Dankwort von Benedikt XVI. am Ende der Fasten-Exerzitien 2007 im Vatikan

In die „Anziehungskraft des Auferstandenen“ eintreten

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ROM, 5. März 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Samstagvormittag zum Abschluss der Fasten-Exerzitien der Römischen Kurie im Vatikan gehalten hat.



Der Heilige Vater bedankte sich spontan bei Kardinal Giacomo Biffi, dem Erzbischof Emeritus von Bologna (Italien), der in diesem Jahr die einzelnen Meditationen vorbereitet und in der Redemptoris-Mater-Kapelle des Apostolischen Palasts vorgetragen hatte.

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Herr Kardinal,

im Namen von uns allen, die wir hier versammelt sind, möchte ich Ihnen von ganzem Herzen Dank sagen für die wunderbare Anagogie, die Sie uns diese Woche geschenkt haben.

In der Heiligen Messe antworten wir jeden Tag vor dem Eucharistischen Hochgebet auf die Einladung: „Erhebet die Herzen!“ mit den Worten: „Wir haben sie beim Herrn.“ Und ich fürchte, dass diese Antwort oft mehr rituell als existentiell ist. Sie aber haben uns in dieser Woche gelehrt, wirklich unser Herz zu erheben, zum Unsichtbaren hinaufzusteigen, hin zur wahren Wirklichkeit. Und Sie haben uns den Schlüssel gegeben, um jeden Tag auf die Herausforderungen dieser Wirklichkeit zu antworten.

Während Ihrer ersten Konferenz habe ich bemerkt, dass in den Intarsien meiner Kniebank der auferstandene Christus dargestellt ist, umgeben von Engeln, die fliegen. Ich dachte, dass diese Engel fliegen können, weil sie sich nicht in der Anziehungskraft der materiellen Dinge der Erde befinden, sondern in der Anziehungskraft der Liebe des Auferstandenen; und dass wir fliegen könnten, wenn es uns gelänge, ein wenig aus der Anziehungskraft des Materiellen herauszutreten, und wenn wir in die neue Anziehungskraft der Liebe des Auferstandene einträten.

Sie haben uns wirklich geholfen, aus dieser Anziehungskraft der Dinge des Alltags herauszugehen und in diese andere Anziehungskraft des Auferstandenen einzutreten und so in die Höhe zu steigen. Dafür danken wir Ihnen.

Ich möchte Ihnen auch danken, dass sie uns eine sehr scharfsinnige und genaue Diagnose unserer heutigen Situation gegeben haben. Und vor allem haben Sie uns gezeigt, wie hinter so vielen Phänomenen unserer Zeit, die dem Anschein nach sehr weit entfernt sind von der Religion und von Christus, eine Frage, eine Erwartung, eine Sehnsucht steht; und dass die einzige wahre Antwort auf diese in unserer Zeit allgegenwärtige Sehnsucht Christus ist.

So haben Sie uns geholfen, Christus mit größerem Mut nachzufolgen und die Kirche mehr zu lieben, die „Immaculata ex maculatis“ [„die Unbefleckte unter den Befleckten“, Anm. d. Übers.], wie Sie uns zusammen mit dem heiligen Ambrosius gelehrt haben.

Schließlich möchte ich Ihnen für Ihren Realismus, für Ihren Humor und für Ihre Konkretheit danken, bis hin zur Theologie Ihrer Haushälterin, die ein wenig waghalsig ist: Ich würde es nicht wagen, diese Worte: „Der Herr hat vielleicht seine Fehler“ dem Urteil der Kongregation für die Glaubenslehre zu unterbreiten. Auf jeden Fall aber haben wir gelernt, und Ihre Gedanken, Herr Kardinal, werden uns nicht nur in den nächsten Wochen begleiten.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]