Das geistige Erbe von Chiara Lubich soll in einem neuen Zentrum bewahrt werden

Über 8.000 Videos und 22.000 Audio-Kassetten gehören zum Lebenswerk

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ROCCA DI PAPA, Italien, 26. August 2008 (Zenit.org).- Das Geistliche Erbe von Chiara Lubich, der Gründerin der Fokolar-Bewegung, soll in einem besonderen Zentrum aufbewahrt und gepflegt werden. Mit dem Aufbau des „Chiara-Lubich-Zentrums“ wurde Eli Folonari betraut, die über 50 Jahre die persönliche Sekretärin Lubichs war.

Erst Anfang Juli ernannten die Mitglieder der Fokolar-Bewegung die Nachfolgerin von Chiara Lubich, die im März dieses Jahres im Alter von 88 Jahren gestorben war. Lubich hatte die Bewegung seit der Gründung 1943 geleitet – 65 Jahre lang. Allein an Audioaufnahmen gibt es aus dieser Zeit 8.000 Videos und 22.000 Audio-Kasetten. Die Fokolar-Bewegung hat heute mehr als zwei Millionen Freunde weltweit, davon 141.400 in festen Gruppen.

Die Dokumente des neuen Zentrums sollen neben den wichtigsten Etappen der Lebensgeschichte von Chiara Lubich, die am 22. Januar 1920 in Trient geboren worden war und 1943 das Gelübde für ein geweihtes Leben im dritten Orden der Franziskaner ablegte, auch die Geschichte der Bewegung dokumentieren.

Schon in ihrer Familie war Chiara mit der Auseinandersetzung zwischen Christentum und Marxismus konfrontiert gewesen: Ihre Mutter war überzeugte Christin, ihr Vater Sozialist und ihr Bruder zunächst Redakteur bei einer kommunistischen Zeitung und später, zur Zeit des italienischen Faschismus, Partisan.

Chiara Lubich wurde zunächst 1938 Volksschullehrerin. Sie unterrichtete anschließend in verschiedenen Trentiner Dörfern und begann an der Universität Venedig das Studium der Philosophie. Eine Beendigung des Studiums war aufgrund des Kriegswirren nicht möglich.

Geprägt durch die Erlebnisse des Krieges und ihr stark ausgeprägtes christliches und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein, gründete sie 1943 die Fokolar-Bewegung, deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod war. Sie erwarb große Anerkennung durch ihre Bemühungen um die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Ihre großartigen Reden und Ansprachen erreichten ein Millionenpublikum.

Für ihr Werk wurden ihr eine Vielzahl von internationalen Preisen und Ehrendoktoraten verliehen, unter anderem der Unesco-Preis für Friedenserziehung 1996 oder der Menschenrechtspreis des Europarates 1998.

Carla Cotignoli, Mitarbeiterin in der Pressestelle der Fokolar-Bewegung, erklärte gegenüber ZENIT, dass das neue Chiara-Lubich-Zentrum in der Nähe von Rocca di Papa bei Rom eingerichtet werden soll. Schon seit einigen Jahren sei mit der Archivierung des reichen Materials begonnen worden. Wie das neue Zentrum aussehen soll, darüber werde man im September beraten.