Das Gebet, fester Bestandteil der "Pädagogik des Friedens": Botschaft Benedikts XVI. an die Teilnehmer des Interreligiösen Gebetstreffens für den Frieden in Assisi (Italien)

"Die Religionen dürfen nicht für den Krieg missbraucht werden"

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CASTEL GANDOLFO, 4. September 2006 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. bekräftigt in seiner Botschaft zum 20. Interreligiösen Gebetstreffen für den Frieden in Assisi, dass die Religionen nicht als Vorwand dienen dürfen, um Kriege und Konflikte zu legitimieren. "Niemandem ist es gestattet, den Grund des religiösen Unterschieds als Voraussetzung oder Vorwand für eine kriegerische Haltung gegen andere Menschen heranzuziehen", so der Papst.



Der Heilige Vater unterstreicht in seiner Botschaft, die heute vom Heiligen Stuhl veröffentlicht worden ist, dass die Religion "Vorbote des Friedens" sein soll. Zur Herstellung des Friedens seien die Wege der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Ordnung zweifellos von großer Bedeutung, bestätigt der Bischof von Rom, zunächst komme es aber darauf an, dass der Friede in den Herzen der Menschen errichtet sei. Und bei dieser Bemühung sei darauf zu achten, dass beim gemeinsamen Gebet mit Menschen anderer Religionen "der Relativismus vermieden wird, der den Sinn der Wahrheit leugnet".

An dieser Stelle seines Schreibens, das an Bischof Domenico Sorrentino von Assisi addressiert ist, verweist Papst Benedikt auf die Worte seines Vorgängers Papst Johannes Paul II., der das Weltgebetstreffen für den Frieden im Geburtsort des Gründers des Franziskanerordens 1986 unter anderem mit folgenden Worten eröffnet hatte: "Die Tatsache, dass wir hierher gekommen sind, beinhaltet nicht die Absicht, unter uns selbst einen religiösen Konsens zu suchen oder über unsere religiösen Überzeugungen zu verhandeln. Es bedeutet weder, dass die Religionen auf der Ebene einer gemeinsamen Verpflichtung gegenüber einem irdischen Projekt, das sie alle übersteigen würde, miteinander versöhnt werden könnten, noch ist es eine Konzession an einen Relativismus in religiösen Glaubensfragen…" (vgl. Ansprache).

Benedikt XVI. kommt auch auf das Phänomen der Religionskriege zu sprechen, das nicht der Religion als solcher angelastet werden dürfe, sondern vielmehr den kulturellen Bedingungen, in denen die Religion gelebt worden sei und sich entwickelt habe. Der Papst nimmt auch Bezug auf die Selbstmordattentäter. In diesem Zusammenhang spricht er von einer Jugend, "die in einem ideologischen Umfeld zu Gefühlen des Hasses und der Rache erzogen" worden sei – in einem Klima, "in dem die Samen alter feindseliger Gefühle gepflegt und die Seelen auf künftige Gewalttaten vorbereitet werden".

Den religiösen Hirten falle vor diesem Hintergrund vor allem die Aufgabe zu, allen zu zeigen, dass die "Sprache des Gebets" die Macht habe, zu vereinen und zu einem "entscheidenden Element für eine wirksame Pädagogik des Friedens zu werden, die auf der Freundschaft, der gegenseitigen Annahme, dem Dialog zwischen den Menschen verschiedener Kulturen und Religionen begründet ist".

Ein religiöser Relativismus fördert nach Ansicht des Heiligen Vaters nicht die gegenseitige Verständigung, im Gegenteil. Das Grundprinzip für den interreligiösen Dialog ist für ihn die "Klarheit in der Wahrheit", was in der Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen "Nostra aetate" (2) festgehalten wurde. In diesem Sinn mahnt der Papst, "unangemessene Verwirrungen zu vermeiden".

Abschließend schreibt Papst Benedikt XVI.: "Wenn man sich zum gemeinsamen Gebet für den Frieden zusammenfindet, ist es notwendig, dass entsprechend den unterschiedlichen Wegen gebetet wird, die den verschiedenen Religionen zu Eigen sind." Die Annäherung der Religionen hinsichtlich der großen Themen der Menschheit "darf nicht den Eindruck erwecken, dass jenem Relativismus nachgegeben wird, der den Sinn der Wahrheit und die Möglichkeit, aus ihr zu schöpfen, negiert".

Das Motto des interreligiösen Weltgebetstreffens, das die Gemeinschaft Sant'Egidio gemeinsam mit der umbrischen Bischofskonferenz veranstaltet, lautet: "Für eine Welt in Frieden – Religionen und Kulturen im Dialog". Nach Angaben der Organisatoren soll ab heute, Montag, darüber nachgedacht werden, wie die Ideologie des "Kampfes der Kulturen" überwunden werden kann, um Wege der Zusammenarbeit zu erschließen und eine "Globalisierung mit menschlichem Antlitz" zu schaffen.

Neben Kardinal Paul Poupard, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und des Päpstlichen Rates für die Kultur, nehmen unter anderem auch Kardinal Stanislaus Dziwisz, Erzbischof und Metropolit von Krakau (Polen), sowie der Sekretär des Lutherischen Weltbundes, Dr. Ismael Noko Noko, oder der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen, Pastor Jean-Arnold de Clermont, an der zweitägigen Begegnung teil.