Das Domkapitel von St. Peter und Rom - neues dreibändiges Werk

Eine tausendjährige Geschichte im Leben der Heiligen Stadt

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ROM, 13. Juni 2008 (ZENIT.org).- Das Domkapitel von St. Peter ist ein Priesterkollegium, das seinen eigentlichen Anfang im Jahr 1053 nahm, als Papst Leo IX. dem Erzpriester und den Kanonikern von Sankt Peter, die sich im Kloster von „Santo Stefano Maggiore“ niedergelassen hatten, die ihnen von seinen Vorgängern zuerkannten Besitztümer und Privilegien bestätigte. Mit dem Pontifikat Eugens IV. (1145–1153) gewann das Kapitel die Merkmale einer gut strukturierten, autonomen Gemeinschaft. Dabei gab es einen langen, stufenweisen Übergang von einer in den Dienst der Basilika gestellten klösterlichen Struktur zu der heutigen Gestalt als Domkapitel.



Unter der Leitung des Erzpriesters hatte sich das Wirken des vatikanischen Kapitels von Anfang an verschiedenen Einsatzbereichen zugewandt: dem liturgischen Bereich mit der Feier der Eucharistie und des Chorgebetes sowie der täglichen Wahrnehmung der mit dem Gottesdienst zusammenhängenden Verrichtungen; dem administrativen Bereich mit der Verwaltung des Vermögens der Basilika und der Filialkirchen; dem pastoralen Bereich, wo dem Kapitel die Seelsorge im Stadtviertel Borgo übertragen war; dem karitativen Bereich, in dem das Domkapitel eigenständige Hilfeleistungen, aber auch solche in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus „Santo Spirito“ und anderen Einrichtungen durchführte.

Vom 11. Jahrhundert bis heute sind elf Päpste zu zählen, die dem Domkapitel von Sankt Peter angehörten, unter diesen die Päpste des 20. Jahrhunderts Pius XI. und Pius XII. Vom 16. Jahrhundert an, als mit dem Bau der neuen Basilika begonnen wurde, verwob sich die Geschichte des Domkapitels mit jener der Bauhütte von Sankt Peter. Es handelt sich um zwei getrennte Einrichtungen, die aber in der Person des Erzpriesters verbunden sind, der für die Sicherung einer fruchtbaren Zusammenarbeit sorgt.

Im vergangenen Jahrhundert, besonders in den letzten Jahrzehnten, hatte sich die Tätigkeit des Kapitels im Leben der Basilika fortschreitend auf die Wiederentdeckung seiner wahren ursprünglichen Funktionen hin orientiert, die vor allem im Dienst des Gebetes besteht.

Die Geschichte der Kontinuität und der sehr engen Verbindung zwischen dem Kapitel und dem Vatikan wurde jetzt in einem dreibändigen Werk veröffentlicht: „Il Capitolo di San Pietro in Vaticano dalle origini al XX secolo“, das der Kanoniker Prälat Dario Rezza besorgte (Edizioni Capitolo Vaticano). Die Bände sind das Ergebnis einer sechsjährigen historischen Forschung, das die Geschichte des Kapitels im Leben der Heiligen Stadt einem breiten Publikum zugänglich machen will.

Das reich illustrierte Werk betrachtet über eine ausführliche Archivabreit hinweg die lebendige Geschichte des Kapitels. Im Archiv der Kanoniker wurden unter anderem die Karten des antiken Borgo wiedergefunden, durch die ein Blick auf das Leben der Stadt geworfen werden kann, noch bevor durch den Bau der Via della Conciliazione ein ganzes Stadtviertel für immer verschwand. Prälat Rezza erinnert auch daran, dass dem Domkapitel von St. Peter das erste Jubiläumsjahr der Geschichte unter Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1300 zu verdanken ist.

Die Geschichte des Domkapitels, das seit 1000 Jahren Protagonist der Stadt Rom ist, stellt eine Neuheit in der Geschichtsschreibung dar, die bisher die Ganzheit und die Kontinuität des Kapitels wenig beachtet hat.