Das Magdala Center im Heiligen Land

Ein Interview mit Pater Juan Solana LC

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Von Paul De Maeyer

ROM, 23. April 2012 (ZENIT.org) –Pater Solana LC, der vom Heilige Stuhl betraute Leiter des  Päpstlichen Instituts „Notre Dame“ von Jerusalem und Initiator des Projekts „Magdala  Center“ berichtet im folgenden Interview über die Besonderheit dieser „heiligen Stätte“.

Die März/April-Ausgabe der von der Kustodie der Franziskaner publizierte Zeitschrift „Terra Sancta“ über Heilige Stätten widmete den Themen Maria Magdalena und Magdala eine ausführliche Berichterstattung. Laut der Zeitschrift sei buchstäblich „eine im Entstehen begriffene heilige Stätte“.

ZENIT: Was können Sie uns darüber berichten?

Pater Juan Solana: Um ehrlich zu sein, empfand ich diese Ausgabe der Zeitschrift als eine sehr schöne Überraschung. Ich bin auch sehr erfreut darüber, dass ihr Erscheinen genau in die Osterzeit fällt, in der Maria Magdalena ja eine der wichtigsten Persönlichkeiten ist. Wenn ich mich recht erinnere, wird sie in den vier Evangelien zur Passion, dem Tod und der Auferstehung von Jesus insgesamt  elf Mal erwähnt. Meiner Meinung nach handelt es sich bei einer derartigen Hervorhebung einer Frau in den Evangelien um einen ganz außergewöhnlichen Fall.

Die Aussage, wonach eine heiligen Stätte „im Entstehen begriffen“ sei, halte ich nur teilweise für richtig. Ich möchte dies erklären. Vor über hundert Jahren erwarben die Franziskaner ein Grundstück in Magdala und führten dort in den 70er Jahren umfangreiche Ausgrabungen durch. Danach wurde der Ort praktisch verlassen. Erst um das Jahr 2006 kehrte Pater Stefano de Luca OFM dorthin zurück, um die Ausgrabungsarbeiten wieder aufzunehmen und das Grundstück zu bearbeiten. Die Legionäre Christi erwarben die an die Grundstücke der Franziskaner angrenzenden Grundstücke und riefen das Projekt „Magdala Center“ ins Leben, das, so Gott will, gegen Ende des Jahres 2012 eröffnet werden wird. Im Rahmen dieses Projektes haben sich außerdem viele Neuerungen ergeben, die die Bedeutung des Ortes im Leben Jesu hervorheben.

ZENIT: Erläutern Sie bitte den Inhalt des Projekts „Magdala Center“ und die von Ihnen angesprochenen Neuerungen.

Pater Juan Solana:Beim „Magdala Center“ handelt es sich um ein sehr großes Projekt. Der Gedanke, dass ich dessen Initiator bin, bereitet mir manchmal Unbehagen. Ich denke jedoch, dass man sich Gott anvertrauen sollte. In aller Kürze beinhaltete das Projekt den Bau eines Hotels für Pilger, das aufgrund seiner Lage am Ufer des Sees Genezareth den Namen Notre Dame du Lac (Unsere Frau von See) trägt. Dieser Ort war im öffentlichen Leben Jesu Christi sehr symbolträchtig. Wie an anderen heiligen Stätten wird es für die Pilger selbstverständlich eine Kapelle zum Beten, für Messfeiern und den Empfang weiterer Sakramente geben. Wir haben uns überlegt, der Kapelle den den Namen "Duc in Altum" zu geben. Über eine Reihe günstiger Zufälle sind wir zu einer Auseinandersetzung mit dem Boot von Petrus gelangt; jenes Boot, in dem Jesus predigte. Genau diesen Satz sprach Jesus zu Petrus zur Vervollständigung seiner Predigt: "Duc in Altum", „Ins offene Meer! Wirf deine Netze zum Fang aus“. Das Boot wurde in das Logo des gesamten Projektes aufgenommen und wird auch in der Kapelle sichtbar sein.

Wir haben uns ebenso überlegt, ein Bildungszentrum für die Würde der Frauen zu schaffen. Wir halten  Maria Magdalena für eine zentrale Persönlichkeit des Evangeliums. Ihre Figur könnte Denkanstöße für eine christliche Frauenbewegung liefern. Wir haben uns für den Namen „Magdalena Institute“ entschieden. Eine weitere Idee ist ein Multimedia-Zentrum, das den Pilgern Basis- und Detailwissen über die Geschichte, die Orte und die Bedeutung der von ihnen zurückgelegten Pilgerwege vermitteln soll. Wir leben im Zeitalter des Bildes, der Musik, der Sinne.  Wir glauben, dass wir die Männer und Frauen von heute über hoch entwickelte Technologie erreichen können und auch müssen.

Zu guter Letzt beinhaltet das Projekt noch eine archäologische Ausgrabungsstätte; durch einen glücklichen Zufall haben wir dort einen großen Teil des antiken Ortes Magdala entdeckt, in dem Maria Magdalena zur Zeit Jesu lebte.

ZENIT: Welche zukünftigen Projekte sind geplant?

Pater Juan María Solana: Die ursprüngliche Idee war die Eröffnung des ersten Teiles des Projektes am 12. Dezember 2012. Aus verschiedenen Gründen halte ich das jedoch für unwahrscheinlich. Vor allen Dingen finanzieren wir das gesamte Projekt durch Spenden, doch die Liste der Kostenpunkte ist lang. Im bisher Geleisteten sehe ich aber die Hand Gottes. Der Beginn unseres Projektes liegt genau in einer  Zeit der tiefen Krise für uns Legionären aufgrund des Falls unseres Gründers; Es war eine historische Zeit; erschüttert durch zwei globale Finanzkrisen und zwei bewaffnete Konflikte im mittleren Osten … Und dennoch hat Gott uns mit der Großzügigkeit vieler Menschen gesegnet. Selbstverständlich möchten wir die Pforten dieses  Zentrum so bald als möglich öffnen, doch es gibt keine Eile. Wir möchten darauf vorbereitet sein. Wir hoffen, nächsten Dezember die Kapelle und das Restaurant eröffnen zu können… den Rest dann schrittweise.

ZENIT: Eine letzte Bemerkung zu Magdala …

Pater Juan María Solana: Es gäbe so viel dazu zu sagen. Ich schreibe gerade an einem Buch über das Projekt. Ich würde als letzten Punkt vielleicht die Schönheit der Stätte anführen: Jesus hat einen günstigen Ort für sein Leben und seine Predigten ausgewählt. Magdala befindet sich in einer herrlichen Lage und verzaubert die Besucher mit seinem See, seinen Bergen und seiner Landschaft. Da ich nicht viele weitere Themen kommentieren kann, empfehle ich den Besuch unserer Homepage.

[Übersetzung des spanischen Originals von Sarah Fleissner]