt in großer Demut zeigten“, so Zollitsch weiter.

Die Frage nach dem Religiösen in der Welt schwinde keinesfalls, so Erzbischof Zollitsch – das zeige ein Blick auf das Wirken und die Auswirkungen der nahezu acht Jahre des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. „Wir Menschen sehnen uns nach Antworten, die über das Vordergründige, über das rein wissenschaftlich-rational Erklärbare hinausweisen. Und wir suchen Personen, die dafür mit ihrer Existenz glaubwürdig und überzeugend stehen“, so Zollitsch. Eine solche Person sei Benedikt XVI.: „Auf beides – die Sehnsucht nach der Wahrheit und die Suche nach Vorbildern – gab Papst Benedikt XVI. die Antwort, die dem Glauben an Jesus entspringt.“ Sein Pontifikat sei „geprägt von theologischer Tiefe und intellektueller Weite“, sagte Zollitsch.

Kardinal Rainer Maria Woelki bezeichnete in seiner Begrüßung Benedikt XVI. als Papst, der „uns zu den Quellen des Glaubens geführt hat“. Benedikt XVI. habe „vor allem auf seinen Reisen und in den Begegnungen mit den Menschen auf dem ganzen Globus die frohe Botschaft von einem nahen und liebenden Gott verkündet“. Dabei sei es ihm wichtig gewesen, ausgehend von Gebet und Reflexion „Licht auf den Menschen, seine conditio und die großen Herausforderungen, vor denen er steht, zu werfen.“