Das Konklave ‑‑ Die deutschen Kardinäle

Teil 4/6: Reinhard Kardinal Marx

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 2139 klicks

Reinhard Kardinal Marx, Jahrgang 1953, erhielt als Erzbischof von München und Freising von seinem Amtsvorgänger Friedrich Kardinal Wetter den Bischofsstab, der diesem 25 Jahre zuvor vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger übergeben worden war.

Kardinal Marx, der aus Nordrhein-Westfalen stammt, studierte Theologie und Philosophie in Paderborn und Paris. Seine Priesterweihe erfolgte 1979. Marx absolvierte von 1981 bis 1989 ein weiteres Studium in Bochum und Münster und schloss seine Studien mit einer Promotion zum Thema „Ist Kirche anders? Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise“ ab.

Marx hatte nach der Priesterweihe zwei Jahre lang seelsorgerisch gerabeitet, bevor er zunächst als Geistlicher Rektor der St.-Klemens-Kommende in Dortmund, des heutigen Sozialinstitutes der Erzdiözese Paderborn, und dann seit Jahr 1989 als dessen Direktor tätig wurde. Der seelsorgerischen Arbeit blieb Marx weiterhin verbunden, da er von Erzbischof Degenhardt mit der Seelsorge in der Berufs- und Arbeitswelt betraut wurde.

1996 übernahm Marx die Professur für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn. Am 23. Juli desselben Jahres ernannte ihn der selige Johannes Paul II. zum Titularbischof von Pedena und zum Weihbischof von Paderborn. Die Weihe erfolgte am 21. September 1996, dem Geburtstag von Kardinal Marx. Als Wahlspruch wählte er ein Zitat aus dem zweiten Korintherbrief: „Ubi spiritus Domini ibi libertas – Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17). Kardinal Marx begründete die Wahl dieses Spruchs mit den Worten: „… Mit diesem Wort aus dem 2. Korintherbrief wollte ich deutlich machen, dass Freiheit das wesentliche Thema unseres Glaubens ist. … In der modernen Welt wurde dem Glaube ja unterstellt, dass er mit einem Freiheitsverlust einhergeht. Aber das Gegenteil ist der Fall. Freiheit ist die Voraussetzung für Verantwortung und Liebe. Der freieste Akt eines Menschen ist, einem anderen Menschen zu sagen: Ich liebe dich. … Freiheit heißt nicht: Ich kann machen, was ich will. Sondern es bedeutet, dass sich jemand in Freiheit in die Arme Gottes hineinwirft. Dadurch kann der Mensch Vollendung erreichen. Wir können Freiheit auch als das große Geschenk der Liebe Gottes sehen, mit dem wir sorgsam umgehen sollen.“

Im Jahr 2001 ernannte der selige Johannes Paul II. Marx zum Bischof von Trier. Sein Abschied von der Diözese erfolgte 2008, nachdem Papst Benedikt XVI. ihn 2007 als Erzbischof von München und Freising berief. Im November 2010 erhob ihn Papst Benedikt XVI. zum Kardinal mit der Titelkirche San Corbiniano. Seine Ernennung zum Kardinal beschrieb Marx mit den Worten: „Dass der Heilige Vater mich in das Kardinalskollegium berufen hat, ist für mich, aber auch für das Erzbistum München und Freising und die katholische Kirche in Bayern, eine große Ehre. … Für mich ist die Ernennung ein Ansporn und eine Herausforderung. … Die Erschütterungen der letzten Monate müssen Ausgangspunkt einer geistlichen Vertiefung unseres Glaubens und eines neuen Mutes zur Evangelisierung nach innen und nach außen werden. … Für einen solchen Weg ist es wichtig, offen zu sein für das vielfältige Zeugnis des Glaubens im Volk Gottes, und zugleich den Geist der Communio, der Einmütigkeit lebendig zu halten. Das ist die wichtigste Aufgabe des Papstes und der Bischöfe. … “ 

Marx bekleidet außerdem verschiedene Ämter wie seit 1999 das Amt des Vorsitzenden der Kommission „Justitia et Pax“ (Gerechtigkeit und Frieden). 2001 wurde er in das Paderborner Metropolitankapitel aufgenommen. Marx hat den Vorsitz der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen in der Deutschen Bischofskonferenz inne und ist Stellvertretender Vorsitzender der Kommission Weltkirche. Seit 2010 ist Marx Großkanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.