"Das Gebet ist der Atem des Glaubens"

Worte des Heiligen Vaters beim heutigen Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 2528 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

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Liebe Brüder und Schwestern!

Ich möchte zunächst Gott für die Zeit danken, die ich vorgestern in Assisi verbrachte. Ich kam zum ersten Mal in diese Stadt und erlebte es als großes Geschenk, diese Pilgerreise genau am Fest des hl. Franziskus unternehmen zu dürfen. Ich danke den Einwohnern von Assisi für die warmherzige Aufnahme: Vielen Dank!

Der heutige Text des Evangeliums beginnt folgendermaßen: „Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5-6). Mir scheint, dass wir uns alle diese Anrufung zu Eigen machen können. Wie die Apostel richten auch wir die Worte: „Stärke unseren Glauben!“ an den Herrn Jesus Christus. Ja, Herr, unser Glaube ist klein, unser Glaube ist schwach, zerbrechlich, aber wir legen ihn vor dich hin, so wie er ist, damit du ihn wachsen lässt. Was haltet ihr davon, wenn wir gemeinsam die folgende Bitte wiederholen: „Herr, stärke unseren Glauben!“? Wollen wir dies tun? Alle gemeinsam: Herr, stärke unseren Glauben! Herr, stärke unseren Glauben! Herr, stärke unseren Glauben! Stärke ihn in uns!

Wie lautet die Antwort des Herrn? Er erwidert: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: ‚Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!‘, und er würde euch gehorchen“ (V. 6). Das Senfkorn ist sehr klein, doch Jesus zufolge genügt ein kleiner, aber wahrer und aufrichtiger Glaube, um menschlich Unmögliches und Undenkbares zu vollbringen. Und das stimmt! Wir alle kennen einfache und bescheidene Menschen, deren Glaube jedoch von einer solchen Stärke ist, dass er wahrlich Berge versetzen kann! Denken wir beispielsweise an gewisse Mütter und Väter, die sich in sehr belastenden Situationen befinden oder an bestimmte auch schwer kranke Menschen, die jenen, die sie besuchen, dennoch Heiterkeit zu vermitteln vermögen. Im Evangelium sagt Jesus uns folgendes: „So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17,10). Wie viele Menschen unter uns haben diesen starken, demütigen Glauben, der so gut tut!

Im laufenden Monat Oktober, der in besonderer Weise den Missionen gewidmet ist, denken wir an die vielen Missionare; jene Männer und Frauen, die für die Verbreitung des Evangeliums Hindernisse aller Art zu überwinden imstande waren; sie haben tatsächlich ihr Leben hingegeben. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die Worte des hl. Paulus an Timotheus: „Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft“ (2 Tim 1,8). Davon sind wir jedoch alle betroffen: Ein jeder von uns kann im täglichen Leben mit der Kraft Gottes, der Kraft des Glaubens, Zeugnis für Christus geben. Mit unserem winzigen, jedoch starken Glauben können wir Zeugnis für Jesus Christus geben und mit dem Leben, mit unserem Zeugnis, Christen sein.

Woraus können wir diese Kraft beziehen? Wir schöpfen sie aus Gott im Gebet. Das Gebet ist der Atem des Glaubens. In einer Beziehung des Vertrauens, der Liebe, darf der Dialog nicht fehlen, und das Gebet ist der Dialog der Seele mit Gott. Oktober ist auch der Rosenkranzmonat, und am ersten Sonntag des Monats ist es Tradition, das Gebet der Gottesmutter von Pompei zu beten, Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. Im Geiste schließen wir uns diesem Akt des Vertrauens an unsere Mutter an und wollen aus ihren Händen den Rosenkranz empfangen: Er ist eine Schule des Gebetes, eine Schule des Glaubens!

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

gestern wurde in Modena die Seligsprechung des aus der Emilia Romagna stammenden und 1945 im Alter von 14 Jahren aus Glaubenshass ermordeten Seminaristen Rolano Rivi gefeiert. Die einzige Schuld des jungen Mannes bestand darin, in dieser Zeit der Gewalt gegen den Klerus, der im Namen Gottes seine Stimme gegen die Bluttaten der ersten Nachkriegsjahre erhob, den Talar zu tragen. Doch der Glaube an Jesus überwand den Geist der Welt! Danken wir Gott für diesen jungen Märtyrer und heldenhaften Zeugen des Evangeliums. Wie viele 14-Jährige haben heute dieses Beispiel vor Augen: einen mutigen jungen Menschen, der ein Ziel verfolgte und dessen Herz von der Liebe Jesu erfüllt war, der sein Leben für ihn hingegeben hatte. Was für ein schönes Beispiel für die jungen Menschen!

Ich möchte mit euch jener Menschen gedenken, die am vergangenen Donnerstag ihr Leben in Lampedusa verloren haben. Beten wir alle im Stillen für diese Brüder und Schwestern: Frauen, Männer und Kinder … Lassen wir unser Herz weinen. Beten wir im Stillen.

Mit Zuneigung begrüße ich alle Pilger, vor allem die Familien und Gruppen von Pfarrgemeinden. Ich begrüße die Gläubigen aus der Stadt Mede, aus Poggio Rusco und die Jugendlichen aus Zambana und Caserta.

Ein besonderer Gedanke sei der peruanischen Gemeinde in Rom gewidmet, die das heilige Bild des „Señor de los Milagros“in Prozession getragen hat. Von hier aus sehe ich das Bild in der Mitte der Piazza. Heißen wir den „Señor de los Milagros“hier auf der Piazza willkommen! Ich begrüße die Gläubigen aus Chile und die Bürgerwache Mengen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Deutschland.

Mein Gruß gilt der Gruppe von Frauen, die von Gubbio aus über die „Via Francigena Francescana“ hierhergekommen sind, den Verantwortlichen der Gemeinschaft Sant’Egidio in verschiedenen Ländern Asiens – sie sind großartig, die Mitglieder dieser Gemeinschaft! –, den Blutspendenden des ASFA aus Verona und des AVIS aus Carpinone, dem nationalen Rat der AGESCI, der Gruppe von Pensionisten des Krankenhauses Sant’Anna aus Como, dem Institut Canossiano di Brescia sowie der Vereinigung „Missione Effatà“.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!