Das französische Seminar in Rom: Bischöfe erneuern ihren Einsatz

Mehr als 5000 Priester in Rom ausgebildet

Lourdes, (ZENIT.org) Anita Bourdin | 251 klicks

Bei ihrer herbstlichen Vollversammlung in Lourdes (5.-10. November) haben die französischen Bischöfe beschlossen, die Leitung des Päpstlichen Französischen Priesterseminars in Rom „ad experimentum“ weiterhin beibehalten zu wollen. Diese Entscheidung steht im Einklang mit der allgemeinen Einstellung der französischen Bischöfe zum Thema der Ausbildung zukünftiger Priester.

In der Leitung des Seminars haben die Bischöfe das Erbe der Spiritaner angetreten, denen das Institut bis 2009 unterstand. Deshalb ist der Rektor ein Diözesanpriester aus Belley-Ars, P. Sylvain Bataille.

Seit seiner Gründung hat das Päpstliche Französische Priesterseminar etwa 5000 Seminaristen und junge Priester aufgenommen. Zurzeit haben 18 französische Diözesen Seminaristen oder junge Priester zur Ausbildung nach Rom entsandt. Doch das Seminar hat auch immer schon Studenten anderer Nationen, darunter auch Orthodoxe, aufgenommen: so zum Beispiel den späteren Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I.

Das erste Mandat „ad experimentum“ an die französischen Bischöfe läuft 2014 aus: Daher der Beschluss der Bischöfe, ihren Einsatz zu verlängern.

Diese Entscheidung ist auch als Antwort der Bischöfe auf die Einladung von Papst Franziskus zu intensivem pastoralen Bemühen um die zukünftigen Priester zu verstehen, damit der Kirche solide Glaubensmänner geschenkt werden, die den Menschen und besonders den Schwachen nahe sein mögen.

„Eure Bemühungen um eine solide Ausbildung der zukünftigen Priester muss danach trachten, Glaubensmänner zu formen, die sich tief mit Christus verbunden fühlen und den Menschen, die ihnen anvertraut sind, nahestehen, ohne Furcht, auf die Männer und Frauen zuzugehen, die Jesus Christus noch nicht kennen“, schrieb der Papst an den Erzbischof von Marseille Georges Pontier, dem Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz.

Die Ausbildung der Priester stand dann bei der Vollversammlung der Bischöfe auch tatsächlich im Mittelpunkt der Debatte. Was sich dabei herausschälte, sei vor allem, wie der Pressesprecher der französischen Bischofskonferenz Msgr. Bernard Podvin erklärte, „ein von allen gespürtes Bedürfnis nach mehr Ausbildung für die Ausbilder“, was einen „langfristigen Einsatz“ auch im Fall des römischen Seminars voraussetze.

Die Frage nach den Schwerpunkten der Ausbildung – „Welche Priester für die Zukunft?“ – und die damit verbundenen „institutionellen Folgen“ werde die französische Bischofskonferenz voraussichtlich „zumindest noch im ganzen Jahr 2014 beschäftigen“, so Msgr. Podvin. Zugleich erinnerte er das „große nationale Treffen der Seminare“, das ebenfalls 2014 stattfinden werde.

Das Päpstliche Französische Priesterseminar in Rom entstand durch den vereinten Willen des seligen Papstes Pius IX. und der französischen Bischöfe mit dem Ziel, den französischen Seminaristen und jungen Priestern die Vorzüge einer Ausbildung in Rom zu ermöglichen. Die Ordensgemeinschaft der Spiritaner gründete 1853 das Seminar und behielt dessen Leitung bis zu Beginn des von Papst Benedikt XVI. gewollten Priesterjahres. Seit dem 4. August 2009, dem 150. Todestag des heiligen Jean-Marie Vianney, hat die französische Bischofskonferenz die direkte Leitung des Seminars übernommen (vgl. Statuten des Seminars, Art. 1).

Am Samstag, dem 6. Juni 2009, äußerte sich Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache an die Gemeinschaft des Französischen Priesterseminars in Rom mit folgenden Worten zu dieser Staffelübergabe: „Mit Freude empfange ich euch aus Anlass der Feierlichkeiten, die in diesen Tagen einen wichtigen Moment in der Geschichte des Päpstlichen Französischen Seminars von Rom bilden. Die Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist (Spiritaner), die seit seiner Gründung dessen Betreuung übernommen hat, legt sie nun nach anderthalb Jahrhunderten des treuen Dienstes in die Hände der französischen Bischofskonferenz.“

Weiter sagte der Papst: „Wir müssen dem Herrn für die Anstrengungen danken, die in dieser Institution unternommen worden sind, wo seit der Eröffnung fast 5000 Seminaristen oder junge Priester auf ihre künftige Berufung vorbereitet wurden“, und wies auf die Spezifizität des Instituts hin: „Das Besondere des französischen Seminars ist, dass es sich in der Stadt des hl. Petrus befindet. Einen Wunsch von Paul VI. aufgreifend (vgl. Ansprache an die Ehemaligen des französischen Seminars, 11. September 1968), möchte auch ich den Seminaristen wünschen, dass sie während ihres Aufenthaltes in Rom in privilegierter Weise mit der Geschichte der Kirche vertraut werden, die Weite ihrer Katholizität und ihre lebendige Einheit um den Nachfolger Petri entdecken. So soll in ihren Hirtenherzen für immer die Liebe zur Kirche verankert sein.“

Im Studienjahr 2012-2013 zählte das Seminar sechs Ausbilder und 56 Studenten, darunter 21 neue, davon 13 im ersten Jahr ihres Theologiestudiums. Insgesamt setzen sich die Studenten wie folgt zusammen: 40 Seminaristen (darunter zwei Praktikanten an Pfarreien ihrer Diözesen), 14 junge Priester, die eine Weiterbildung absolvieren, und 2 orthodoxe Studenten.

Die Gemeinschaft hat eine sehr internationale Dimension: Neben den 41 französischen Studenten kommen fünf aus Italien, einer aus Kamerun, einer aus China, einer aus der Demokratischen Republik Kongo, einer aus der Republik Kongo, einer aus Ghana, einer aus Togo, einer aus Rumänien, einer aus Senegal, einer aus Serbien und einer aus Syrien. Insgesamt sind 19 französische Diözesen vertreten, aber auch sieben ausländische Diözesen und verschiedene Ordensgemeinschaften und Kongregationen.