Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens

Antwort auf unzählige Bitten der Gläubigen

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Von Ulrich Nersinger*

ROM, 7. Dezember 2011 (ZENIT.org). - Am 8. Dezember 1854 definierte der selige Pius IX. (Giovanni Maria Mastai-Ferretti, 1846-1878) mit der Bulle „Ineffabilis Deus“ als verbindliche  Glaubenswahrheit der katholischen Kirche:  „Der unaussprechliche Gott hat von Anfang an und vor den Zeiten seinem Einziggeborenen Sohn eine Mutter erwählt und bestimmt, aus der er, Fleisch geworden, in der seligen Fülle der Zeiten geboren werden sollte, und ihr eine solch große Liebe vor allen Geschöpfen erwiesen, dass er sich in jener einen mit geneigtestem Wohlwollen gefiel. Deswegen überhäufte er sie noch weit vor allen Engelsgeistern und allen Heiligen mit der aus dem Schatz der Göttlichkeit genommenen Fülle aller himmlischen Gnadengaben so wunderbar, dass sie, von gar allem Makel der Sünde immer frei und ganz schön und vollkommen, eine solche Fülle an Unschuld und Heiligkeit zu erkennen gab, wie man sie sich unter Gott in keiner Weise größer vorstellen kann und wie sie außer Gott niemand in Gedanken erfassen kann“.

Schon in den ersten Jahren seines Pontifikates hatte sich Papst Pius IX. einem Anliegen gewidmet, das in einem immer größer werdenden Maß an den Apostolischen Stuhl herangetragen worden war. Seit dem 17. Jahrhundert waren aus vielen Ländern, besonders aus Frankreich, in der Ewigen Stadt unzählige Bitten eingetroffen, die um eine Definition des Glaubenssatzes von der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria baten. Es gab zwar keinen unmittelbaren Beweis in der Heiligen Schrift, außer impliziert im Gruß des Erzengels Gabriel: „Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade“, doch der völlige Ausnahmecharakter der Heiligkeit Mariens war schon Teil des Glaubens der Kirchenväter. Ihre Gottesmutterschaft wurde auf dem Konzil zu Ephesus festgelegt; ihre Freiheit von persönlicher Schuld anscheinend nie bezweifelt. Was die Empfängnis betraf, wurde das im Osten entstandene Fest der Empfängnis Mariens schon im elften Jahrhundert in England begangen und die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis vom heiligen Anselm von Canterbury gefördert. Und der selige Duns Scotus gab an, dass Maria, indem sie von der Erbsünde befreit war, im Vorhinein und in vollkommener Weise an der von ihrem Sohn gewonnenen Erlösung teilhatte.

1439 war von dem nicht zu Ende geführten Baseler Konzil ein unveröffentlicht gebliebenes Dekret über die Unbefleckte Empfängnis vorbereitet worden – „Wir definieren, dass jene Lehre, die besagt, dass die glorreiche Jungfrau und Gottesgebärerin Maria durch das Zuvorkommen und Wirken der einzigartigen Gnade des göttlichen Willens niemals der Ursünde unterworfen sei, sondern stets von der ursprünglich und aktuellen Schuld unberührt, heilig und unbefleckt gewesen, von allen Katholiken als fromm und mit dem kirchlichen Brauch, dem katholischen Glauben, der rechten Vernunft und der Heiligen Schrift übereinstimmend gutzuheißen ist ... und dass es fortan nicht erlaubt ist, entgegengesetzt zu predigen und zu lehren“.

