Das Beichtmobil - ein "geistlicher Notarztwagen"

Interview mit dem "Fahrer", Pater Hermann-Josef Hubka

München, (KIN) | 277 klicks

Immer in der Fastenzeit vor Ostern tourt das "Beichtmobil" des weltweiten katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" durch Deutschland, um Werbung für das Sakrament der Buße zu machen. Am 9. und 10. April hält es in diesem Jahr zum Beispiel auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel. Am Steuer sitzt der geistliche Assistent von "Kirche in Not" Deutschland, Pater Hermann-Josef Hubka. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit dem "Beichtmobil".

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Pater Hubka, warum haben die Deutschen ein Problem mit der Beichte?

Ich glaube, viele Schwierigkeiten mit der Beichte haben alle Menschen weltweit gemeinsam. Das liegt schon in der Natur der Sache, weil die Meisten ihr Inneres ungern nach außen kehren. Hinzu kommt ein Phänomen, das wir vom Arztbesuch her kennen: Wenn ich einen Schnupfen habe, sage ich: "Ist ja nicht so schlimm." Und dann verschleppe ich ihn so lange, bis ich eine ausgewachsene Grippe habe. Und wenn es wirklich etwas Ernsthaftes ist, gehe ich aus Angst vor der Diagnose nicht zum Arzt. Beides ist menschlich verständlich, bei der Beichte aber unnötig. Denn sie heilt immer.

In Deutschland haben wir im Vergleich zur übrigen Weltkirche noch ein zusätzliches Problem: Weil wir die Leute in deutscher Gründlichkeit früher in unguter Weise zu sehr zur Beichte gedrängt und dabei falschen Druck ausgeübt haben, wurde das Kind nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil genauso gründlich mit dem Bade ausgeschüttet. Das heißt, wir haben nicht etwa den Druck und den Zwang, sondern gleich die meiste Beichtpraxis in den Gemeinden de facto abgeschafft. Diesem falschen Trend wollen wir unter anderem mit unserem "Beichtmobil" entgegenwirken.  

Wie unterscheiden sich Menschen, die regelmäßig beichten, von anderen?

Schon rein psychologisch haben Schwächen, über die ich spreche, nicht mehr so viel Macht über mich. Und wer zusätzlich die heilende Gnade Gottes an sich heranlässt, dem merkt man das an. Er wird ruhiger, zufriedener und wandelt sich zu einem Menschen, mit dem man gerne zusammen ist. Wenn ich solche Christen besuche, muss ich immer denken: "Mensch, ist es schön bei denen!" Das ist das Ergebnis der Vergebung: Ich bin mit mir selbst im Reinen und kann darum auch anderen vergeben. In der Beichte erhalte ich die Versicherung, dass mir komplett und insgesamt vergeben ist. Diese Sicherheit kann mir nur Gott geben.

Wird im "Beichtmobil" anders gebeichtet als im Beichtstuhl?

Es gibt zwei Sorten von Menschen: Die einen beichten regelmäßig und tun das meist in ihrer Kirche im Beichtstuhl oder oft auch während Andachten, Wallfahrten oder bei Klosterbesuchen. In diesen Beichtgesprächen geht es darum meist um alltägliche Dinge. 

Die anderen kommen spontan, weil sie abrupt dazu herausgefordert werden. Das "Beichtmobil" ist so eine Herausforderung, darum sind die spontanen Besuche dort an der Tagesordnung. Solche spontanen Beichten enthalten meist schwerwiegendere Dinge, oft entscheiden sich die Menschen aus einer Lebenskrise heraus zum Schritt ins "Beichtmobil". Mehr als einmal war das Beichtmobil darum schon in einem echten geistlichen "Notarzteinsatz" unterwegs.