Das Campo Santo Teutonico feiert Hildegard von Bingen, die deutsche Kirchenlehrerin

Viele Kardinäle, Bischöfe und die 39. Nachfolgerin im Äbtissinen-Amt anwesend

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Von Jan Bentz

ROM, 8. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Nach der festlichen Messe zur Erhebung der hl. Hildegard von Bingen und dem hl. Johannes von Ávila fand im „Campo Santo Teutonico“, dem „Fleckchen Deutschland neben dem Petersdom“, ein Fest und eine Konferenz zur Feier dieser großen Benediktinerin des Mittelalters statt.

Anwesend waren zahlreiche zu diesem Anlass angereiste Kardinäle und Bischöfe wie auch Benediktinerinnen aus der Abtei der hl. Hildegard. Kardinal Meisner aus Köln, Kardinal Friedrich Wetter, emeritierter Erzbischof von München und Freising, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, neuer Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Robert Zollitsch und Bischof Franz-Peter Tebarz-van Elst waren nur einige der vielen Würdenträger.

In seiner Ansprache hob Erzbischof Zollitsch die Bedeutung der Lehren der hl. Hildegard und ihrer Visionen für die Kirche im Heute hervor. Sie sei eine Gestalt, die dem Willen Gottes gerade als Frau mit ihrem ganzen Leben gefolgt sei und sich beispielhaft dem Dienst an dem Nächten gewidmet habe. Kirchenlehrer aus Deutschland ist neben ihr nur noch der hl. Albert der Große. Gegenüber ZENIT erklärte er, welche Projekte die Deutsche Bischofskonferenz plant:

Zollitsch: Wir sehen am Beispiel der hl. Hildegard, dass hier eine Frau ist, die ihre Theologie gelebt hat und dass ihre Theologie mit ihrem Leben, mit ihren Visionen eine Einheit darstellte. Dies hervorzuheben wird eine gewaltige Aufgabe für die Zukunft sein. Wir werden versuchen, mit der Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen, mit den Benediktinerinnen ihres Klosters und der Hochschule Sankt Georgen zusammenzuarbeiten. Im Januar wird es dann eine Hildegard-Tagung geben; dort wird dann entschieden, wie es weitergeht.

Mutter Clementia Killewald berichtete vom Verlauf der Forschungen sowie über die Arbeiten, die zur Erhebung zur Kirchenlehrerin beigetragen haben und gab einige Anekdoten aus dem Kloster zum Besten. Auf die Frage von ZENIT an die Äbtissin über ihre Rolle bei der Vorbereitung zur Erhebung zur Kirchenlehrerin der hl. Hildegard antwortete sie:

„Ich bin Äbtissin Clementia Killewald aus der Abtei Hildegards und bin die 39. Nachfolgerin der hl. Hildegard in diesem Amt und seit 12 Jahren Äbtissin. Ich denke, ich habe weitergeführt, was meine Vorgängerinnen in die Wege geleitet haben, und noch einmal unter diesem Pontifikat Benedikts XVI. eine besondere Anstrengung unternommen, den Prozess weiterzubringen. Ich persönlich denke, Hildegard war eine Prophetin, wie die Propheten des Alten Testamentes.“

Danach ergriff Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, das Wort und bedankte sich bei allen, die beim Prozess der Erhebung mitgewirkt hatten. Er erzählte von einer persönlichen Erfahrung mit dem Heiligen Vater Benedikt XVI., der im Gespräch mit ihm Hildegard von Bingen als Heilige titulierte, und verwundert innehielt, als Kardinal Amato ihm entgegnete, dass sie aber noch gar nicht heiliggesprochen sei. Der Heilige Vater erklärte, sie werde in Deutschland aber doch so verehrt und man müsse die Heiligsprechung nachholen. Amato gab seiner Freude nicht nur über die Kanonisierung, sondern vor allem über die Erhebung zur Kirchenlehrerin hervor und beendete seine Ansprache mit einem Gruß auf Deutsch.

Erzbischof Zollitsch erklärte gegenüber ZENIT, welche Herausforderungen die Aufgabe der Neuevangelisierung für Deutschland bedeute:

„Das Wichtigste wird sein, dass es uns zu vermitteln gelingt, wie der Glaube zur Erfahrung werden kann, wie der Glaube ins Leben einwirkt und mit dem Leben verbunden werden kann. Das ist die Frage für uns heute: Es mangelt nicht an Theologie, es mangelt auch nicht an Katechesen, aber wie wir bei den Menschen ankommen, das ist die Frage.“