In der Apostolischen Konstitution „Cum praecelsa“ aus dem Jahre 1477 hatte Sixtus IV. festgestellt: „Wenn Wir die ganz hervorragenden Zierden der Verdienste, mit denen die Himmelskönigin, die glorreiche Jungfrau und Gottesgebärerin, an ätherischen Stätten thronend, gleichsam als Morgenstern vor den Gestirnen erglänzt, in demütig betrachtender Erwägung durchforschen, so erachten Wir es für angemessen, ja vielmehr als unabdingbar, alle Christgläubigen mit Ablässen und Sündenvergebungen einzuladen, dem allmächtigen Gott (dessen Vorsehung von Ewigkeit her auf die Niedrigkeit dieser Jungfrau schaute und sie – um die menschliche Natur, die durch den Fall des ersten Menschen dem ewigen Tod verfallen war, mit ihrem Schöpfer wieder zu versöhnen – durch die Vorbereitung des Heiligen Geistes zur Wohnstätte seines Einziggeborenen bestimmte, dass er aus ihr das Fleisch unserer Sterblichkeit für die Erlösung seines Volkes annehme und sie nichtsdestoweniger nach der Geburt unbefleckte Jungfrau bliebe) für die wunderbare Empfängnis der unbefleckten Jungfrau Dank und Lob darzubringen, die deswegen in der Kirche Gottes eingerichteten Messen und anderen göttlichen Offizien zu lesen und an ihnen teilzunehmen, damit sie dadurch auf Grund der Verdienste dieser Jungfrau und ihrer Fürsprache der göttlichen Gnade würdiger werden“. Schon zuvor war vom Papst das Fest der Unbefleckten Empfängnis genehmigt und ausdrücklich von ihm zu dessen Begehung aufgefordert worden.

Das Konzil von Trient hielt 1546 fest: Die Lehre seines Dekretes über die Erbsünde betrifft Maria nicht – „ ... das heilige Konzil erklärt, dass es nicht in seiner Absicht liegt, in diesem Dekret, wo über die Ursünde gehandelt wird, die selige und unbefleckte Jungfrau und Gottesgebärerin Maria mitein zu begreifen“. Im Apostolischen Breve „Solicitudo omnium Ecclesiarum“ von 1661 konnte Papst Alexander VII. die Immaculata-Lehre als allgemeine katholische Überzeugung bezeichnen: „Alt ist die Ehrerbietung der Gläubigen Christi gegenüber seiner seligsten Mutter, der Jungfrau Maria, die meinen ihre Seele sei im ersten Augenblick der Erschaffung und Eingießung in den Leib durch die besondere Gnade und Bevorzugung Gottes auf die Verdienste ihres Sohnes Jesus Christus, des Erlösers des menschlichen Geschlechtes, von dem Makel der Ursünde unversehrt bewahren worden, und in diesem Sinne das Fest ihrer Empfängnis mit feierlichem Ritus begehen und feiern; und die Zahl dieser wuchs nach der Herausgabe der Konstitution Papst Sixtus’ IV. seligen Angedenkens. Diese Ehrerbietung vermehrte und verbreitete sich wiederum, so daß, da sich auch die meisten berühmteren Hochschulen dieser Auffassung nähern, schon fast alle Katholiken sie vertreten“.

1830 war Catherine Labouré in der Rue Bac in Paris, dem Mutterhaus der Vinzentinerinnen, die Allerseligste Jungfrau erschienen. Die Gottesmutter forderte die vierundzwanzigjährige Novizin in einer Vision auf, eine Medaille prägen zu lassen, die ihr Bild trage und mit der Umschrift versehen sei: „O Marie, concue sans péché, priez pour nous qui avons recours à vous – O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zur Dir unsere Zuflucht nehmen“. Die Medaille trat von Frankreich aus ihren Siegeszug durch die katholische Welt an. In der Ewigen Stadt selber trug der Papst zur ihrer Verbreitung bei; schon als Oberhirte von Imola hatte er ihr seine besondere Beachtung geschenkt.

Am 1. Juni 1848, in den kritischen Tagen, als für die Päpstlichen Staaten die Gefahr bestand, durch nationalistische Eiferer in den Krieg gegen Österreich hineingezogen zu werden, setzte Pius IX. eine Kommission zur Vorbereitung der Definition der Unbefleckten Empfängnis Mariens, der Mutter aller Nationen, ein. Zwanzig namhafte Theologen beauftragte der Papst mit dem Studium der Frage. Als es im November des Jahres 1848 zur Ermordung des päpstlichen Ministerpräsidenten Pellegrino Rossi und der versuchten Erstürmung des Quirinalspalastes  kam, sah sich der Papst gezwungen, aus Rom zu fliehen – zur Wahrung seiner Freiheit und der der Kirche. Er fand Zuflucht im Königreich beider Sizilien, in der Hafenstadt Gaeta.

