Das Geheimnis von Papst Franziskus: "Die Staatsgnade!"

Gestern endete der dritte Tag der ereignisreichen apostolischen Reise nach Korea

Seoul, (ZENIT.org) P. Alfonso M. A. Bruno FI | 461 klicks

Beim abendlichen Briefing mit den Journalisten versucht der vatikanische Pressesprecher vor allem, genaue Angabe zur Anzahl der Gläubigen zu machen, die an der Seligsprechungsmesse teilgenommen haben. Nach Schätzungen der Polizei, die durch die koreanische Bischofskonferenz bestätigt wurden, sollen es etwa 800.000 gewesen sein, obwohl die von den Pfarreien ausgeteilten Eintrittskarten nur etwa 200.000 sind.

Pater Lombardi findet die Wahl des Ortes sehr passend, wegen der Annäherung zwischen dem Nationalhelden Admiral Yi Sun-sin, dessen Statue im Zentrum des Gwanghwamun-Platzes steht, und den 124 neuen Seligen der ersten Generation von Märtyrern, die die Helden des Christentums in Korea sind.

Das Kreuz, das während der Messfeier auf dem Altar stand, war vor zweihundert Jahren ein Zeichen der Schande und der Verfolgung; heute ist es zum sichtbaren Zeichen der Ehre geworden, auf demselben Platz, wo damals die Menschen hingerichtet wurden, die an Christus glaubten.

Während einer Unterhaltung mit dem Nuntius bei der Mittagspause sprach der Papst über seine innere Bewegung beim Gedanken an die koreanischen Märtyrer, aber auch an die zahlreichen Christen, die heute in der Welt verfolgt werden.

Deshalb nimmt der Heilige Vater die Bitte der kambodschanischen Frau, die ihn am 15. August gebeten hatte, auch die Zeugen des Glaubens in ihrem Land zur Ehre der Altäre zu erheben, sehr ernst.

Interessant ist auch die körperliche Verfassung des Papstes, der die Anstrengungen der Reise kaum zu spüren scheint. Er sprüht vor Begeisterung. Er selber kommentierte diese Feststellung mit den Worten: "Das ist die Staatsgnade!"

Beim nachmittäglichen Besuch in Kkottongnae war es, als ob der Papst in die Slums von Buenos Aires zurückgekehrt wäre, in denen er in der Vergangenheit seine seelsorgerische Arbeit verrichtet hatte. Beim Eintreten in das Haus zog er sich die Schuhe aus; ein Zeichen der Demut und der Achtung vor den Menschen die dort leben und die ein Abbild des leidenden Christus sind.

Besonders fasziniert hat ihn das Bild der behinderten Kinder, die für ihn tanzten und dabei eine große Freude an den Tag legten. Ein lebendiges Beispiel für ein Leben im Geiste des Evangeliums; ein deutliches Zeichen gegen die Wegwerfkultur, die sich in der heutigen Welt breitmacht. Eine Ansprache hielt der Heilige Vater dort nicht, denn Küsse und Umarmungen redeten eine Sprache, die deutlich genug war.

Besonders bewegende Momente waren der Besuch bei der Gedenkstätte für die ungeborenen Kinder, die Opfer von Schwangerschaftsabbrüchen wurden, und die Begegnung mit dem körperlich behinderten Priester. Bischof Lazzaro bewies großen Mut, als er ihn zum Seminar zuließ und schließlich zum Priester weihte; doch was diesem Priester an leiblichen Kräften fehlt, hat er seitdem durch seine Begeisterung und sein Glaubenszeugnis wettgemacht.

Voller Freude war die Begegnung mit den koreanischen Ordensfrauen, die viel zahlreicher sind als die Ordensmänner. In seiner Ansprache erinnerte der Papst hier an die tiefe Bedeutung der Wahl eines geweihten Lebens und an die Wichtigkeit einer demütigen Treue zu den Gelübden, im Gegensatz zur Versuchung, weltlichen Einfluss und Effizienz zu suchen, die dazu führen, dass man die Armen vergisst.

Die Begegnung mit den Laien war kurz, aber bewegend. Alle Anwesenden erfüllte eine große Freude. Der Vorsitzende des Laienrats hielt eine sehr schöne Rede. Der Papst zeigte sich sehr zufrieden mit dem Vorsatz, auf die Armen und auf die Brüder in Nordkorea und im Rest Asiens, die Christus noch nicht kennen, zuzugehen.

Pater Lombardi teilte zum Abschluss den Journalisten die neuesten Nachrichten über die Mission von Kardinal Filoni im Nahen Osten mit, wo der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker sich seit Dienstag als Gesandter des Papstes befindet. Am 14. August traf Kardinal Filoni den kurdischen Präsidenten Barzani, der vor zwei Monaten im Vatikan empfangen worden war. Barzani begegnete dem Präfekten mit großer Freundlichkeit. Kardinal Filoni dankte ihm im Namen des Heiligen Stuhls für seinen Einsatz zur Hilfe der Vertriebenen.

Kardinal Filoni sagte auch finanzielle Hilfsmittel vom Heiligen Stuhl zu, obwohl er diese zur Zeit noch nicht beziffern konnte.

Kardinal Filoni besuchte verschiedene Flüchtlingscamps, auch syrischer und orthodoxer Christen. Als nächstes wird er nach Ninive reisen, wo man etwa 70.000 christliche Flüchtlinge zählt.