Das Jahr der Eucharistie und die Kinderpastoral

Brief von Kardinal Darío Castrillón Hoyos an die Priester

| 302 klicks

ROM, 24. Januar 2005 (ZENIT.org).- In einem Schreiben an die Priester erinnert Kardinal Darío Castrillón Hoyos, Präfekt der Kongregation für den Klerus (www.clerus.org), daran, dass die Kinder "die ersten Adressaten der Katechese in unseren Pfarreien" und auch die "ersten Adressaten dieser großen Gabe" seien, die die Eucharistie ist, "welche Gott uns, zerbrechlichen Tongefäßen, anvertraut hat, in unsere geweihten Hände gelegt". Der Brief, den wir nun dokumentieren, ist vergangenen Samstag veröffentlicht worden.



* * *



Das Jahr der Eucharistie und die Kinderpastoral



Aus dem Vatikan, am 8. Januar 2005

Liebe priesterliche Mitbrüder,

ich wende mich an Euch, die Ihr mit unserer Internet-Seite www.clerus.org durch Email verbunden seid. Diese Homepage bietet Euch eine spezifische Dokumentation zur ständigen Weiterbildung an: und das hauptsächlich dank der Internationalen Theologischen Video-Konferenzen, die seit mehr als drei Jahren von der Kongregation für den Klerus zu Themen, die Euch besonders betreffen, organisiert werden.

In dieser nachweihnachtlichen Zeit möchte ich besonders Euch Pfarrern meinen Dank aussprechen. Ihr lebt und bezeugt in diesem Jahr, das in besonderer Weise der Heiligen Eucharistie geweiht ist, noch einmal mehr in Euren Pfarreien das eucharistische Geheimnis.

"Tut dies zu meinem Gedächtnis" – das ist die Bitte Jesu und wir, in der Ausübung unseres priesterlichen Dienstes, vergegenwärtigen Seinen Leib und Sein Blut jeden Tag auf dem Altar in sakramentaler Weise. Deshalb können wir ausrufen: "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14).

Die Weihnachtszeit ist in besonderer Weise mit den Kindern verbunden. Der menschgewordene Gott, der Immanuel, erscheint uns mit dem Antlitz eines Kindes. Als Erwachsener wird uns Jesus verkünden, dass der Weg zum Himmelreich durch das Herz eines Kindes verläuft: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eintreten" (Mt 18,3).

Im Angelus-Gebet vom 6. Januar, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, hat der Heilige Vater noch einmal die Bedeutung der Kleinen in der Kirche unterstrichen: "Die Kinder sind Gegenwart und Zukunft der Kirche. Sie haben eine aktive Rolle in der Evangelisierung der Welt. Mit ihren Gebeten tragen sie dazu bei, die Welt zu retten und besser zu machen."

Wie könnte man in diesem der Eucharistie gewidmeten Jahr nicht in besonderer Weise an jene denken, die die ersten Adressaten der Katechese in unseren Pfarreien sind: die Kinder? Wir empfangen sie, begleitet von ihren Familien, am Taufbrunnen und sehen sie später wieder, wenn sie an den Katechismus-Kursen in Vorbereitung auf die Erstkommunion teilnehmen.

Ein großer, von der Kirche heiliggesprochener Papst, nämlich Pius X., widmete gerade den Kindern viel Aufmerksamkeit und pastorale Bemühungen. Am 8. August 1910 erließ er das Dekret "Quam Singulari", in dem festgelegt wurde, dass man die Kinder ab dem Alter von sieben Jahren zum Empfang der ersten heiligen Kommunion zulassen dürfe.

Für die Pastoral an den Kindern bedeutete diese Entscheidung eine entscheidende Wendung: Von nun an konnten sie die Heilige Kommunion empfangen, nachdem sie in ihren Pfarreien eine entsprechende Vorbereitung empfangen hatten, die ihnen die ersten und grundlegenden Wahrheiten des christlichen Glaubens vermittelte. Das Alter für die Erstkommunion wurde schon damals auf ungefähr 7 Jahre festgelegt, nämlich wenn das Kind fähig war, den Leib des Herrn von gewöhnlichem Brot zu unterscheiden.

Gemeinsam mit dem Heiligen Papst Pius X. sind viele davon überzeugt, dass diese Praxis, die Kinder ab dem Alter von 7 Jahre zur Erstkommunion zuzulassen, viele Gnaden geschenkt hat. Darüber hinaus darf man nicht die historische Tatsache außer Acht lassen, dass in der Urkirche das Sakrament der Eucharistie an die Neugeborenen im Anschluss an deren Taufe gespendet wurde und zwar in Form einiger Tropfen konsekrierten Weines.

