Das Konklave des Jahres 1878 ‑‑ eine Papstwahl in einer neuen Zeit

523 Arbeiter richten in neun Tagen und neun Nächten Konklave ein

Rom, (ZENIT.org) Ulrich Nersinger | 1094 klicks

Als der selige Pius IX. (Giovanni Maria Mastai Ferretti, 1846-1878) am 7. Februar 1878 verstarb, ergaben sich für die anstehende Papstwahl bedeutsame Änderungen. Es war das erste Konklave des 19. Jahrhunderts, das aufgrund der politischen Gegebenheiten im Vatikan stattfinden musste. Das Konklave, aus dem Papst Pius VII. (Barnaba Gregorio Chiaramonti, 1800-1823) hervorging, hatte in Venedig stattgefunden. Leo XII. (Annibale della Genga, 1823-1829), Pius VIII. (Francesco Saverio Castiglioni, 1829-1830), Gregor XVI. (Bartolomeo Alberto Mauro Cappellari, 1831-1846) und Pius IX. wurden im Quirinalspalast gewählt.

Die Arbeiten für die Herrichtung des Konklave, das zur Wahl Leos XIII. (Gioacchino Pecci, 1878-1903) führen sollte, waren dem Architekten der Apostolischen Paläste, Vincenzo Martinucci, übertragen worden. Für die Unterbringung der Papstwähler mussten verschiedene Institutionen des Heiligen Stuhles, so die Päpstliche Nobelgarde, ihre Quartiere räumen und eine Reihe hochstehender Privatpersonen ihre Wohnungen verlassen. Architekt Martinucci hatte die im Apostolischen Palast des Vatikans verfügbaren Räume zu mehr oder weniger abgeschlossenen kleinen Wohnungen für je einen Kardinal, seinen Konklavisten und seinen Diener umzugestalten sowie die in Anspruch genommenen Kapellen, Höfe und Stockwerke durch Vermauerung von der Außenwelt vollständig abzuschließen.

In neun Tagen und neun Nächten – tagsüber durften wegen der zu erledigenden Geschäfte des Kardinalskollegiums keine Baumaterialien angefahren werden – verwirklichten 523 Arbeiter die Pläne des Architekten.  Jede der einzelnen Zellen bestand aus zwei bis vier Räumen, je nach der Größe der Zimmer oder mit Rücksicht auf die Möglichkeit, gesonderte Ausgänge auf die Flure zu haben. Durch private Verständigung unter den Kardinälen wurden einige Veränderungen in der Verteilung der Zellen herbeigeführt. Sanitäre Einrichtungen musste der Großteil der Purpurträger miteinander teilen.

Am Abend des 18. Februar, um 19.30 Uhr, wurde das Konklave feierlich geschlossen, nachdem der Kardinalkämmerer sich persönlich davon überzeugt hatte, dass sich keine unbefugte Person mehr im Konklavebereich aufhielt. Von den vierundsechzig Kardinälen waren sechzig beim Einzug in das Konklave zugegen. Die Kardinäle aus Dublin und Rennes waren schwerkrank; der Patriarch von Lissabon kam am Abend des 19. Februar in der Ewigen Stadt an und wurde unverzüglich in das Konklave eingelassen, der Erzbischof von New York, Kardinal Mac Closkey, traf jedoch erst nach der erfolgten Wahl des neuen Papstes in Rom ein.

Außer den Kardinälen, ihren Konklavisten (jeder Purpurträger durfte für sich eine Begleitung bestimmen) und Dienern wurden in das Konklave mit eingeschlossen: Der Präfekt der Apostolischen Sakristei mit drei Hilfskräften, der Sekretär des Heiligen Kollegiums mit seinen Beamten und Dienern, mehrere Zeremoniare, zwei Ärzte, ein Chirurg und ein Apotheker, vier Barbiere, je ein Schreiner, Maurer, Schlosser, Schmied und Glaser, zwei Küchenchefs, vier Köche und sieben Unterköche, drei Aufseher und 21 Bedienstete verschiedener Art. Während früher – noch bei der Wahl Pius’ IX. wurde es so gehandhabt – die Kardinäle und ihre Begleitung das Essen ins Konklave gebracht erhielten, hatte man diesmal eine gemeinschaftliche Küche eingerichtet. Die Kardinäle nahmen ihre Mahlzeiten in den Zellen ein, während die übrigen Konklaveteilnehmer an getrennten Tischen (für die Konklavisten, die Diener, die Handwerker usw.) gemeinsam speisten.

Die Kosten für die baulichen Maßnahmen im Apostolischen Palast beliefen sich auf 57.871,67 Lire (damalige 46.300 Mark; um auf eine heutige Euro-Entsprechung zu kommen, müsste der Betrag ungefähr mal 7 genommen werden), diejenigen der Herrichtung für die Sixtinische Kapelle, in der die Requiemmessen und die Abstimmungen stattfanden, 19.961,30 Lire (15.000 Mark). Waren früher die Papstwahlversammlungen von eigens ausgehobenen Truppen und Einheiten der päpstlichen Armee bewacht worden, konnten nun nach dem Ende des Kirchenstaates (1870) nur noch die päpstlichen Palastgarden zum Schutz des Konklave herangezogen werden.