Das Heilige Messopfer - Gesamtschau des Erlösungsopfers Christi

Impuls zum Ostersonntag 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 770 klicks

Zu allen Zeiten haben die Christen gewusst (oft die einfachen Seelen mehr als die Intellektuellen), dass es um die Hl. Messe etwas Besonderes ist, und dass man nichts Besseres tun kann, als möglichst oft an ihr teilzunehmen.

Die Liturgie des Triduum Sacrum, der drei aufeinander folgenden Festtage, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern gibt uns einen Hinweis auf das, was das Geheimnis der Messe ausmacht.

Die Hl. Messe, täglich mehrere hunderttausendmal auf der Erde gefeiert wird, ist jedesmal eine vollständige Zusammenfassung dieser drei österlichen Geschehen:

Einsetzung des Hl. Altarssakramentes,

Opfertod Christi am Kreuz,

Auferstehung Jesu am Ostermorgen.

Wenn wir die hl. Messe feiern bzw. mitfeiern, hören wir den entscheidenden Satz, der die Wandlung einleitet: “Am Abend vor seinem Leiden…” bzw. beim 2. Hochgebet: “Am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf…” und schließlich im 3. Hochgebet: “Denn in der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot…” In allen drei Formen, und natürlich auch im 4. Hochgebet,  wird die Eucharistie in unmittelbaren Zusammenhang zu seinem Opfertod gestellt.

Die Messe ist also zunächst nicht eine Mahlfeier, die Gemeinschaft stiftet. Das tut sie auch, aber nicht in erster Linie.

Die hl. Kommunion, die wir empfangen können, ist der wahre Leib Christi, und zwar der “Leib, der für euch hingegeben wird”, als Opfer zur Sühne für unsere Verfehlungen, und noch deutlicher bei der Konsekration des Kelches: “Mein Blut, das für euch und für viele (alle) vergossen wird zur Vergebung der Sünden”.

Jesu Tod am Kreuz ist wirklich ein “Opfer, das Gott wohl gefällt und der ganzen Welt Heil bringt” (vgl. Viertes Hochgebet).

Manche Liturgiewissenschaftler haben geglaubt, man könne den Protestanten entgegen kommen, wenn man den Opfercharakter der Messe zurücknimmt. Die Liturgie spricht aber eine andere Sprache. Besonders im ersten Hochgebet wird deutlich auf den Zusammenhang des Opfers Christi mit den Opfern der alten Zeit hingewiesen. Da wird das Opfer des gerechten Abel erwähnt, “das Opfer unseres Vaters Abraham, wie die heilige Gabe, das reine Opfer deines Hohenpriesters Melchisedek” (Erstes Hochgebet). Alle Opfer des Alten Bundes, wie auch die Opfer der Heiden, waren im Prinzip sinnvoller Ausdruck des Willens der Menschen, die verlorene Freundschaft mit Gott zurück zu gewinnen. Aber sie konnten Gott letztlich nicht gefallen. Nur das Opfer Christi am Kreuz versöhnt die Menschheit wirklich mit Gott, und das muss immer wieder neu vollzogen werden.

Der hl. Pater Pio sagte einmal: Eher könnte die Erde ohne die Sonne existieren als ohne die Hl. Messe.”

Unblutigerweise wird in der hl. Messe der Opfertod Jesu am Kreuz präsent gemacht – nicht erinnert, auch nicht symbolisch dargestellt. Nein, das Kreuzesopfer isthic et nuncauf dem Altar zugegen, dasselbe, das vor etwa zweitausend Jahren auf Golgotha blutigerweise dargebracht wurde.

Gleichzeitig mit dem Opfergedanken zeigt sich die Rückbindung an das Paschamahl des Alten Bundes. Die Einsetzung der Eucharistie unmittelbar nach dem Essen des Paschamahls zeigt deutlich, dass sich hier erfüllt, was damals nur im Zeichen gegeben wurde. Jetzt beginnt etwas Neues, was im Laufe der zweitausendjährigen Kirchengeschichte unendlich reiche Güter an Gnade und dann auch an Kultur gebracht hat (denken wir an die Auswirkungen der eucharistischen Verehrung auf die Kunst, Dichtung und Musik).

Gleichzeitig ist sie aber auch der Schluss- und Höhepunkt einer uralten Tradition, die ungefähr zweitausend Jahre vor Christus zurückreicht. Der geheimnisvolle Hohepriester Melchisedek bringt vor den Augen Abrahams ein reines Opfer von Brot und Wein dar, sinnfällige Vorbedeutung der Messe, wenngleich noch nicht eucharistisch.

Ein weiteres Vorbild auf die Eucharistie ist das Manna, das buchstäblich vom Himmel kam, aber auch noch nicht die himmlische Wirklichkeit ist.

Damals sollten die Israeliten durch Mose aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt werden. Um dort heil herauszukommen, bedurfte es eines von allen mitvollzogenen Opfers unschuldiger Lämmer, deren Blut an die Türpfosten zu streichen waren, damit der vorübergehende Tod die Kinder Israels verschonte.

Wie schön ist doch dieser Gedanke, dass in der Verwirklichung durch Christus ebenfalls das Blut des Lammes, nämlich das des Gotteslammes, uns vom Tod errettet und uns aus der Sklaverei nicht Ägyptens, sondern der Sünde befreit.

Und schließlich, ebenfalls in der Hl. Messe präsent: Ostern, die Auferstehung. In den Worten der Hl. Messe, die das gläubige Volk spricht, kommt zum Ausdruck, was nach dem Kreuzesopfer geschieht: “Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit”. Durch das Messopfer, in dem der Mensch außerhalb von Raum und Zeit unmittelbar zu Füßen des Kreuzes auf Golgotha steht, ist auch die Auferstehung – jetzt – präsent und vor allem wirksam.

Die Messe endet mit einem Ruf, der den Missionsbefehl des Herrn bei seiner Himmelfahrt aufnimmt: “Ite, missa est! – Geht, ihr seid gesendet!”

In der Tat, die Hl. Messe umfasst das Werk unserer Erlösung bis in die Einzelheiten hinein und wird, wenn wir gut vorbereitet an ihr teilnehmen, unser ganzes Leben erneuern.

Ihnen allen ein gesegnetes und gnadenreiches Osterfest!

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).