„Das Licht Christi scheint auf alle“: Grußwort von Bischof Dr. Gerhard Feige bei der Ökumenischen Begegnung in Wittenberg

„Die Gabe des Lichtes wahrnehmen, die das Evangelium Christi Europa heute schenkt“

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WITTENBERG, 17. Februar 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen das Grußwort, das der Bischof von Magdeburg, Dr. Gerhard Feige, als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag bei der ökumenischen Begegnung in Wittenberg (15.-18. Februar) gehalten hat.



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Sehr geehrte Herren Vorsitzende von KEK und CCEE,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Auch ich begrüße Sie alle herzlich und heiße Sie willkommen. Ich tue dies in doppelter Funktion: zum einen als Delegierter der Deutschen Bischofskonferenz für den gesamten Prozess der EÖV 3 – darum darf ich an dieser Stelle auch beste Wünsche vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, übermitteln – zum anderen als Bischof von Magdeburg und damit als hiesiger katholischer Ortsbischof. Außerdem bin ich hier in diesem Teil Deutschlands geboren und aufgewachsen.

Dass diese Region bis 1989 Teil der DDR war und erst seit 1990 zum wiedervereinigten Deutschland gehört, prägt nicht nur meine Identität als Mensch und als Bischof. Dies sagt auch etwas über den Ort, an dem wir hier zusammenkommen, und über die Menschen, die hier leben, auch über die Katholiken im – wie man häufig sagt – „Lande Luthers“.

Auch wenn wir Katholiken hier – wie fast überall in den Gebieten der vormaligen DDR – nur eine Minderheit von etwa 4% sind, so schauen wir doch auf eine reiche Tradition zurück; ich nenne nur die mittelalterlichen Mystikerinnen Gertrud von Helfta, Mechthild von Hakeborn und Mechthild von Magdeburg oder Norbert von Xanten, den Gründer des Prämonstratenser-Ordens und 13. Erzbischof von Magdeburg.

Zusammen mit den evangelischen und anderen Christen unserer Region, mit den wir insgesamt nur etwa 20–25% der Bevölkerung ausmachen, stellen wir uns der Tatsache, in einem der am stärksten entkirchlichten und entchristlichten Gebiete Europas zu leben. Säkularisierung ist für uns alltägliche Wirklichkeit. Darum ist Ökumene für uns auch schon lange kein Fremdwort mehr. Wir wissen: „In einer Situation, in der christlicher Glaube längst nicht mehr selbstverständlich ist, kommt dem Umgang der Kirchen miteinander sowie ihrem gemeinsamen Auftreten eine besondere Bedeutung für ihre Glaubwürdigkeit zu … Nur in einem lebendigen Miteinander werden die Kirchen in ihrem Tun und in ihren Anliegen von den Menschen verstanden und angenommen“ („Ökumene-Text“ unseres „Pastoralen Zukunftsgespräches“ von 2004).

Da ich in der Deutschen Bischofskonferenz und anderen Gremien in besonderer Weise mit den Kirchen des Ostens befasst bin, sind mir überdies die Beziehungen zu den östlichen Kirchen ein großes Anliegen. Ich freue mich deshalb, dass wir uns auf den Weg in ein orthodox geprägtes Land machen.

Mit der Lutherstadt Wittenberg haben Sie einen wichtigen Ort unserer christlichen Tradition gewählt, aber auch einen Ort, an dem sich viele Fragen und Probleme des heutigen Europa bündeln. Sie sind in eine Region gekommen, die große Probleme hat. Die Arbeitslosenzahlen liegen hier deutlich über dem Durchschnitt in Deutschland. Das gesamteuropäische, ja weltweite Phänomen der Migration hat hier eine ganz konkrete Bedeutung: Menschen verlassen in großer Zahl diese Region, um anderenorts Arbeit zu
finden.

Wir Katholiken in Deutschland wünschen und hoffen, dass sich auf dem Pilgerweg der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung von Rom über Wittenberg nach Sibiu/ Hermannstadt etwas von dem ereignen möge, was deren Motto uns sagt: „Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit für Europa.“ Dass wir alle in diesen Tagen aus der Gabe des Lichtes, die uns das Evangelium Christi schenkt, Hoffnung und Kraft finden mögen, ist deshalb mein Wunsch für dieses Treffen hier in Wittenberg und für den noch vor uns liegenden Weg nach Sibiu/Hermannstadt.

[Von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original-Manuskript]