Das Leben der Christen im Irak, ein Kalvarienberg-Erlebnis

Kardinal Emmanuel III. Delly appelliert an die internationale Staatengemeinschaft

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ROM, 29.Oktober 2008 (ZENIT.org).- Der Patriarch von Babylon der chaldäisch-katholischen Kirche, Kardinal Emmanuel III. Delly, der in Bagdad residiert, ersuchte letzte Woche die internationale Staatengemeinschaft, sich des Iraks anzunehmen.


Seinem Appell war eine Massenflucht von irakischen Christen aus Mossul vorausgegangen. Ein Sprecher des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge berichtete, dass mehr als 13.000 die nordirakische Stadt verlassen hätten – mehr als die Hälfte der dort ansässigen Christen.

Die UN-Vertretung schätzt, dass 400 Christen nach Syrien geflohen sind, wo bereits rund 1,2 Millionen irakische Flüchtlinge aufgenommen wurden. Unklar sei, wer hinter den Todesdrohungen stecke, die die Christen zur Flucht trieben.

Kardinal Delly erklärte gegenüber ZENIT: „Als Autorität im Irak und als irakischer Bürger ersuche ich alle Verantwortlichen, sich des Iraks anzunehmen und der Menschlichkeit zu dienen; zu wachsen in Gerechtigkeit und Heiligkeit, so dass alle die Iraker wie Brüder ansehen und sie wieder ihre Würde erlangen.“

Zum Verhältnis zwischen Christen und Moslems sagte der Patriarch: „Eine lange Zeit haben wir in Liebe und Brüderlichkeit zusammengelebt. Dialog besteht nicht nur aus Worten. Mindestens 14 Jahrhunderte haben wir miteinander gelebt, gearbeitet und unsere Interessen geteilt. Dialog heißt: Ich respektiere den Glauben der Moslems, und der Islam respektiert meinen. Religion ist für Gott, die Nation für jeden.“

Während der Bischofssynode im Vatikan beschrieb Kardinal Delli das Leben im Irak als ein Kalvarienberg-Erlebnis. Er erinnerte daran, dass 16 Priester und zwei Bischöfe gekidnappt und später, nach der Zahlung eines Lösegeldes, wieder freigelassen worden seien.

Andere dagegen stünden auf einer langen Liste von neuen Märtyrern, die heute im Himmel für die Gläubigen beteten: der frühere Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, P. Ragheed Ganni und weitere zwei Priester sowie sechs junge Leute.

[Ein Video-Interview mit Kardinal Delly über die Lage im Irak veröffentlichte die Nachrichtenagentur H2oNews]