Das Dogma der Dreifaltigkeit - Freude der Menschen

Gott ist die Liebe

Rom, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 440 klicks

Das Kirchenjahr schreitet voran und wir (hoffentlich) mit ihm. In jenem im besten Sinne des Wortes spannenden Rhythmus, mit dem die Liturgie der Kirche uns im Laufe eines Jahres das Heilsgeschehen vor Augen führt, erleben wir immer wieder – weil einmal nicht genügt – die wesentlichen Stationen des Heilsgeschehens. Beginnend mit der Zeit der Erwartung (Advent) über die Menschwerdung (Weihnachten) bis hin zum eigentlichen Geschehen unserer Erlösung (Karfreitag, Ostern) und dem krönenden Abschluss (Pfingsten) lassen die Kirchenfeste uns jedes Jahr neu die Dynamik des Heilsgeschehens erleben.

Wie kommt es, dass diese Feste im Bewusstsein der meisten Menschen mehr sind als Erinnerungstage?

Am Nationalfeiertag, dem 3. Oktober z.B., denken wir mit Dankbarkeit an die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes. Aber man wird nicht sagen können, dass dann das Geschehen von 1989 wieder gegenwärtig ist. Es ist ein geschichtliches Ereignis, das uns viel bedeutet, das aber der Vergangenheit angehört.

Wer dagegen mit Glauben an einem Oster- oder Weihnachtsgottesdienst teilnimmt, hat das Empfinden “jetzt” dabei zu sein. Möglicherweise hat das damit zu tun, dass die Kirchenfeste immer mit einer Eucharistiefeier begangen werden. Und die Heilige Messe hat diese seltsame Eigenschaft, dass sie vordergründig ein aktuelles Geschehen „hic et nunc“, hier und jetzt ist: dass der Priester gewisse Handlungen vollzieht und bestimmte Worte ausspricht, dass aber gleichzeitig die Teilnehmer aus Zeit und Raum hinausgeführt werden. Bei jeder Heiligen Messe sind wir wieder an jenem entscheidenden Tag in Jerusalem und stehen mit Maria, Johannes und den heiligen Frauen unter dem Kreuz Jesu.

Und zusammen mit dem gegenwärtig gesetzten Opfer Christi ist das jeweils aktuell gefeierte Erlösungsgeschehen ebenfalls präsent.

Anders bei dem Fest, das wir an diesem Sonntag nach Pfingsten begehen. Das Dreifaltigkeitsfest feiert nicht ein bestimmtes Ereignis, sondern ein Faktum: die Tatsache, dass Gott der Eine und zugleich der Dreifaltige ist. Ein so großes und verehrungswürdiges Geheimnis verdient ein eigenes Hochfest. Eine Woche nach dem Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes halten die Gläubigen inne und verehren das unerhörte Geheimnis Gottes, der solche großen Dinge wie die Schöpfung und die Erlösung tut.

Der Begriff Dreifaltigkeit oder auch Dreieinigkeit erläutert und verhüllt zugleich. Gott ist wahrhaft der „lebendige Gott“, sein inneres Leben übersteigt unser Verstehen. Der Vater, der vor der Schöpfung scheinbar in einer unendlichen Einsamkeit thront, ist nicht wirklich allein. Er hat alles Leben in sich. Es war der Irrtum des Philosophen Hegel zu meinen, Gott müsse sich aussprechen, um sich seiner selbst bewusst zu werden. Tatsächlich spricht Gott das Wort, das WORT, den Logos. Das ist nach unseren Vorstellungen sein Sohn. Er ist das „Du“, das Gott hat, um sich seiner selbst bewusst zu sein. Er hat nicht die Schöpfung gemacht, um sich auszusprechen, um ein Gegenüber zu haben. Das hat er in sich selbst. Dieses „Gegenüber“ ist der Sohn. Indem der Vater ihn erkennt, liebt er ihn. Die Liebe wird vom Sohn erwidert. Diese Liebe ist die dritte Person der Gottheit, der Heilige Geist.

Gott braucht also die Schöpfung keineswegs, er hat alles in sich. Die Schöpfung in ihrer unbeschreiblichen Vielfalt ist Ausfluss seiner unendlichen Liebe. Die Liebe, so sagt der hl. Thomas von Aquin, ist „diffusivum sui“, sie will sich verströmen, verschenken, ist selbstlos.

Die Betrachtung dieses unendlichen Geheimnisses – dass Gott einer ist und doch drei – lässt uns einerseits erkennen, dass das Geheimnis Gottes unendlich groß ist – das muss es auch sein, denn würden wir Gott verstehen, wären wir selber wie Gott – dass der Dreifaltige Gott andererseits so ist, dass er uns im Grunde doch nicht fremd ist, da er die Liebe ist, die Liebe in sich selbst und nach außen. Und der Mensch ist so geschaffen, dass er die Liebe versteht.

Das Dogma von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist also durchaus nicht ein theologisches Konstrukt, das mit unserem Leben nicht viel zu tun hätte. Nein, es ist vielmehr die Grundlage dafür, dass wir mit Sicherheit sagen dürfen: Gott ist die Liebe. Das bedeutet: alles, was ich über die Liebe im irdischen Sinne weiß, findet seinen Ursprung, seine Läuterung und seine Vollendung in Gott. Ohne Gott wäre jede noch so vollkommene Form irdischer Liebe unsicher. Wie oft stellen wir das fest, wenn wir uns an bloß irdischer Liebe festmachen wollen.

Maria, die ein Geschöpf ist wie wir, zeigt uns, dass der Mensch in der Liebe des Dreieinen Gottes Halt und Sicherheit findet. So wie jeder Mensch die irdische Liebe in verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen erlebt als Kindesliebe, bräutliche Liebe, Elternliebe, so finden wir in Maria diese drei Formen der menschlichen Liebe gleichzeitig, darüber hinaus in ihr aber vergöttlicht, indem Maria Gott gegenüber sowohl Tochter als auch Braut als auch Mutter ist: Tochter Gottes des Vaters, Mutter Gottes des Sohnes, Braut des Heiligen Geistes.

So kann das Dogma auch unser persönliches Gebet beflügeln. Nicht nur können wir sagen:

„Durch Maria zu Jesus“, sondern darüber hinaus:

„Durch Maria zum Vater“ und:

„Durch Maria zum Heiligen Geist“.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).