Das Billett zum Himmel: Glaube und Demut

Impuls zum 20. Sonntag im Jahreskreis A - Mariae Himmelaufnahme

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 436 klicks

Im Evangelium des 20. Sonntags im Jahreskreis A ist die Rede von einer kanaanäischen Frau, also einer Nicht-Jüdin, die dem Herrn ein dringendes Anliegen vorträgt. Ihre Tochter wird von einem Dämon gequält.

Jesus tut so, als wolle er sich nicht um sie kümmern, da sie nicht zum Auserwählten Volk gehört, und er ja nur zu den verlorenen Schafe Israels gesandt wurde.

Die Frau tut nun etwas, das rein menschlich gesehen unangenehm und unbeliebt ist, übernatürlich aber genau das Richtige: sie fällt lästig. Sie geht dem Herrn und vor allem den Jüngern so sehr auf die Nerven, dass die Jünger ihn bitten, sie wenigstens deswegen zu erhören, weil sie sogar hinter ihnen herschreit.

Was den Herrn veranlasst ihr tatsächlich zu helfen, sind zwei Tugenden, die Gott an uns Menschen sehr schätzt, und für die er sogar manche Begleiterscheinungen in Kauf nimmt, das ist der Glaube und die Demut.

Jesus lobt die Frau für ihren Glauben, für ihr Vertrauen, das sich auch durch den scheinbaren Unwillen des Herrn nicht beirren lässt. Können wir von der Frau lernen? Ja, denn wenn wir uns beim Bitten manchmal vornehm zurückhalten, so zeigt das vielleicht gute Manieren, kommt aber meist aus dem Stolz. Der Frau ist es egal, ob sie sich durch ihr Verhalten in den Augen der Menschen unmöglich macht. Sie weiß, von Jesus kommt Heil, und das will sie erreichen.

Ebenso oder fast noch mehr imponiert ihm die Demut der Frau.

Der hl. Josefmaria schreibt in seinem Büchlein ‘Der Weg’: “Du bist nicht demütig, wenn du dich selbst demütigst, sondern wenn andere dich demütigen und du es um Christi willen erträgst” (594).

Die Worte, die Jesus zu ihr spricht, sind zunächst einmal starker Tobak: “Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen” (Mt 15, 26). Sie lässt sich nicht dadurch beirren, sondern greift sogar den Vergleich auf: “Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen” (Mt 15, 27). Da kann Jesus nicht widerstehen.

Die Demut, sagt man, zieht Gott an wie ein Magnet.

“Denn auf die Demut seiner Magd hat er geschaut”, diese Worte spricht Maria in ihrem Lobpreis, im Magnifikat, weil sie sich bewusst ist, dass ihre Demut bei Gott so wertvoll ist.

Zwei Tage vor dem 20. Sonntag feiern wir in diesem Jahr das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden, “und die Engel freuen sich”.

Das Festgeheimnis verbindet uns mit unseren Glaubensbrüdern in der Orthodoxie. So wie es in Deutschland – wenigstens in katholischen Gegenden – zahlreiche Darstellungen und Kirchen der Aufnahme Mariens in den Himmel gibt, so auch in den Ländern des Ostens, besonders in Russland. Fast keine Stadt, in der es nicht eine ‘Uspenskij-Kirche’ gibt (Uspenje heißt Entschlafung). Die Ostkirche betrachtet den Aspekt, dass Maria entschlafen ist, nicht gestorben, weil sie, die frei ist von der Erbsünde, nicht sterben musste. Der Tod ist ja eine der Folgen der Erbsünde.

Die Orthodoxen lassen es offen, ob Maria gleich, ohne Tod, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, oder ob sie zunächst starb und dann ihre Seele wieder mit dem Leib vereinigt wurde. So oder so, beide Kirchen glauben, dass Maria nun mit Seele und Leib in der Herrlichkeit des Himmels ist.

Das ist für uns hier auf Erden nicht eine theologische Spitzfindigkeit, die uns weiter nichts angeht. Im Gegenteil, so wie Jesus und Maria schon jetzt die Fülle der Herrlichkeit haben, so sollen auch wir sie erlangen, wenn wir treu sind. Am Ende der Zeit, wenn alle Menschen, die Christus erlöst hat, ihr Ziel erreicht haben, dann wird der ‘neue Himmel und die neue Erde’ zunächst einmal darin bestehen, dass wir die Fülle unseres Personseins, also Leib und Seele, bekommen, denn der Leib, der in der Zwischenzeit vergangen ist, wird in verklärter Form, d.h. wie der Auferstehungsleib Christi, wieder hergestellt, denn er gehört dazu.

Aber vergessen wir nie: die Fülle der Erlösung, also der Himmel, wird uns nicht geschenkt ohne unser Zutun.

Unser Zutun ist jedoch nicht in erster Linie ein Tun, denn wir können unmöglich das ewige Leben aus eigener Kraft ‘erarbeiten’, sondern ein ‘Lassen’. Wir müssen Christus wirklich an uns heran’lassen’, wir müssen ihn wirken ‘lassen’, denn das, was uns heilig macht, ist seine Gnade.

Diese unerlässliche Grundhaltung des Menschen konkretisiert sich besonders in diesen beiden Tugenden: Glaube und Demut.

Bei der Begegnung Mariens mit Elisabeth spricht Maria von ihrer gottgefälligen Demut (und das kann sie, sozusagen in aller Demut, sagen, da sie in diesem Augenblick vom Heiligen Geist inspiriert spricht), und Elisabeth preist sie selig, ‘weil sie geglaubt hat’ (vgl. Lk 1, 45).

Was bei der kanaanäischen Frau, die für ihre Tochter eintritt, noch ganz roh und ungeschlacht ist, sehen wir bei der Gottesmutter in Vollendung.

Bitten wir sie, die unser aller Mutter ist, dass sie uns dabei hilft, uns wirklich auf Gottes Vorstellungen einzulassen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).