Auch im Exil vermochten es seine persönliche Situation und die politischen Umstände nicht, die Sorge um das Seelenheil der ihm anvertrauten Gläubigen in den Hintergrund treten zu lassen. Am 2. Februar 1849 sandte er von Gaeta aus das Apostolische Rundschreiben „Ubi primum“ an die Bischöfe in aller Welt, um die Meinung der Oberhirten über die Definierbarkeit dieser Glaubenswahrheit zu erfragen. Er teilte den Bischöfen mit, dass seinen Vorgängern und ihm oft und inständig der Wunsch hiernach ausgesprochen worden sei. Ihm selbst sei „von frühster Jugend an nichts so lieb und wert gewesen, als mit besonderer kindlicher Andacht die allerseligste Jungfrau zu verehren und alles zu fördern, was ihr zum Preis gereichen und ihre Verehrung mehr und mehr verbreiten könne“. Er habe seit Beginn seines Pontifikates der Angelegenheit große Aufmerksamkeit geschenkt und häufig um göttlichen Beistand gebetet. Einer Anzahl von gelehrten Kardinälen und Theologen sei von ihm aufgetragen worden, „den hochwichtigen Gegenstand nach allen Seiten hin sorgfältigst zu erörtern und ihre möglichst gründlichen Gutachten sodann ihm zu unterbreiten“. Die Bischöfe fordere er auf, in ihren Diözesen besondere Gebete anzuordnen, damit der Heilige Geist eine Entscheidung herbei führe, durch die „Gottes Ehre, das Lob der seligen Jungfrau und das Heil der streitenden Kirche gefördert werde“. Er bat sie weiterhin, ihm ihre eigenen Ansichten und Wünsche mitzuteilen und ihm Nachricht zu geben, wie stark beim Klerus und den Gläubigen das Verlangen nach einer Dogmatisierung sei.

Von den 603 gefragten Oberhirten befürworteten 546 die Definition. So hatten  die Überlegungen des Heiligen Vaters überwältigenden Anklang gefunden. Nur wenige – wie der Pariser Erzbischof Sibour – waren der Auffassung gewesen, der Glaubenssatz sei nicht definierbar; andere, meist aus protestantischen Ländern, meinten, er sei nicht opportun. Der Papst ordnete an, die Voten der Bischöfe zu veröffentlichen. Nach deren Publikation ließ Pius IX. verschiedene Entwürfe ausarbeiten.

Der in die Ewige Stadt zurückgekehrte Papst lud die Bischöfe im Jahre 1854 ein, nach Rom zu kommen, um über die von den theologischen Konsultoren erarbeiteten Vorschläge zu beraten. Die Definition des Glaubenssatzes war für den 8. Dezember des Jahres vorgesehen. Am 1. August 1854 bat der Papst die Gläubigen – mit der Zusicherung eines vollkommenen Ablasses – um ihr Gebet für die bevorstehenden Beratungen und um deren glücklichen Ausgang. Die Beratungen der Bischöfe standen unter dem Vorsitz der Kardinäle Brunelli, Santucci und Caterini. Sie begannen am 20. November und wurden an den drei darauffolgenden Tagen fortgesetzt. Als am 24. November die Glocken der Ewigen Stadt zum mittäglichen Angelus läuteten, waren die Bischöfe zu einem einhelligen Entschluss gekommen. „Petre doce nos, confirma fratres tuos – Petrus, lehre uns, stärke Deine Brüder!“, lautete ihre Aufforderung an den Papst. An der Endredaktion der Bulle „Ineffabilis Deus – Der unaussprechliche Gott“ war dann der Heilige Vater selber maßgeblich beteiligt.

