Das Leben jedes Menschen schützen: Dringender Appell Benedikts XVI. an die Politik

Programmatische Ansprache an die Vertreter des öffentlichen Lebens

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WIEN, 8. September 2007 (ZENIT.org).- „Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende“, bekräftigte Papst Benedikt XVI. am Freitagabend in der Wiener Hofburg.



Der Heilige Vater wandte sich in einer programmatischen Ansprache über die Bedeutung der christlichen Wurzeln für Österreich und ganz Europa besonders an die Mitglieder der österreichischen Bundesregierung und Bundespräsident Fischer sowie an die Vertreter des diplomatischen Corps. Er erinnerte sie daran, dass Abtreibung kein Menschenrecht sein könne, und fügte hinzu: „Sie ist das Gegenteil davon. Sie ist eine ‚tiefe soziale Wunde‘, wie unser verstorbener Mitbruder Kardinal Franz König zu betonen nicht müde wurde.“

Benedikt XVI. hob hervor, dass es sich hierbei nicht um ein „speziell kirchliches Interesse“ handle, sondern dass er sich vielmehr zum „Anwalt eines zutiefst menschlichen Anliegens“ und zum Sprecher der Ungeborenen machen wolle, „die keine Stimme haben“. Und er sie sich dessen bewusst, „dass die Glaubwürdigkeit unserer Rede auch davon abhängt, was die Kirche selbst zur Hilfe für die betroffenen Frauen tut“.

Nachdem er mit diesen Worten die große Verantwortung der Hirten der Kirche und der Gläubigen hervorgehoben hatte, appellierte er an die politisch Verantwortlichen, „nicht zuzulassen, dass Kinder zu einem Krankheitsfall gemacht werden. Die Tatsache, dass die Abtreibung auch gemäß der österreichischen Rechtsordnung ein Unrecht ist, dürfe nicht faktisch aufgehoben werden.

Gleichzeitig rief er sie dazu auf, „alles dafür zu tun, dass die europäischen Länder wieder kinderfreundlicher werden. Ermutigen Sie bitte die jungen Menschen, die mit der Heirat eine neue Familie gründen, Mütter und Väter zu werden. Damit tun Sie ihnen selbst, aber auch der ganzen Gesellschaft etwas Gutes. So bestärken Sie auch nachdrücklich in Ihren politischen Bemühungen, Umstände zu fördern, die es jungen Paaren ermöglichen, Kinder aufzuziehen.“

Grundlegende Voraussetzung für die Wirksamkeit all dieser Bemühungen sei es aber, „wieder ein Klima der Freude und der Lebenszuversicht zu schaffen, in dem Kinder nicht als Last, sondern als Geschenk für alle erlebt werden“.

Klare Worte fand Papst Benedikt XVI. sodann zum Umgang mit den sterbenden Menschen: „Es ist zu befürchten, dass eines Tages ein unterschwelliger oder auch erklärter Druck auf schwerkranke und alte Menschen ausgeübt werden könnte, um den Tod zu bitten oder ihn sich selbst zu geben. Die richtige Antwort auf das Leid am Ende des Lebens ist Zuwendung, Sterbebegleitung – besonders auch mit Hilfe der Palliativmedizin – und nicht ‚aktive Sterbehilfe‘.“

Der Bischof von Rom forderte von der Politik „strukturelle Reformen in allen Bereichen des Medizin- und Sozialsystems“ sowie den Aufbau palliativer Versorgungssysteme und bekräftigte, dass es darüber hinaus auch „konkreter Schritte“ bedürfe – „in der psychischen und seelsorglichen Begleitung schwer Kranker und Sterbender, der Familienangehörigen, der Ärzte und des Pflegepersonals.“

Die Hospizbewegung leiste in dieser Hinsicht „Großartiges“, könne aber alle Aufgaben nicht alleine bewältigen. „Viele andere Menschen müssen bereit sein beziehungsweise in ihrer Bereitschaft ermutigt werden, sich die Zuwendung zu schwer Kranken und Sterbenden Zeit und auch Geld kosten zu lassen.“

Am Ende seiner Ansprache wandte sich Papst Benedikt direkt an die österreichischen Verantwortungsträger und erklärte: „Ein Land, das so viel bekommen hat, muss auch viel geben. Es darf sich viel zutrauen und sich auch einiges zumuten an Verantwortung in seiner Nachbarschaft, in Europa und in der Welt. Vieles von dem, was Österreich ist und besitzt, verdankt es dem christlichen Glauben und seiner reichen Wirkung in den Menschen.“