Das Forschungsprojekt "Vernunft, Religion, Kultur" an der Urbaniana

Vom 22. bis 24. November finden an der Päpstlichen Universität Urbaniana eine Reihe von Vorträgen von Prof. Richard Swinburne der Universität Oxford statt

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ROM, 22. November 2011 (ZENIT.org). – Die philosophische Fakultät der päpstlichen Universität Urbaniana organisiert eine Reihe von Seminaren und öffentlichen Vorlesungen im Rahmen des Forschungsprojekts „Vernunft, Religion, Kultur“.

Jede Überlegung über das Menschenleben und das, was ihm einen Sinn verleiht, muss heutzutage unabdingbar in Zusammenhang mit der Pluralität und Vielfalt der Kulturen gebracht werden. Dieser Gedanke drängt sich umso mehr in den Vordergrund, wenn man den Glauben der Völker und des Einzelnen berücksichtigt. Die Erkenntnis, dass es Verschiedenheiten zwischen Kulturen und Religionen gibt, ist sicher nicht neu. Diese Tatsache wurzelt ohne Zweifel in der griechischen Philosophie und ihrer Vorstellung, dass die Vernunft erlaubt, Überzeugungen und Verhaltensweisen verschiedener Kulturen gegenüberzustellen.

Daher entstand auch die ständige Debatte über die Natur der Vernunft in Beziehung auf Kulturen und Religionen. Heute stehen sich relativistische und rationalistische Anschauungen gegenüber und verhindern, den Beitrag, den die verschiedenen Religionen dem Leben der Menschen geben können, als positiv anzusehen.

Einerseits drängt sich immer mehr die aufklärerische Auffassung auf, nach der der religiöse Glaube bar jeder vernünftigen Grundlage ist. Andererseits verleiht der kulturelle Relativismus ihm, selbst wenn er die Wichtigkeit der Religionen anerkennt, eine rein funktionalistische Deutung oder sieht zumindest völlig davon ab,  die Wahrheit, an die die Menschen glauben, in Betracht zu ziehen.

Durch verschiedene Forschungsaktivitäten, darunter Seminare und öffentliche Vorlesungen, will man die Auffassung der Vernunft als Fähigkeit des Menschen vertiefen, gegenüber eines Individuums und einer Kultur offen zu sein und die Vielfalt und Verknüpfungen zwischen den einzelnen Kulturen positiv zu verwerten, vor allem was die Rolle betrifft, die die Religionen in der Bildung und Entwicklung der einzelnen Kulturen spielt. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man eine Reihe von Aspekten berücksichtigen, die Wechselbeziehung zwischen Vernunft, Religion und Kultur betreffen.

Was ist die Vernunft, die den Menschen auszeichnet? Ist die Rationalität eine rein normative Kenntnis? Kann man ihr eine rein formale Bedeutung geben, oder muss man sich auf eine tiefere Kenntnis der Wahrheit beziehen? Was unterscheidet den rationalen vom irrationalen Glauben? Wie kann und muss man jemanden zur Vernunft erziehen? Was für ein Verhältnis besteht zwischen so einer Erziehung und der Kultur, in der eine Person aufwächst? Was kennzeichnet und unterscheidet eine Kultur von den anderen? Welche Beziehungen zwischen verschiedenen Kulturen sind möglich? Kann man von einer Universalität der Vernunft sprechen, die in der Vielfältigkeit der Kulturen Ausdruck findet? Was für eine Beziehung hat jeder Einzelne zu der Kultur, der er angehört?

Was für eine Rolle spielen die Religionen in der Bildung der Kulturen? Was vereint und was unterscheidet die Religionen in ihrem Verhältnis zu den Kulturen? Spielt Religion in einer säkularisierten Gesellschaft wie der heutigen überhaupt noch eine Rolle? Betrifft die Säkularisierung nur die westliche Kultur? Unter welchen Voraussetzungen kann ein Glaube als rational oder irrational bezeichnet werden? Kann man bei Religionen von Wahrheit sprechen? Was für eine Beziehung besteht zwischen dem religiösen Leben und der Suche nach der Wahrheit über Gott?

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, wurde im Oktober Professor Pietro De Marco, Dozent für Religionssoziologie an der Universität von Florenz, eingeladen.

Während einer öffentlichen Vorlesung veranschaulichte De Marco die Funktionen eines analogen Modells zur „Civitas Dei” („Gottesstaat“) des hl. Augustinus, indem er in einer originellen Auslegung die „Civitas Dei” als paradigmatisch für den Ausdruck und die Rolle der Religionen darstellte. Zudem hob er in einem Seminar für Dozenten und Doktoranden die theologisch-politische Bedeutung des Modells hervor und seine mögliche analoge Anwendung in verschiedenen religiösen Kontexten.

In den Tagen vom 22. bis 24. November sind eine Reihe von Vorträgen von Prof. Richard Swinburne der Universität Oxford vorgesehen, dessen Anwesenheit in Rom von besonderer Bedeutung ist und eine wichtige Gelegenheit zum Nachdenken über die Existenz Gottes darstellt. Die einzelnen Aspekte werden in drei Vorträgen behandelt mit dem Thema: „The project of inductive natural Theology” (Projekt der induktiven natürlichen Theologie, 22. November), „The simplicity of God and the complexity of the Multiverse“ (die Einfachheit Gottes und die Komplexität der Parallelwelt, 23. November), „The problem of Evil“ (Das Problem des Bösen, 24. November).

Alle Veranstaltungen finden im Auditorium Giovanni Paolo II. der päpstlichen Universität Urbaniana von 9.30 bis 12.00 Uhr statt.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen von Cora Ebeling]