Das Gebet: einziger Weg zu intensiverem Erleben

Benedikt XVI. widmete die gestrige Generalaudienz der Spiritualität des heiligen Dominikus

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Von Salvatore Cernuzio

CASTEL GANDOLFO, 9. August 2012 (ZENIT.org). - Jeder Christ hat die Aufgabe, in seiner Familie, im Freundeskreis, bei der Arbeit und in seiner Freizeit ein Zeugnis seines Glaubens abzulegen. Dieses Zeugnis basiert auf dem Gebet, das persönlicher Kontakt zu Gott ist.

Dies ist die Lehre des heiligen Dominikus de GUZMÁN, dessen liturgischer Gedenktag gestern gefeiert wurde. Auf Leben und Lehre des heiligen Dominikus baute Papst Benedikt XVI. seine Katechese zur Generalaudienz auf, die gestern Vormittag auf der „Piazza della Libertà“ vor dem Apostolischen Palast in Castel Gandolfo stattfand.

Der Heilige Vater sprach insbesondere über das geistige Leben des heiligen Priesters und Gründers des Predigerordens: „ein Mann des Gebets, verliebt in Gott, Nachahmer Christi.“ Dominikus habe „radikal nach dem Vorbild der Evangelien gelebt, indem er die Verkündung von Gottes Wort mit dem Zeugnis eines in Armut geführten Lebens verband“, sagte der Papst. Er sei „den Weg der christlichen Vollkommenheit“ gegangen, dank der Kraft des Gebets, das „seine apostolischen Werke immer fruchtbarer machte“. Eine Eigenart des Heiligen sei sein unaufhörliches nächtliches Beten gewesen: „Den Tag widmete er seinen Mitmenschen, die Nacht jedoch gehörte dem Herrn“, schrieb der selige Jordan von Sachsen, Nachfolger des Heiligen in der Führung des Ordens.

„Er sprach immer mit Gott oder von Gott“, erklärte der Papst, indem er auf die Aussagen seiner Zeitgenossen hinwies. Daran erkenne man „seine tiefe Beziehung zu Gott und auch seine fortwährenden Bemühungen, die Menschen zu einer ähnlich tiefen Beziehung hinzuführen.“

Benedikt XVI. erläuterte ausführlich das Buch „Die neun Gebetsweisen des heiligen Dominikus“, das ein Dominikanerbruder in den Jahren zwischen 1260 und 1288 verfasste und das „uns hilft, etwas vom geistigen Leben des Heiligen zu begreifen“, vor allem aber „uns Wege lehrt, wie man betet.“ Nach Dominikus gibt es neun Arten zu beten, von denen jede „eine eigene Körper- und Geisteshaltung besitzt, die eng miteinander verknüpft innere Sammlung und Eifer fördern.“

„Die ersten sieben Arten“, erklärte der Papst, „folgen einer aufsteigenden Linie, wie Schritte auf einem Weg, der zur Einheit mit Gott, mit der Dreifaltigkeit führt.“ Dominikus „betet stehend mit leicht gebeugtem Oberkörper, um Demut zu zeigen; auf dem Boden liegend, um für seine Sünden um Vergebung zu bitten; auf den Knien, um Buße zu tun und an den Leiden des Herrn teilnehmen zu können; mit geöffneten Armen und auf das Kruzifix blickend, um die Liebe Gottes zu betrachten; mit dem Blick zum Himmel, wenn er Sehnsucht nach dem Reich Gottes verspürt.“ Die letzten beiden Arten hingegen „entsprechen zwei Andachtsweisen, die der Heilige regelmäßig pflegte“, nämlich das persönliche Meditieren und das Gebet auf Reisen.

Bei der persönlichen Meditation „wird das Gebet noch inniger und erreicht eine Dimension, die große innere Ruhe spendet.“ Dominikus habe die Gepflogenheit besessen, nach dem Stundengebet und nach der heiligen Messe sein inneres Zwiegespräch mit Gott fortzuführen, „ohne sich zeitliche Grenzen zu setzen, ruhig sitzend, in sich gesammelt, als ob er lausche; manchmal auch ein Buch lesend oder das Kruzifix betrachtend.“

Die Vereinigung mit Gott sei in diesen Momenten so tief gewesen, dass man „auch äußerlich Anzeichen von Freude oder Tränen sehen konnte.“ Laut Zeugenaussagen „geriet er manchmal in eine Art Ekstase, mit verklärter Miene; doch gleich darauf nahm er seine tägliche Arbeit wieder auf, gestärkt durch jene Kraft, die von oben herab kommt.“

Die zweite Art des Gebets habe der Heilige auf seinen Reisen von einem Kloster zum anderen praktiziert. Diese Zeit soll er stets genutzt haben, um „mit seinen Weggefährten die Laudes, die kleinen Horen oder die Vesper zu beten“, während er entlang des Weges „die Schönheit der Schöpfung betrachtete. Dann entsprang seinem Herzen ein Lob- und Dankgesang für so reiche Geschenke Gottes, besonders für das größte aller Wunder: die Erlösung durch Jesus Christus.“

Dominikus habe uns daher ein großes Zeugnis des Glaubens und der Liebe zum Herrn hinterlassen, das uns lehren könne, dass „nur diese echte Beziehung zu Gott uns die Kraft gibt, um jedes Ereignis intensiv zu erleben, besonders in den schwierigsten Momenten.“

Nicht nur das: „Dieser Heilige ermahnt uns, dass auch die äußere Haltung beim Gebet wichtig ist“, betonte Benedikt XVI. Sich hinknien, vor dem Herrn stehen, auf das Kruzifix schauen, in stiller innerer Sammlung stehenbleiben seien Gesten, die nebensächlich erscheinen können, in Wahrheit aber „helfen, uns innerlich und mit unserem ganzen Wesen in eine bestimmte Art der Beziehung zu Gott zu versetzen.“

All das im Sinn, rief der Papst dazu auf, „täglich die Zeit zu finden, um in Ruhe zu beten“, ganz besonders in der Ferienzeit. „Auf diese Weise“, so der Heilige Vater, „können wir auch denen, die in unserer Nähe sind, helfen, in den Lichtkreis der Gegenwart Gottes zu treten, der uns den Frieden und die Liebe bringt, die wir alle brauchen.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]