Das Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem, ein Ort grenzenloser Liebe

Das einzige Kinderkrankenhaus in Palästina, das allen offen steht

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BETHLEHEM, 13. Januar 2006 (ZENIT.org).- Das Caritas-Baby-Hospital (CBH) in Bethlehem zeigt das gegenwärtige Leiden des palästinensischen Volkes, aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf. Es wurde 1952 vom Schweizer Priester Ernst Schnydrig gegründet.



Getragen wird das Krankenhaus von der christlichen Hilfsorganisation Kinderhilfe Bethlehem (KHB), die sich im Nahen Osten für das Wohl von Mutter und Kind einsetzt und ihren Sitz in Luzern hat. Die Schutzherrschaft dieser deutsch-schweizerischen Organisation haben der Bischof von Basel sowie der Bischof von Freiburg übernommen. Sie unterstützt Projekte in Israel, den Palästinensergebieten, Jordanien, Libanon, Ägypten sowie in Syrien.

Die Pflegeleitung des Kinderkrankenhauses in Bethlehem obliegt den Elisabethenschwestern aus der italienischen Stadt Padua, die zum Franziskanerorden gehören. Im Geburtsort Jesu arbeiten sie zusammen mit einem Team von Ärzten und Sozialarbeitern aus der Schweiz, Deutschland, Italien und Palästina. Die großen Herausforderungen sind die so genannten \"Armutskrankheiten\", unter denen die mittellosen Kinder der Stadt besonders leiden: Unter- und Mangelernährung, Infektionen, Miss- und Fehlbildungen.

Beim Caritas-Baby-Hospital handelt es sich um das einzige Kinderkrankenhaus auf palästinensischem Gebiet, in dem jeder unabhängig von Religion, Nationalität oder wirtschaftlicher Situation versorgt wird.

Innenansicht

An der Außenfront des Krankenhauses sieht man ein Schild, auf dem ein paar Kinder abgebildet sind, die nach orientalischer Art mit der Hand grüßen. Im Krankenhaus sieht es anders aus, ja es eröffnet sich dem Besucher ein Anblick, der wahrhaftig \"unter die Haut\" geht: Kinder, die sich vor Schmerzen winden oder an Kabeln und Schläuchen hängen, starren einen aus großen Augen fragend und eindringlich an; leidende Mütter, die mit der ewigen Geduld dieses Volkes Tage und Nächte neben ihrem Baby ausharren und den Vorbeigehenden scheu zulächeln.

Unter der mehrheitlich arabischen Bevölkerung ist der Durchschnitt an erblich bedingten Missbildungen besonders hoch. Das liegt an der den häufigen Eheschließungen unter Blutsverwandten, wie sie in Bethlehem üblich sind. Durch die politisch bedingte Isolierung dieser Region wird diese Gewohnheit zusätzlich gefördert. Aufgrund des sehr jungen Alters vieler Mütter kommt es oft zu Frühgeburten. Die Neugeborenen erreichen selten das Mindestgewicht.

In einem Bericht aus dem Jahr 1999 wird erklärt, dass vier Prozent der Kinder von 0 bis 4 Jahren Untergewicht haben. 26 Prozent von ihnen leben unter der Armutsgrenze. 6,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren arbeitet zu einem Lohn, der einem Lohn von 4 Euro entspricht. Rund 200 Kinder leben in Waisenhäusern. Von den verheirateten Frauen sind durchschnittlich 40 Prozent jünger als 18 Jahre, 15,9 Prozent der Mädchen sind mit 17 Jahren bereits Mütter oder schwanger.

Rund 200 Euro wird hier täglich für die Pflege einer Person benötigt, da technische Ausrüstung sehr kostspielig ist. Jedes der 3.300 Kinder, die hier im vergangenen Jahr intern behandelt wurden, bekam seine besondere Behandlung und seine besondere Diät.

Die Kinder stammen zumeist aus Bethlehem, aber es gibt auch welche, die aus Hebron, Ramalla, Jericho und seit der Aufhebung einiger Kontrollposten sogar aus dem Gazastreifen kommen, um medizinisch versorgt zu werden.

In dieser Pflegeeinrichtung, die auf einer Anhöhe von Bethlehem in geringer Entfernung zur Geburtskirche liegt, wird der Besucher eingeladen, fernab vom Lärm der Stadt an der Heiligen Messe teilzunehmen.

Allgemein herrscht die Überzeugung, dass diese wohl einzigartige Einrichtung in ganz Palästina eine zentrale Säule des palästinensischen Gesundheitssystems darstellt. Die Projekte, die von hier aus organisiert und abgewickelt werden, reichen bis nach Ägypten und Syrien.

Gründungsmotto

Nach dem Willen von Pater Schnydrig, dem Gründer des Caritas-Baby-Hospital, der einige Tage vor der Einweihung des Neubaus starb, soll das Kinderkrankenhaus in Bethlehem \"eine kleine Brücke unter den Friedensbrücken\" sein. Dieser Satz des Priesters, dessen Lebenswerk der Aufbau des Krankenhauses gewesen ist, stammt aus dem Dokument für den Bau des neuen Gebäudes, der 1978 eingeweiht werden konnte, und wurde in die Grundfesten des Krankenhauses eingemeißelt.

Als Pater Ernst Schnydrig 1952 für den deutschen Caritasverband nach Bethlehem reiste, erlebte er, wie ein verzweifelter Vater sein totes Kind am Heiligen Abend im Morast eines Flüchtlingslagers begrub. Weil medizinische Hilfe rar war, beschloss er zu handeln und mietete zwei Zimmer mit 14 Betten, vertraute sie einer Gruppe von Verwandten und Freunde an und nannte es bereits voller Optimismus \"Caritas-Baby-Hospital\". Nie wieder sollte einem Kind am Geburtsort Jesu medizinische Hilfe verwehrt bleiben, und so ist es seit 50 Jahren das einzige Kinderkrankenhaus in Cisjordanien geblieben.

Um Krankheiten vorzubeugen, intensiviert das Krankenhaus die Schulungen für Mütter in den Dörfern. 1968 wurde ein spezielles Familienunterstützungsprogramm gestartet, das heute zeitgerecht weiterläuft. Eine Sozialarbeiterin besucht die Familien und versucht an Ort und Stelle, die Ursachen für die Krankheiten der Kinder zu ergründen.

Für die Frauen der Umgebung gibt es eine Krankenpflegeschule, wo sie sich zu Kinderkrankenschwestern ausbilden lassen können, um auf diese Weise eine Möglichkeit zu bekommen, ihre Familien finanziell zu unterstützen. Bis heute haben 250 Frauen dieses Angebot wahrgenommen. Das Caritas Baby Hospital mit all seinen Einrichtungen ist heute aus dem Alltag von Bethlehem, der Geburtsstadt Jesu, nicht mehr wegzudenken.