Am 8. Dezember war die Basilika des Apostelfürsten Petrus prachtvoll geschmückt und erstrahlte im Kerzenglanz. Die ehrwürdigsten Reliquien, unter ihnen die hochverehrten Passionsheiligtümer der Basilika, waren auf den Loggien rund um den gewaltigen Bronzealtar des Bernini feierlich ausgestellt worden. Schon am frühen Morgen strömte eine gewaltige Menschenmenge nach St. Peter. Gegen neun Uhr zog der Papst, umgeben von seinem Hofstaat, in das Gotteshaus ein. Der Heilige Vater selber stand der Feier vor. Nachdem die letzten Worte des Evangeliums verklungen waren, nahm Pius IX. auf seinem Thron Platz. Dann trat der Dekan des Kardinalskollegiums, begleitet von den höchsten Würdenträgern aller Riten der katholischen Kirche, heran. Der Purpurträger stellte im Namen des ganzen christlichen Erdkreises feierlich und förmlich an den Stellvertreter Jesu Christi auf Erden die Bitte, als Glaubenssatz zu erklären, dass die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria vom allgemeinen Makel der Sünde der Stammeltern ausgenommen und daher unbefleckt empfangen worden ist:

„Heiliger Vater, zur Vermehrung des Lobes, des Ruhmes und der Verehrung der Jungfrau Maria ist dies der glühende Wunsch der gesamten Christenheit, und sie bittet Dich aus ganzem Herzen, dass Dein höchster und unfehlbarer Spruch die Frage der makellosem Empfängnis entscheide. Und wir, im Namen es Heiligen Kollegiums der Kardinäle, im Namen aller Bischöfe, im Namen der ganzen katholischen Welt und aller Gläubigen, wir bitten Dich in Demut, diesen Wunsch zu gewähren. Mitten im unblutigen Opfer, in diesem erhabenen Gotteshaus des Apostelfürsten, und dieser feierlichen Versammlung der Bischöfe und des Volkes, würdige, Heiliger Vater, Deine Apostolische Stimme zu erheben, und verkünde den Lehrsatz der unbefleckten Empfängnis Mariens, worüber Freude und Jubel im Himmel und auf Erden sein wird“.

Der Papst erhob sich von seinem Thron und stimmte das „Veni Creator“, den feierlichen Gesang zum Heiligen Geist, an. Bischöfe, Priester und Volk stimmten in den Hymnus ein. Dann sprach das Oberhaupt der Christenheit die entscheidenden Worte:

„Zur Ehre der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit, zur Zierde und Auszeichnung der Jungfrau und Gottesgebärerin, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Vermehrung der christlichen Religion, kraft der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus und Unserer eigenen erklären, verkünden und definieren Wir, dass die Lehre, die festhält, dass die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung  des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben ist“.

In dem Moment, als der Heilige Vater die letzten Worte des Glaubenssatzes gesprochen hatte, gaben die am Thron stehenden Apostolischen Boten mit  ihrem Amtsstab den „Sampietrini“ (Arbeiter der Domhauhütte) das Zeichen, die Glocken der Basilika zu läuten. Beim Vernehmen des ersten Schlages von St. Peter, in den bald alle Glocken der Ewigen Stadt einfielen, erteilte der Oberkanonier der auf der Engelsburg stationierten Kompanie der päpstlichen Artillerie den Befehl, aus den Geschützen der Festung einen hundertfachen Salut zu schießen. In der Vatikanischen Basilika war ein tausendfaches Amen die Antwort der Gläubigen.

Das Dogma wurde in der katholischen Welt mit Freude aufgenommen. Wie in Rom selber feierte man das Ereignis mit Dankmessen, Andachten und Festen. In kürzester Zeit wurden unzählige Kirchen, Kapellen, Altäre, Denkmäler, Statuen und fromme Anstalten zu Ehren der Unbefleckten Jungfrau gestiftet. Die marianische Volksfrömmigkeit erfuhr eine ungeahnte Belebung und Stärkung.

