Das Erdbeben zum Zeitpunkt des Todes Jesu

Jüngste Ergebnisse aus der Geoforschung

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Von Paul de Maeyer

ROM, 12. Juni 2012 (ZENIT.org). - Am Freitag, dem 3. April des Jahres 33 n.Chr., starb Jesus von Nazareth am Kreuz. Laut einer in der Zeitschrift „International Geology Review“ publizierten Studie über seismische Aktivitäten in einem 20 Kilometer östlich von Jerusalem gelegenen Gebiet nahe des Toten Meeres handelt es sich dabei um das wahrscheinlichste Datum.

Wie Jennifer Viegas in einem am 24. Mai 2012 auf der Nachrichtenseite „Discovery News“ erschienenen Artikel darlegte, enthält das Matthäusevangelium den Hinweis auf ein Erdbeben, das sich zum Zeitpunkt des Kreuzestodes Jesu ereignete.

So sind uns folgende Worte des Evangelisten überliefert: „Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich“ (27,50-52).

Zur Ermittlung der seismischen Aktivitäten in dem Gebiet haben die Geologen Jefferson Williams vom US-amerikanischen Institut „Supersonic Geophysical“ und seine Kollegen Markus Schwab und Achim Brauer vom deutschen Geoforschungszentrum drei Bohrproben von Sedimenten aus dem südöstlich von Jerusalem am Ufer des Toten Meeres gelegenen Strands von En Gedi untersucht.

Die Analyse der Ablagerungen in den Sedimentenschichten ergab den Hinweis auf mindestens zwei große Erschütterungen im Gebiet in der erwähnten geschichtlichen Epoche. Das erste mit dem größeren Ausmaß ereignete sich im Jahr 31 v.Chr.; das zweite innerhalb des Zeitraums von 26 bis 36 n.Chr.

Laut Williams fällt der Zeitpunkt des ersten Erdbebens genau in jene Jahre, als Pontius Pilatus als Statthalter von Judäa wirkte, und stimmt mit der historischen Zuordnung des Matthäusevangeliums überein.

Dem US-amerikanischen Geologen und seinem Team zufolge sind die Erdbewegungen in zeitlicher Nähe zur Kreuzigung Jesu ein Hinweis auf das vom Verfasser des Matthäusevangeliums beschriebene Erdbeben, das sich vor oder nach der Kreuzigung ereignete, und auf ein lokales Erdbeben zwischen dem Jahr 26 und dem Jahr 36 n.Chr., das zwar eine Verformung der Ablagerungen von En Gedi bewirkte, das aber zu schwach war, um außerbiblische Spuren seiner historischen Existenz zu hinterlassen.

Williams untersucht derzeit ein weiteres Naturphänomen, das möglicherweise mit der Kreuzigung Jesu verbunden ist: die Finsternis.

Tatsächlich berichten Matthäus (27,45), Markus (15,33) und Lukas (23,44), die drei synoptischen Evangelisten, vom Einbruch der Finsternis nach der Kreuzigung, die von Mittag bis drei Uhr nachmittags anhielt.

Williams hält einen Sandsturm für eine mögliche Ursache dieser Finsternis. Dieser könne wiederum Spuren oder Ablagerungen in den Gesteinsschichten im Gebiet hinterlassen haben.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]