Das Kreuz des heiligen Apostels Andreas kommt nach Rußland

Reliquie wird von Patras nach Kiew gebracht

Rom, (ZENIT.org) Don Mariusz Frukacz | 662 klicks

Der Patriarch von Moskau und ganz Russlands, Kyrill I., hat darum gebeten, dass die Kreuzreliquie des Apostels Andreas im Juli von Patras in Griechenland anlässlich des 1025jährigen Jubiläums der christlichen Taufe in Russland nach Kiew verbracht werde. So berichtet die griechisch-orthodoxe Seite „Romfea“ und fügt hinzu, dass es möglich sei, dass die Reliquie auch nach Moskau, Sankt Petersburg und Minsk gelange.

Die Kirche in Russland und in Patras sind geistlich der Figur des Apostels Andreas verbunden. Eine Pressemitteilung der russisch-orthodoxen Kirche bestätigte außerdem die Zustimmung des Metropoliten von Patras, an den Feierlichkeiten des Jubiläums teilzunehmen.

Vom ersten Augenblick an habe der Metropolit Chrysostomos von Patras, wie „Romfea“ berichtet, die Frage mit sehr viel Respekt vor der orthodoxen Tradition behandelt, weil „es darum geht, dem russischen und griechischen Volk eine spirituelle Bereicherung zu schenken.“ Der Patriarch von Moskau lud auch den Erzbischof von Athen und ganz Griechenlands, Ieronymos II., und den Metropoliten Chrysostomos von Patras zu den Feierlichkeiten ein.

Verschiedene Medien bestätigen, dass der Erzbischof von Patras auf die Anfrage des Patriarchen von Moskau positiv geantwortet habe und dass deshalb die Heilige Synode die erste Reise des Andreaskreuzes befürwortet und gesegnet habe.

Der Journalist Peter Anderson erinnert, während er diese Geste kommentiert, dass bereits im Jahr 2011 Menschenmassen mehr als 20 Stunden gewartet hätten, um den Gürtel der Jungfrau Maria aus dem Kloster Vatopedi auf dem Berg Athos zu verehren. „Wenn die Heilige Synode Griechenlands der Anfrage bezüglich des Kreuzes zustimmt, wird es vielleicht eine Wiederholung dieses großen Glaubenszeugnisses geben“, betont der Journalist.

Das Andreaskreuz besitzt auch eine Verbindung zum katholischen Glauben. Am 18. Januar 1980 brachte eine Delegation unter Führung Kardinals Roger Etchegarey das Kreuz von Patras nach Marseille, wo es für viele Jahrhunderte nach den Kreuzzügen aufbewahrt worden war.

„Ich glaube, dass es Aussichten gibt, dass Patriarch Kyrill im nächsten Monat Griechenland und den Berg Athos besucht“, bekräftigt Anderson. Die Nachricht wurde bereits von der Agentur „Interfax“ als gesichert übermittelt. Auch der Metropolit Hilarion, Leiter der Abteilung für Außenbeziehungen der russisch-orthodoxen Kirche, kündigte an, dass Kyrill I. Anfang Juni vorhabe, Griechenland zu besuchen. Der Besuch im Gebiet der griechisch-orthodoxen Kirche wäre eine „Antwort“ auf den Besuch des Erzbischofs von Athen, Ieronymos, im Jahr 2012 in Russland.

„Patriarch Kirill besuchte bereits viele dem kanonischen Gebiet zugehörige Länder, aber nach seiner Inthronisation war er nie wieder in den baltischen Ländern“, erklärte Hilarion und fügte hinzu: „Ende Juni zum Beispiel beabsichtigt der Patriarch, Estland zu besuchen, wo die Gläubigen der estnischen apostolischen Kirche des Patriarchats Moskau ihren Primas seit langem erwarten.“

Entsprechend der Tradition wird das Haupt der russisch-orthodoxen Kirche den Tag des heiligen Vladimir, den 28. Juli, in Kiew an der „Wiege der Taufe Russlands“ feiern“, ergänzte Hilarion.

Die Bekehrung Russlands zum Christentum lässt sich in mehrere Etappen unterteilen. Anfang 867 informierte Patriarch Photios I. von Konstantinopel die anderen östlichen Patriarchen, dass das russische Volk, zu dem er einen Bischof gesandt hatte, das Christentum mit besonderem Enthusiasmus empfinge.

Die endgültige Christianisierung Kiews geht auf das Jahr 980 zurück, als Prinz Vladimir der Große nach seiner Taufe in Cherson seiner Familie und der Bevölkerung in Kiew die Taufe im Wasser des Dnepr auferlegte. Zuerst taufte Vladimir seine zwölf Kinder. Zur Erinnerung an dieses Ereignis ließ Vladimir die erste Kirche Russlands aus Stein in Kiew errichten und nannte sie „Aufnahme der Jungfrau“. Dort wurden sein Leichnam und der seiner Frau bestattet.

Die Bekehrung des Landes zum Christentum führte zu einer engen Allianz mit dem byzantinischen Reich. Die griechischen Schriften wurden in Kiew und im ganzen Staat übernommen und Kirchen im byzantinischen Stil errichtet. 1988 feierten die Gläubigen der orthodoxen Kirchen, die ihre Wurzeln in der Taufe von Kiew haben, das tausendjährige Jubiläum seit der Bekehrung der Ostslawen. Die großen Feierlichkeiten in Moskau wurden zum Symbol für die Veränderungen in den Beziehungen zwischen der Kirche und dem sowjetischen Staat. Zum ersten Mal seit dem Jahr 1917 kehrten zahlreiche Klöster und Kirchen in den Besitz der russisch-orthodoxen Kirche zurück.