Im Apostolischen Palast, im Borgiaturm, vor den Stanzen Raphaels, ließ der Papst die Verkündigung der Glaubenswahrheit für die Nachwelt festhalten. Er beauftragte den Maler Francesco Podesti (1800-1885) mit der Schaffung entsprechender Fresken. Um eine würdige Wandfläche hierfür zu erhalten, wurde ein ganzes Stockwerk abgerissen – der neue Raum erhielt den Namen „Sala dell’Immacolata“. Auf dem Fresko, das die Hauptwand bedeckt, ist die feierliche Proklamation dargestellt. Es zeigt Himmel und Erde, die gleichermaßen am dem freudigen Geschehen teilhaben; im oberen Teil ist das himmlische Gericht zu sehen, das sich um die Muttergottes, ihrem göttlichen Sohn und Gottvater versammelt. Engel, Heilige, Propheten und Gestalten der Bibel bilden einen Kreis um sie. Im unteren Teil sieht man Pius IX., der gerade feierlich das Dogma verkündet. In der linken Hand hält er Blätter mit dem Text der Apostolischen Konstitution „Ineffabilis Deus“; rechts und links des Papstes sind Kleriker und Laien zu erkennen, deren Gesichter den damals Anwesenden entsprechen. Das Fresko der rechten Wand zeigt die Versammlung der Theologen und Prälaten, die über die endgültige Fassung der Glaubenswahrheit diskutieren. Auf der gegenüberliegenden Wand erinnert der Maler an die Krönungszeremonie des Mosaikbildes der Unbefleckten Empfängnis, das sich über dem Altar der Chorkapelle von St. Peter befindet; die Krönung war noch am 8. Dezember 1854 vom Papst vorgenommen worden.

Bei der Piazza di Spagna ließ Pius IX. zum Gedenken an die Verkündigung des Dogmas eine antike Säule mit einer Marienstatue aufstellen. Die Figur zeigt die Muttergottes auf einer Erdkugel stehend, unter ihren Füßen die Schlange. Die Statue wurde nach der Beschreibung von Catherine Labouré angefertigt. Noch heute suchen sie die Päpste an jedem 8. Dezember zum inständigen Gebet auf.

Aber auch in ganz  „Weltlichem“ fand die Verehrung Pius IX. für die göttliche Auszeichnung der Gottesmutter ihren Ausdruck: Der Schiffswerft der „Thames Iron Works“ in Blackwall (England) hatte der Heilige Vater den Auftrag für ein neues Flagschiff der kleinen päpstlichen Marine erteilt. 1859 konnte die Pirokorvette, die eine Wasserverdrängung von 652 Tonnen aufwies, vom Stapel laufen. Taufen ließ der Papst das Schiff auf den Namen „Immacolata Concezione – Unbefleckte Empfängnis“.

Obschon die ganze katholische Welt das Dogma freudig aufgenommen hatte und es in den Herzen der Gläubigen verwurzelt war und seine Früchte trug, schien es, als wolle die Muttergottes selbst noch ihre Unterschrift unter die Bulle des 8. Dezembers 1854 setzen. In Frankreich, in Lourdes, wurden vier Jahre später einer armen Müllerstochter, der vierzehnjährigen Bernadette Soubirous, Erscheinungen zuteil; als Bernadette die „Dame“, die mit ihr sprach, nach ihrem Namen fragte, erhielt sie zur Antwort: „Je suis l’Immaculée Conception – Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.

*Ulrich Nersinger ist Historiker und Spezialist für Geschichte der Päpste und des Vatikanstaates. Er studierte Philosophie und Theologie in Bonn, Wien und Rom und am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie. Er ist Mitglied der „Pontificia Accademia Cultorum Martyrum“. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind ein zweibändiges Werk „Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof" und sein neuestes Werk „Tiara und Schwert - Die Päpste als Kriegsherren“.