„Das Leben von Behinderten vermag verhärtete Herzen zu öffnen“

Papst Benedikt in der Stiftung „Instituto San Josè“

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MADRID, 21.August 2011(ZENIT.org). - Vor der Gebetsvigil besuchte Papst Benedikt XVI. am Samstagabend die Stiftung „Instituto San José“ in Madrid, eine historische Wohltätigkeitsorganisation für physisch und psychisch erkrankte Menschen, die vom Orden des Heiligen Johannes von Gott (Fatebenefratelli) geleitet wird.

Bei der Ankunft wurde der Papst durch den Superior Pater Rafael M. Martínez OH und den Direktoren des Instituts begrüßt. Das Treffen fand auf dem Sportplatz statt, wo sich ca. 200 Kinder aus verschiedenen spanischen Kindertagesstätten versammelt hatten. Des Weiteren hießen andere Patienten und eine Gruppe behinderter Jugendlicher, Teilnehmer des WJT, den Heiligen Vater willkommen. Nach der Begrüßung durch Kardinal Antonio Maria Rouco Varela und einem behinderten Jugendlichen hielt der Heilige Vater eine Ansprache.

Zunächst begrüßte er den Kardinalerzbischofs von Madrid, die Bischöfe, Priester und Brüder des Hospitalordens des hl. Johannes von Gott, sowie die anwesenden Jugendlichen, Familienangehörigen und Ehrenamtlichen, denen er mit seinem Besuch seine Wertschätzung und seine Nähe ausdrücken wolle.

Die Jugend sei das Alter, führte der Heilige Vater aus, in dem sich dem Menschen das Leben in seinem ganzen Reichtum und der Fülle seiner Möglichkeiten zeige. „Kann das Leben weiterhin groß sein, wenn es vom Leiden heimgesucht wird?“, fragte Benedikt XVI. weiter. „Eine Gesellschaft, die die Leidenden nicht annehmen und nicht im Mit-Leiden helfen kann, Leid auch von innen zu teilen zu tragen, ist eine grausame und inhumane Gesellschaft“, zitierte er aus seiner Enzyklika Spe salvi. Eine lange Tradition der Menschlichkeit gehe aus der Selbsthingabe hervor, die Christus am Kreuz für uns und unsere Erlösung vollbracht habe und in seinen Spuren gebe es eine Reihe von Zeugen.

„Diese Zeugen sprechen zu uns vor allem von der Würde eines jeden Menschenlebens, das ja nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde. Keine Trübsal ist imstande, diese Prägung auszuradieren, die ins Innerste des Menschen eingeschrieben ist.“ Weiter führte der Heilige Vater aus, dass seit dem freiwillig auf sich genommenen Schmerz und Tod Jesu sich das Bild Gottes auch im Antlitz dessen darstelle, der leidet. Die Liebe zum Herrn werde dazu einladen jedem den liebevollen Blick zu schenken, den er brauche, über die Versorgung durch die äußeren Dinge hinaus. Dies sei möglich als Frucht einer persönlichen Beziehung mit Christus. „Euer Leben und eure Hingabe verkünden die Größe, zu der der Mensch berufen ist: Mitleid mit dem Leidenden zu haben und ihn aus Liebe zu begleiten, wie Gott es getan hat.“

Gleichzeitig sei das Leben eines Kranken ein großes Gut. „In geheimnisvoller, aber sehr realer Weise weckt die Wirklichkeit ihres Lebens in unseren oft verhärteten Herzen eine Zärtlichkeit, die uns für das Heil öffnet. Mit Sicherheit verwandelt das Leben diese Jugendlichen das Herz der Menschen“, führte der Heilige Vater aus.

In einer Gesellschaft, in der allzu oft die unschätzbare Würde des Lebens in Zweifel gezogen werde, seien sie Protagonisten der Zivilisation, da sie entschlossen zum Aufbau einer Kultur der Liebe beitragen, ermutigte der Papst die Anwesenden.

Mit großer Zuneigung erteilte der Heilige Vater daraufhin allen seinen apostolischen Segen, ein Zeichen der Liebe Gottes, die ihre Kraft sein möge. (mr)