Das Institut für religiöse Werke (IOR) setzt auf Transparenz

Standpunkt von Paolo Ciprianis, Generaldirektor der Vatikanbank IOR

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Von Sergio Mora

ROM, 11. Juni 2012 (ZENIT.org). - Der Rücktritt von Gotti Tedeschi, des Präsidenten des Instituts für die religiösen Werke, sorgte in Zeitungen aus aller Welt für Schlagzeilen. Auf den Rücktritt des Professors Gotti Tedeschi Bezug nehmend, hob der Heilige Stuhl in einem Kommuniqué hervor, dass der Wunsch nach Transparenz trotz des Führungswechsels an der Spitze des IOR ungebrochen sei (ZENIT berichtete).

Das Kommuniqué betonte erneut, dass Aspekte der Führung des Instituts den Aufsichtsrat dazu bewogen hätten, das Misstrauensvotum gegenüber Prof. Gotti Tedeschi auszusprechen, und nicht eine mutmaßliche Abweichung von der Linie der Transparenz, die den Autoritäten des Heiligen Stuhles und dem Institut selbst so wichtig sei.

Von Interesse sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen Paolo Ciprianis, des Generaldirektors des IOR, in einem von der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ am 10. Juni 2012 veröffentlichten Interview.

Auf die Frage der Journalistin M. Antonietta Calabrò nach der Existenz „verschlüsselter, ich spreche nicht von anonymen, Konten“ gab Cipriani folgende Antwort: „Solche Konten gibt es nicht, und ihr Vorhandensein wäre nicht möglich. Beispielsweise sind alle Konten, die wir als ‚Positionen‘ bezeichnen, durch einen viel ausgeklügelteren Koppelungsmechanismus mit den persönlichen Daten des Inhabers verbunden, als das in Italien der Fall ist. Das elektronische System funktioniert nicht, wenn die Eingabe unvollständig ist“.

Die Journalistin blieb hartnäckig und erkundigte sich nach den Namen italienischer Politiker. Der Generaldirektor antwortete darauf folgendermaßen: „Nein, unter den Italienern (die keiner kirchlichen Ordensgemeinschaft angehören) als normale Personen befinden sich nur die Angestellten oder pensionierte Mitglieder des Heiligen Stuhls“.

Das Interview fuhr mit folgenden Fragen und Antworten fort: Befindet sich der Name Luigi Bisignani darunter? „Weder er noch seine Frau besitzen hier ein Konto“. Taucht Pollari auf, der ehemaligen Leiter des Sismi? „Nein“. Wir haben erfahren, dass Gotti auch Bill Clinton erwähnte. „Das ist frei erfunden“.

Daraufhin fragte die Journalistin nach dem Umgang mit dem Geld.

„Wir vergeben keine Darlehen. Alle Abgänge, Überweisungen, Schecks und selbst Bargeld, sind vorgegeben, und das läuft viel genauer ab als in Italien. Dazu werden sogar Zolldokumente verwendet, die unserer Kontrollbehörde vorgelegt werden. Die Transaktionen werden vom Kontrollsystem Ibis überwacht“.

Wie stehe es mit den Eingängen, fragte Calabrò. Das IOR verfüge über keine Filialen, so Generaldirektor Cipriani. Daher stammten die Eingänge aus ausländischen Banken, auch aus italienischen. Es sei auch und sogar vor allem deren Aufgabe, Kontrollen durchzuführen. Allerdings übernehme dies auch die IOR unter Anwendung von Systemen wie die Liste OFAC [1], eine ständig aktualisierte internationale Liste mit den Namen jener Personen, gegen die der Verdacht auf Geldwäsche bestehe: Es verstehe sich von selbst, dass jede verdächtige Person sofort gesperrt werde.

Zum Abschluss betonte Cipriani erneut, dass es in Bezug auf Transparenz im Ausland nie Probleme gegeben habe und lange Zeit auch in Italien nicht.

[1] Das Office of Foreign Assets Control (Amt für Kontrolle von Auslandsvermögen) ist die Exportkontrollbehörde des United States Department of the Treasury.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]