Viele Jahrhunderte lang war die Sorge um die rechtzeitige Erstkommunion ein fester Bestandteil in der Kinderpastoral. Diese Gewohnheit wurde vom Hl. Pius X. aufgegriffen und von seinen Nachfolgern, bis hin zu unserem Heiligen Vater Johannes Paul II., immer wieder bestätigt.

Can. 914 (CIC) fasst das Anliegen der Papstes zusammen: "Pflicht vor allem der Eltern und derer, die an Stelle der Eltern stehen, sowie des Pfarrers ist es, dafür zu sorgen, dass die Kinder, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, gehörig vorbereitet werden und möglichst bald, nach vorheriger sakramentaler Beichte, mit dieser göttlichen Speise gestärkt werden."

Erst kürzlich hat der Heilige Vater für die Entscheidung des Hl. Pius X. Worte der Bewunderung gefunden. In seinem Buch "Steht auf. Lasst uns gehen!" schreibt er: "Einer meiner Vorgänger, der heilige Pius X., hat mit seiner Entscheidung zur Erstkommunion ein anrührendes Zeugnis pastoraler Liebe zu den Kindern gegeben. Er hat nicht nur das Alter gesenkt, um an den Tisch des Herrn zu treten, wovon ich selbst im Mai des Jahres 1929 profitiert habe, sondern eröffnete auch die Möglichkeit, die Hl. Kommunion schon vor dem siebten Lebensjahr zu empfangen, falls das Kind eine hinreichende Unterscheidungsgabe besaß. Die Frühkommunion war eine pastorale Entscheidung, die würdig ist, dass man sie lobt und ihrer gedenkt, denn sie hat viele Früchte der Heiligkeit und des Apostolates unter den Kindern bewirkt und das Aufblühen von priesterlichen Berufungen begünstigt" (Johannes Paul II., Steht auf. Lasst uns gehen, Rom 2004, S. 81).

Wir Priester, die wir von Gott berufen worden sind, in Einheit mit unseren Bischöfen das Allerheiligste Sakrament des Altares zu hüten, müssen besonders die Kinder als erste Adressaten dieser großen Gabe betrachten, die Heilige Eucharistie, welche Gott uns, zerbrechlichen Tongefäßen, anvertraut hat, in unsere geweihten Hände gelegt.

Ich glaube, dass es zu den größten Freuden eines Pfarrers gehört, die Erstbeichte der Kinder zu hören und ihnen danach die Erstkommunion zu reichen. Je kleiner sie sind, desto gewisser kann man davon ausgehen, dass sie Christus im Sakrament in würdiger Weise in ihr Herz aufnehmen. Der Geist eines Kindes, das zum Vernunftgebrauch gelangt ist – und heute gelangt es früh in dieses Stadium – ist offen und empfänglich für das göttliche Licht, welches das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen durchscheinen lässt. Über den Verstand hinaus erhebt uns der Glaube, welcher – und das haben wir oft in unseren Pfarreien beobachten können – gerade in den Kindern lebendig ist, die oft besser als die Erwachsenen dazu fähig sind, in der Unmittelbarkeit des Gebetes ihrer Nähe zum Herrn Ausdruck zu geben.

Wir wollen daher hoffen, dass diese heilige, von den letzten Päpsten ohne Ausnahme angemahnte Tradition, die kleinen Kinder nach der Erstbeichte zur Erstkommunion zuzulassen, besonders im Jahr der Eucharistie immer mehr geschätzt und soweit wie möglich befolgt wird. Beten wir gemeinsam darum, dass die pastorale Liebe zur treibenden Kraft für jeden Pfarrer werde, damit in Gemeinschaft mit dem Bischof, in Zusammenarbeit mit den Familien und den Erziehern der Kinder die Liebe zur Heilige Eucharistie schon den Kleinkindern eingeflößt wird.

Die Sehnsucht, den Leib Christi zu empfangen, ist der sichere Weg, um eine Zukunft des Friedens und der Heiligkeit zu gewährleisten, die nicht nur den einzelnen Gläubigen, sondern die ganze christliche Gemeinschaft betrifft.

In der Verbundenheit des Gebetes verbleibe ich hochachtungsvoll in Christus

Darío Castrillón Hoyos
Präfekt der Kongregation für den Klerus

P.S.: Ich erinnere daran, dass am 28. Januar dieses Jahres die nächste theologische Videokonferenz zum Thema "Fides et Ratio" stattfindet.

[Deutsche Fassung stammt von der Kongregation für den Klerus]