Das Gnadenbild von Etzelsbach

Ein Wallfahrtsort in Thüringen

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Von Britta Dörre

ROM, 22. Mai 2012 (ZENIT.org). - Etzelsbach liegt im Eichsfeld, zehn Kilometer von Heilbad Heiligenstadt in Thüringen. Die Geschichte des Wallfahrtsortes geht auf das 16. Jahrhundert zurück. 1525 findet der Ort erstmalig Erwähnung, als die Wallfahrtskapelle „Zu Unserer Lieben Frauen“ in Brand gesetzt wird. Ursprünglich gehörte der Etzelsbach zum Zisterzienserinnenkloster Beuren, das 1555 geschlossen wurde, seitdem ist der Wallfahrtsort der Pfarrei „Sankt Mauritius“ in Steinbach angeschlossen.

Der Legende nach fand ein Bauer das Gnadenbild eines Tages zufällig beim Pflügen seines Ackers wieder. Eine wichtige Rolle spielt es seit 1625 vor allem für die Pferdewallfahrt, die in jedem Jahr nach Mariä Heimsuchung am 2. Juli stattfindet. Im Nachbardorf Wingerode war nämlich 1625 eine Pferdeseuche ausgebrochen, und die Pferde, die zum dem Wallfahrtsort gebracht worden waren, gesundeten. Bis heute werden die Pferde dreimal um die Kapelle geführt, damit der Segen auf sie übergeht. 

Das Aussehen der heutigen Kapelle im neogotischen Stil geht auf den Entwurf der Architekten Paschalis Gratze und Fritz Cordier aus dem Jahr 1897/98 zurück. In der Kapelle befindet sich das Gnadenbild, das eine Pietà darstellt.

Als Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Apostolischen Reise am 23. September 2011 eine Marienvesper in Etzelsbach feierte, erklärte er: „Eine Besonderheit des Gnadenbilds von Etzelsbach ist die Lage des Gekreuzigten. … Im Etzelsbacher Gnadenbild sind die Herzen Jesu und seiner Mutter einander zugewandt; die Herzen kommen einander nahe. Sie tauschen einander ihre Liebe aus. Wir wissen, dass das Herz auch das Organ der tiefsten Sensibilität für den anderen wie des innigsten Mitgefühls ist. Im Herzen Marias ist Platz für die Liebe, die ihr göttlicher Sohn der Welt schenken will.“ Tatsächlich ist der Leichnam Christi mit dem Kopf nach rechts und nicht, wie allgemein üblich, nach links ausgerichtet.

Die Marienverehrung ist, wie Papst Benedikt XVI. in der Marienvesper ausführte, „ die Betrachtung der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem göttlichen Sohn. … In ihrer mütterlichen Liebe trägt sie Sorge für die Brüder und Schwestern ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur ewigen Heimat gelangen“, so hat es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert (Lumen gentium, 62). … sie (die Gläubigen) stützen sich auf das unerschütterliche Vertrauen, dass Maria zugleich auch unsere Mutter ist – eine Mutter, die das größte aller Leiden erfahren hat, alle unsere Nöte mitempfindet und mütterlich auf ihre Überwindung sinnt.“