Das Joch Christi ist das Gesetz der Liebe

Macht und Erfolg sind kein Weg zum Heil

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VATIKANSTADT, Montag, 4. Juli 2011 (ZENIT.org). – Die Liebe Christi sei das Heilmittel für die Wunden der Menschheit. Man müsse die falschen Wege des Hochmuts, der Gewalt, die angewendet werde, um mehr Macht zu erreichen, verlassen und zu den Regeln des Respekts zurückfinden. Bei seiner Ansprache vor dem Angelusgebet am 14. Sonntag im Jahreskreis wies Papst Benedikt auch auf die Seligsprechung des Märtyrers János Scheffler hin, des rumänischen Bischofs von „Satu Mare“, der 1952 ein Opfer der kommunistischen Diktatur geworden war.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Im heutigen Evangelium hören wir erneut jene Worte des Herrn Jesus, die wir so gut kennen, die uns aber immer wieder berühren: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist süß und meine Last ist leicht“ (Mt 11,28-30).

„Als Jesus die Straßen von Galiläa durchwanderte, das Reich Gottes verkündete und viele Kranken heilte, hatte er Mitleid mit den Menschen, denn sie waren müde und erschöpft, wie Schafe ohne Hirten“ (Mt 9,35-36). Jener Blick Jesu scheint bis heute zu reichen, bis in unsere Welt. Auch heute ruht er auf vielen Menschen, die durch schwierige Lebenssituationen niedergedrückt werden, aber auch keine zulänglichen Bezugspunkte haben, um für die eigene Existenz einen Sinn und ein Ziel zu finden. Eine Vielzahl von Erschöpften finden sich in den ärmsten Ländern, heimgesucht vom Elend. Und auch in den reichsten Ländern sind viele Männer und Frauen unzufrieden; sie sind geradezu krank an Depressionen. Denken wir zudem an die zahlreichen Evakuierten und Flüchtlinge, an diejenigen, die auswandern und dabei ihr eigenes Leben riskieren. Der Blick Jesu ruht auf all diesen Menschen, ja auf jedem dieser Kinder des Vaters, der im Himmel ist, und er wiederholt: „Kommt alle zu mir ...“.

Jesus verspricht, allen Ruhe zu verschaffen, aber er stellt eine Bedingung: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig“. Was ist dieses „Joch“, das anstatt zu belasten, Erleichterung verschafft, und anstatt niederzudrücken, aufrichtet? Das „Joch“ Christi ist das Gesetz der Liebe, ist sein Gebot, das er seinen Jüngern hinterlassen hat (vgl. Joh 13,34; 15,12). Das wahre Heilmittel für die Wunden der Menschheit, ob materielle, wie Hunger und Ungerechtigkeiten, oder psychologische und moralische, verursacht durch einen falschen Wohlstand, ist eine Lebensregel, die auf der geschwisterlichen Liebe gründet, welche die Quelle in der Gottesliebe hat. Dafür muss man den Weg des Hochmuts verlassen, den Weg der Gewalt, die angewandt wird, um immer höhere Machtpositionen einzunehmen, um sich Erfolg um jeden Preis zu sichern. Auch gegenüber der Umwelt muss man auf den aggressiven Stil verzichten, der in den vergangenen Jahrhunderten vorgeherrscht hat, und eine vernünftige „Milde“ annehmen. Aber vor allem in den menschlichen, zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen kann nur die Regel des Respekts und der Gewaltlosigkeit, das heißt die Kraft der Wahrheit gegen jegliche Gewaltakte, eine menschenwürdige Zukunft sicher stellen.

Liebe Freunde, gestern haben wir ein besonderes liturgisches Gedächtnis der heiligsten Maria gefeiert, indem wir Gott für ihr unbeflecktes Herz gepriesen haben. Die Jungfrau möge uns helfen, von Jesus die wahre Demut zu „lernen“, mit Entschiedenheit sein leichtes Joch auf uns zu nehmen, um einen inneren Frieden zu erfahren und um unsererseits fähig zu werden, die anderen Brüder und Schwestern zu trösten, die mit Mühe ihren Lebensweg gehen.

Nach dem Angelus grüßte der Papst die italienischsprachigen Pilger mit folgenden Worten:

Liebe Brüder und Schwestern, ich vereine mich mit der Freude der Kirche Rumäniens, insbesondere der Ortskirche „Satu Mare“, wo heute János Scheffler seliggesprochen wird, der Bischof jener Diözese war und im Jahr 1952 als Märtyrer starb. Sein Zeugnis möge immer den Glauben derer, die sich an ihn erinnern, und der neuen Generationen stärken.

Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:

Mit Freude grüße ich alle Pilger und Gäste deutscher Sprache. „Kommt alle zu mir", lädt Jesus uns im heutigen Evangelium ein. Der Herr kennt die Mühsal und die Last unseres Lebens und will uns Ruhe verschaffen. Auf uns selbst gestellt können wir aber die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht stillen. Christus zeigt uns den Weg zum wirklichen, zum glücklichen Leben; er ist selbst der Weg. „Lernt von mir", so sagt er, „denn ich bin gütig und von Herzen demütig." Von Jesus also können wir das rechte Menschsein lernen, und dazu gehören die Güte und die Demut. Dann finden wir innere Freude und Erholung für Geist und Seele. Bei Jesus sein ist das wahre Glück. Ich wünsche euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Dr. Edith Olk © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]