Das armenische Volk und sein felsenfester christlicher Glaube (Dritter und letzter Teil)

Interview mit Pater Tovma Khachatryan, Verantwortlicher der armenischen apostolischen Kirche in Italien

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 303 klicks

Wie ist die uralte Beziehung entstanden, die Ihr Volk an Italien bindet? Wie ist die armenische apostolische Kirche heute in Italien organisiert?

Pater Tovma: Die ersten Armenier kamen vermutlich schon in vorchristlicher Zeit nach Italien. Unsere Vorväter waren in Italien Soldaten und Händler, Gründer von Burgen und Festungen; im Mittelalter bestanden in Italien schon armenische Kirchen und Gemeinden. In den ersten christlichen Jahrhunderten kamen zahlreiche Prediger aus Armenien, deren Namen heute noch in vielen Kirchen und Basiliken verewigt ist: der heilige Blasius, der heilige Minias, der heilige Ämilian von Trevi, usw. Die Stadt Nardò in Apulien hat unseren großen heiligen Gregor den Erleuchter zum Schutzheiligen, dem auch verschiedene Kirchen in ganz Italien geweiht sind. Die armenische apostolische Kirche hat ihren italienischen Hauptsitz in der Kirche der 40 Märtyrer, die seit den 50er Jahren in Mailand besteht. In und um Mailand leben Hunderte von Armeniern. Es gibt ein Haus der Armenier, eine Union der Armenier Italiens und das Honorarkonsulat der Armenischen Republik. Der Pfarrer der armenischen Kirche in Mailand wird als Oberhirte aller Armenier Italiens angesehen; seiner Fürsorge sind auch die Seelen der Armenier anvertraut, die in Rom, Bari, Turin, Perugia, Venedig und allen anderen Städten Italiens leben. Die Beziehungen zwischen Armeniern und Italienern sind sehr freundschaftlich. Das italienische Volk hat sich immer stark mit den Armeniern solidarisiert, besonders anlässlich der Tragödie von 1915 und des furchtbaren Erdbebens in Armenien 1988. Ich nehme die Gelegenheit wahr, um dem gesamten italienischen Volk noch einmal meine Dankbarkeit auszudrücken. Ich wünsche ihm alles Gute und eine rasche Lösung der Probleme, die die heutige Welt bedrängen.

Die armenische Kirche feiert Weihnachten zusammen mit der Erscheinung des Herrn, am 6. Januar. Woher kommt dieser Brauch?

Pater Tovma: Zunächst muss ich darauf hinweisen, dass bis zum 4. Jahrhundert alle Kirchen, die gesamte Christenheit, die Geburt unseres Herrn am 6. Januar feierte. Danach wurde das Datum vorverlegt, um ein wichtiges heidnisches Fest abzulösen, das auf den 25. Dezember fiel. Dabei ließ man aber den Festtag der Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Die heilige armenische apostolische Kirche hat den Brauch des ältesten Christentums bewahrt und feiert am 6. Januar Geburt und Erscheinung unseres Herrn zusammen.

Was können Sie uns über die armenischen Weihnachtsbräuche erzählen?

Pater Tovma: Eine Woche vor dem Weihnachtsfest beginnt für die Gläubigen der armenischen apostolischen Kirche eine Fastenzeit. In der Nacht des 5. Januar, unserer Weihnachtsvigil, die wir „Djrakaluytz“ nennen, wird eine festliche heilige Messe gefeiert, die auf Armenisch als „Lichterentfachung“ bezeichnet wird. Alle Gläubigen tragen nach der Messe eine brennende Kerze nach Hause, die den Stern von Bethlehem repräsentiert. Am Ende der Messe des 6. Januar wird hingegen das Wasser geweiht, in das dann ein Kreuz eingetaucht wird, das als Zeichen des Herrn fungiert. Nach dem Segen trinken die Gläubigen dieses Wasser, und wer will, darf davon auch etwas mit heim nehmen, um es den Kranken zu bringen. Die Weihe des Wassers erfolgt mittels des heiligen Chrisams, das in der Tradition der armenischen apostolischen Kirche einmal alle sieben Jahre vom Katholikos aller Armenier geweiht wird. Dazu werden die Blütenblätter verschiedener Blumenarten verwendet, die aus allen Ecken Armeniens stammen. Dieses heilige Chrisam wird dann an alle armenischen Kirchen geschickt, die es in der Welt gibt. In Mailand wird den Gläubigen und den Gästen nach der Messe ein Festessen serviert. Nach den Weihnachtsfeierlichkeiten besuchen die Priester der armenischen Kirche die Familien, bringen ihnen die Frohe Botschaft und segnen bei dieser Gelegenheit ihre Häuser.

[Der erste und zweite Teil des Interviews mit Pater Tovma sind am Freitag, dem 10. Januar, und am Montag, dem 13. Januar erschienen]