Das Konklave von 2005: die Wahl Benedikts XVI.

Ein Rückblick

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Ulrich Nersinger | 1120 klicks

Am Morgen des 18. April 2005 um 10.00 Uhr fand im Petersdom unter dem Vorsitz von Kardinal Joseph Ratzinger die Votivmesse zur Wahl des Papstes statt. Die wahlberechtigten Kardinäle konzelebrierten; die über achtzigjährigen Purpurträger nahmen in Chorkleidung an dem Gottesdienst teil. In einer vielbeachteten Predigt wandte sich Ratzinger gegen „die Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letzten Maßstab nur das eigene Ich und seine Wünsche gelten lässt“. Am Schluss seiner Homilie bat Kardinal Joseph Ratzinger um das Gebet an den Herrn, damit er seiner Kirche „einen neuen Hirten gemäß seinem Herzen schenkt, einen Hirten, der uns zur Erkenntnis Christi, zu seiner Liebe und zur wahren Liebe führt“.

Um 16.00 Uhr erhielten der Substitut im Staatssekretariat, der Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten, der Präfekt des Päpstlichen Hauses, die beiden Augustinereremiten der Päpstlichen Sakristei, die Beichtväter und der Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde Zugang zur Sixtinischen Kapelle, ebenso die Wachen der Schweizergarde, der Sanitätsdienst, die Mitarbeiter der Floreria (Geräte- und Möbelmagazin des Vatikans), die Photographen, der „L’Osservatore Romano“, Radio Vatikan, das Vatikanische Fernsehzentrum (Centro Televisivo Vaticano) und der Pressesaal des Heiligen Stuhles.

Die Kardinäle waren gebeten worden, sich um 16.15 Uhr in der Aula delle Benedizioni auf der ersten Loggia des Apostolischen Palastes in Chorkleidung (roter Talar, Rochett, rote Mozzetta und Birett) einzufinden. Zwar sahen die rechtlichen Bestimmungen vor, dass der Einzug in die Konklaveversammlung von der Cappella Paolina aus erfolgen sollte, da diese jedoch aufgrund von Renovierungsarbeiten eine Baustelle darstellte, war man gezwungen gewesen, in die Benediktionsaula auszuweichen. Gegen 16.30 Uhr zogen die Papstwähler unter dem in lateinischer Sprache vollzogenen Gesang der Allerheiligenlitanei von der Aula delle Benedizioni zur Sixtinischen Kapelle. Den Purpurträgern wurden das Kreuz und das Evangelienbuch vorangetragen. Außer den Kardinälen nahmen an der Prozession der Sekretär des Konklave, der Päpstliche Zeremonienmeister, der Sekretär des Kardinaldekans, Kardinal Tomás Spidlík, der die Meditation zu halten hatte, die Zeremoniare, ein Diakon, der Altardienst und der Chor der Sixtina (Cappella Musicale Pontificia) teil. Vor der Sixtina hatte ein Detachement der Päpstlichen Schweizergarde Aufstellung genommen. Um 16.36 Uhr, bei der Anrufung der heiligen Perpetua und Felizitas, betraten die Kardinäle die Sixtinische Kapelle. Der Allerheiligenlitanei folgte das „Veni Creator“, der Hymnus zum Heiligen Geist. Nach einem Gebet und der Verlesung der Eidesformel durch den Kardinaldekan trat jeder einzelne Purpurträger an das Evangelienbuch heran und bekräftigte den Eid. Die Uhr zeigte 17.28, als der Päpstliche Zeremonienmeister das „Extra omnes– Alle hinaus!“ sprach.  Nach dem die zur Papstwahl nicht zugelassenen Personen die Sixtina verlassen hatten, wurde die Fernsehübertragung der Feier beendet. In der Kapelle verblieben außer den wahlberechtigten Kardinälen nur noch Titularerzbischof Piero Marini und Kardinal Tomás Spidlík. Nach Beendigung der Meditation verließen auch der tschechische Purpurträger und der Päpstliche Zeremonienmeister den Wahlort. Der rangjüngste der Kardinaldiakone, Attilio Nicora, schloß die Pforte der Sixtinischen Kapelle, vor der dann Schweizergardisten, die unter dem direkten Befehl ihres Kommandanten, Oberst Dr. Elmar Theodor Mäder, standen, die Wache  übernahmen.

Für die Außenwelt blieb das Kaminrohr, das am Dach der Sixtinischen Kapelle angebracht worden war, nunmehr die einzige Informationsquelle über das Geschehen in der Papstversammlung. Der erste Wahlgang des Konklave verlief ergebnislos, gegen 20.04 Uhr stieg schwarzer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle empor. Einige Minuten lang hatte die unbestimmte Farbe des Rauches für Verwirrung gesorgt. Die zweite und dritte Abstimmung, die am Morgen des folgenden Tages vorgenommen wurden, führten ebenfalls noch nicht zur Beendigung der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles; um 11.52 Uhr wurden die Fernsehkameras und die auf dem Petersplatz wartenden Gläubigen hierüber von einer schwarzen Rauchsäule in Kenntnis gesetzt. Am Nachmittag, um 17.50 Uhr, verkündete weißer Rauch – und eine viertel Stunde später das Glockengeläut der Vatikanischen Basilika – , dass sich die Kardinäle im vierten Wahlgang auf ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche geeinigt hatten.

Um 18.43 Uhr gab Kardinalprotodiakon Jorge Arturo Medina Estévez das Ergebnis der Papstwahl mit der traditionellen lateinischen Formel bekannt. Fünf Minuten später trat der neugewählte Papst, unter Voraustritt des Prozessionskreuzes, auf die äußere Loggia des Petersdomes. Auf den Balkonen zur Rechten und Linken der Loggia sah man die Mitglieder des Kardinalskollegiums. Vor der Erteilung des Apostolischen Segens „urbi et orbi“ richtete der Papst an die Gläubigen die Worte: „Liebe Brüder und Schwestern! Nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinäle mich gewählt, einen einfachen und unwürdigen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit unzureichenden Instrumenten zu arbeiten und zu handeln versteht, und vor allem vertraue ich mich euren Gebeten an. In der Freude des auferstandenen Herrn schreiten wir im Vertrauen auf seine beständige Hilfe voran. Der Herr möge uns helfen und Maria, seine heiligste Mutter, begleite uns. Danke”.